Elfenbeinküste: Geburtsort Straßengraben

„Sobald die Kinder auf der Welt waren, bin ich wieder aufgestanden und weitergelaufen.“

Lea war im achten Monat schwanger, als ihr Dorf im Westen der Elfenbeinküste angegriffen wurde. Zusammen mit ihren Nachbarn floh die 26-Jährige, die Zwillinge erwartete, durch den Wald. Wie Lea ergeht es in der Elfenbeinküste zehntausenden Menschen, deren Häuser geplündert und teilweise vollständig zerstört wurden.

Nachdem sie sich wochenlang aus Angst vor weiteren Angriffen versteckt haben, liefen Lea und ihre Nachbarn 30 Meilen ins nächste Flüchtlingslager. Auf dem Weg setzten Leas Wehen ein. „Am Straßenrand habe ich zwei Jungen zur Welt gebracht, mit der Hilfe einer älteren Frau“, erzählt sie. „Sobald die Kinder auf der Welt waren, bin ich wieder aufgestanden und weitergelaufen.“

Zu Beginn schliefen die Flüchtlinge auf dem Boden im Freien

Lea hat seit dem Angriff auf ihr Dorf nicht von ihrem Mann gehört. Von ihrer Familie ist niemand anderes im Flüchtlingscamp. Sie ist seit Jahren Hausfrau, hat keine Schulbildung und somit auch kaum Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Sie kann noch nicht einmal ihren eigenen Namen schreiben. „Ich habe alles verloren“, sagt Lea. „Meine Mutter und meine Schwester, die einzige Familie, die ich noch habe, lebt im Süden, in San Pedro. Meine anderen zwei Kinder leben bei ihnen.“

Auch gesundheitlich geht es Lea nicht gut. „Irgendwas stimmt mit meinem Magen nicht“, erzählt sie, während sie einen ihrer Söhne stillt. „Ich habe Medikamente von der Klinik bekommen, aber der Schmerz geht nicht weg.“ Das Leben im Camp hat sich in den letzten zwei Monaten verbessert. Als Lea ankam, gab es keine Unterkünfte. Alle haben auf Matratzen geschlafen oder in einem der Gebäude. Jetzt gibt es zumindest überdachte Schlafbereiche und Frauen und Kinder haben ihren eigenen Bereich.

„Doktor“ und „Richter“ sollen nicht die einzige Hoffnung sein

Lea ist vor allem dankbar für die Unterstützung von Madame Vlei Leontine, einer Sozialarbeiterin, die für das Traumabewältigungs-Zentrum von CARE arbeitet. „Ich bin ganz alleine“, sagt Lea nachdenklich. „Ich brauche Hilfe.“ Zusammen mit dem lokalen Partner ASAPSU hat CARE das Zentrum im Mai eröffnet. 5.000 Camp-Bewohner bekommen hier Hilfe, das Erlebte zu verarbeiten und mit ihrer Trauer, ihren Ängsten und auch Wut- und Rachegefühlen zurechtzukommen.