Endlich durchatmen

CARE-Medienkoordinator Rick Perera berichtet aus Haiti

1. Februar 2010

Langsam fangen wir alle an, uns ein wenig sicherer zu fühlen und uns zu entspannen – obwohl “Entspannung” natürlich nur rein relativer Begriff ist. Es gab seit etwa einer Woche kein Nachbeben mehr. Gestern hat eine große Verteilung von Reis begonnen und bisher gab es damit keine Probleme – eine große Erleichterung, da viele Überlebende seit dem Beben kaum etwas zu essen hatten. Es wird natürlich eine lange Zeit dauern, alle Bedürftigen zu erreichen, aber das Hilfssystem arbeitet bisher gut.

Gerade haben die Ingenieure unsere Mitarbeiterwohnungen für sicher erklärt - sogar die im vierten Stock. Wir werden also nachts mehr Platz haben. Einige werden weiterhin auf Matratzen schlafen müssen, aber das kümmert mich für ein paar weitere Tage wenig – eine Pyjama-Party ist nur eine weitere Erfahrung, die mich mit meinen Kollegen verbindet, von denen mir während der letzten Wochen viele näher als die eigene Familie gekommen sind.

Unsere unglaublich engagierte Länderdirektorin Sophie Perez hat sich eine wohlverdiente Auszeit von einer Woche genommen, um ihre Kinder zu ihrer Familie nach Frankreich zu bringen. Sie brauchen alle eine Pause von dieser stressigen Situation.

Da wieder einige Linienflüge in Port-au-Prince landen, wird es für Mitarbeiter leichter, rein und raus zu kommen, ohne den aufwendigen Landweg zu nehmen oder auf Hilfsflüge angewiesen zu sein. Viele aus der ersten Welle der Nothelfer werden durch frische Kollegen ersetzt. Unser Teamleiter David Gazashivili (unverkennbar in seinem dreckigen CARE T-Shirt, Frankenstein-Stiefeln und Mundschutz) hat uns in der letzten Woche verlassen, um die Hilfe weiter von Atlanta aus zu koordinieren. Unser IT-Held Astor Chirinos, der uns innerhalb von Tagen von SMS-Niveau zu vollem Satelliten-Internet gebracht hat, ist zu seiner Frau (die in Atlanta lebt und in den Wehen liegt) zurückgekehrt.

Meine eigene „Ablösung“, die unermüdliche Melanie Brooks, Medienkoordinatorin von CARE International, soll morgen aus Genf abfliegen. Wir werden ein paar Tage gemeinsam hier sein, sodass ich ihr alle Medienkontakte übergeben kann. Es wird furchtbar gut tun, sie zu sehen! Sie plant nach meiner Abreise noch zwei bis drei Wochen zu bleiben, dann werden wir sehen, wie es weiter gehen wird.

Das Medieninteresse hat sich etwas beruhigt, ist aber immer noch stark. Letzte Nacht wurde ich für die deutsche Tagesschau interviewt – zur Überraschung vieler deutscher Freunde – und es gab eine Story im „Berkshire Eagle“ (der Zeitung meiner Heimatstadt) über meine Arbeit für CARE in Haiti.

Ich bin endlich dazu gekommen, all die Kontaktdaten von Journalisten aus meinem Notitzbuch in eine Excel-Tabelle zu kopieren: Es sind 136 (und es werden mehr). Es gab während der ersten Woche Tage, an denen ich 15 Interviews gegeben habe. Es kommt mir vor, als läge das schon Jahre zurück.

Es ist natürlich noch nicht vorbei. Morgen werden meine Kollegin Evelyn Hockstein und ich um acht Uhr morgens aufbrechen, um nach Gros-Marne, im Nordwesten Haitis zu fahren. Wir wollen sehen, wo dort aus Port-au-Prince geflohene Menschen leben und wie CARE ihnen und ihren Gastgebern helfen wird. Wir haben einige Journalisten eingeladen mitzukommen, aber die müssen als notorisch vom Redaktionsschluss abhängende Menschen noch zusagen.

Am Mittwoch werde ich „aus dem Feld“ mit David Lewis, einem alten Freund aus CNN-Zeiten und jetzigem Star beim WMLB-Radio in Atlanta, sprechen. Am Donnerstag wird ein Interview mit dem Bayerischen Rundfunk über die Berge schallen. Und am Freitag … das werden wir ohne Zweifel früh genug herausfinden.

Freitag, 22. Januar 2010

Man sollte erwarten, dass Wilner Ulysse gerade einer alten Dame über die Straße hilft. Das würde dem klassischen Bild eines pflichtbewussten Pfadfinders entsprechen. Aber der 23 jährige Wilner hat heute eine wichtigere gute Tat zu erledigen.

Er ist einer der Pfadfinder aus Léogane, einer Stadt die nahe am Epizentrum des Erdbebens lag und schwer betroffen ist. Die Stadt ist praktisch komplett zerstört, und die meisten Menschen haben ihre Häuser und Familienmitglieder verloren. Beerdigungen sind zu einer tragisch-regelmäßigen Alltäglichkeit geworden. Aber trotz ihrer eigenen Verluste und Traumata, stehen die jungen Menschen von Léogana bereit, um ihre Mitmenschen zu unterstützen.

