Elfenbeinküste: Sie waren die Letzten, die das Dorf verlassen haben

Die Soldaten fuhren mit Lastwagen durch das Dorf und schrien, dass sie wiederkämen und alle töten würden. Danach blieb keiner, um abzuwarten, ob sie es wirklich ernst meinen.

Von CARE Mitarbeiter Anders Nordstoga

Guen Kampeussen Nina, ihr Ehemann und drei Kinder im Alter von 13, acht und fünf Jahren haben ihr Zuhause in Dohoupleu mitten in der Nacht verlassen. Sie gingen fünf Stunden zu Fuß und kamen am Morgen des 24. Februar mit 32 anderen Bewohnern ihres Dorfes in Glabarlay an. Sie waren die letzten, die das Dorf verlassen haben.


Bewaffnete Milizen schüchterten die Dorfbewohner ein

„Unser Dorf liegt direkt neben dem eines anderen Stammes. Gestern fuhren Milizen auf Lastwagen durch unser Dorf und schrien, dass sie das Dorf Danané weiter nördlich befreien würden. Sie trugen Armeehosen und weiße T-Shirts. Sie hatten Gewehre und Macheten. Sie verlangten Essen und dass unsere Männer und Söhne mitkämen, um zu kämpfen. Aber wir weigerten uns. Gott sei Dank haben sie niemanden getötet. Aber sie waren auf Gewalt aus und meinten, wenn sie Danané nicht einnehmen könnten, kämen sie wieder und würden alle umbringen. Alle, die bis dahin noch im Dorf geblieben waren, haben daraufhin entschieden, zu gehen.


Sie wollen nur Frieden 

Die Familie hat es geschafft, ein paar Habseligkeiten sowie eine kleine Tasche mit Reis und eine Matratze mitzunehmen. Ihr Mann hat das alles auf dem Kopf getragen. Sie hatten keine Ahnung, was sie auf der anderen Seite der Grenze erwarten würde.

„Alles was wir uns von Liberia erhofft hatten, war Frieden. Wir hatten keine anderen Erwartungen. Wenn es wieder Frieden in der Elfenbeinküste gibt, werden wir zurückgehen. Viele von uns gingen dort zur Schule oder hatten Arbeit. Aber die Lage ist sehr unsicher und undurchsichtig. Wir wissen nicht, was passieren wird. Wir können nur abwarten,“ meint er.


Für Reisevorbereitungen hatten Guen und ihre Familie keine Zeit

Während wir reden, sitzen Guen und ihre Familie im Schatten eines Baumes und warten darauf, dass man ihnen sagt, wo sie heute Nacht schlafen können. Der Großteil der Neuankömmlinge wird im Schulgebäude des Dorfes untergebracht. Deshalb glauben sie, dass auch sie dort werden bleiben können. Aber keiner weiß, wann sie wieder etwas zu essen bekommen werden: „Als wir heute Morgen angekommen sind, haben wir unsere letzten Lebensmittel aufgebraucht. Jetzt haben wir nur noch 50 Liberianische Dollar (weniger als ein US Dollar) und drei Kinder, die Essen brauchen“, sagt sie. „Wir hatten keine Zeit, uns besser auf die Reise vorzubereiten. Wir hatten keine Zeit, irgendetwas zu Essen vorzubereiten.“