Am Mittwoch haben Wilner und die anderen Pfadfinder CARE bei der Verteilung von Hilfsgütern im Zentrum von Léogane unterstützt. Das Gebäude des Telefonanbieters – es ist verlassen seitdem das Telefonnetz bei dem Beben zerstört wurde – dient als provisorische Stadthalle und Hilfszentrum. Hier hat sich CARE eingerichtet, um dringend nötige Hilfe an die traumatisierten Überlebenden des Bebens zu liefern, vor allem an Frauen.

Die Aufgabe der Pfadfinder ist es, Sicherheit und Trost zu spenden. Die Jungen, groß und mutig, bewachen den Eingang des Gebäudes. Die Mädchen gehen mit den Frauen, und leiten sie mit sanften Berührungen zu den Ausgabestellen der Hilfsgüter. Die Frauen sehen erschöpft aus, aber einige lächeln dankbar, als sie ein wertvolles Geschenk erhalten: Hygiene-Pakete mit Seife, Zahnpasta, Handtüchern und Desinfektionstüchern, alles eingepackt in 20-Liter Eimer, die zum sammeln und reinigen von Wasser verwendet werden können. Dennoch sind die Gesichter den Wartenden an der Ausgabestelle müde und verschwitzt. Die jungen Pfadfinder schauen ernst drein– die meisten haben selbst schlimme Verluste zu beklagen – aber ihre Gesichter sind voller Mitgefühl für die Mütter und Großmütter, die sie begleiten.

„Wir können nur vermuten, wie traumatisiert und untröstlich sich diese Frauen fühlen“, sagt Sophie Perez, die Länderdirektorin von CARE Haiti. „Genauso wie materielle Hilfe, brauchen sie jetzt auch das Wissen, dass die Welt sich um sie kümmert und das sie nicht allein sind. Diese netten jungen Menschen zu haben, die einem sprichwörtlich in dieser schweren Zeit zur Seite stehen, ist ein großer Trost.“

Viele der Frauen, die Hilfsgüterausgabe am Mittwoch kommen, haben ihre Häuser verloren und leben im Freien und in Zelten. Selbst jene, die noch ein Haus haben, sind wegen der vielen Nachbeben zu verängstigt, um in diese zurück zu kehren. „Das eigene Haus und Familienangehörige zu verlieren und dann noch ständig in Angst leben müssen – das ist mehr als man irgendjemanden zumuten sollte“, sagt Sophie. „Wir arbeiten sehr hart, damit hier niemand mehr unnötig leiden muss.“

Genau das macht auch Wilner. In seinen sieben Jahren als Pfadfinder, ist dies sicherlich die wichtigste gute Tat, die er vollbracht hat.

Dienstag, 19. Januar 2010

Das Krankenhaus des Friedens

Es heißt „Hôpital la Paix“ – Krankenhaus des Friedens. Aber dieses massiv überfüllte Krankenhaus ist im Moment alles andere als friedvoll. Es ist die größte medizinische Einrichtung, die im zerstörten Port-au-Prince noch steht – und es ist vollkommen überlastet mit den vielen schwer verwundeten Menschen.

Der Parkplatz vor dem zweistöckigen Betongebäude ist gefüllt mit den Verwundeten, die auf Matratzen oder den blanken Bettgestellen, auf Laken, dem spärlichen Gras oder sogar auf dem blanken Gehsteig unter der brutalen Sonne liegen. Manchmal ist jemand zu sehen, der sich über einen der Verwundeten beugt und ihm ein wenig Erleichterung verschafft, vielleicht sogar einen Infusionsbeutel in der Hand hält. Aber viele liegen allein. Praktisch jeder in dieser mitgenommenen Stadt hat Angehörige verloren – einige die gesamte Familie.

Diejenigen, die unversehrt sind und laufen können, haben sich am Hauptportal versammelt. Zwei Freiwillige halten einen Strick quer über den Eingang, um zu kontrollieren wer reinkommt. Sie gehen automatisch zur Seite, wenn sie ein ausländisches Gesicht sehen: jeder der helfen könnte, ist hier willkommen. Pfleger mit Tragen drängen sich durch die Menge, während sie „Excusez! Excusez!“ rufen. Zwei Männer tragen eine Frau mit schmerzverzerrtem Gesicht und benutzen dabei einen Tisch als improvisierte Trage. Die Menge teilt sich, um einen Mann mit Leichensack durchzulassen.

Nothelfer, von kubanischen Ärzten bis zu katalonischen Rettungssanitätern ballen sich auf der Innenseite der Tür. Die meisten tun, was sie können, um das allgegenwärtige Leiden zu lindern, aber es gibt wenig Koordination. Nach einer ersten Diagnose warten die Patienten, gegen die Wände gelehnt, oder auf dem Boden liegend, auf ihre Behandlung. Einige haben Notizzettel mit einer kurzen, auf Spanisch geschriebenen Diagnose, auf ihrer Brust kleben.


Dr. Franck Geneus, der Leiter des Gesundheits-Programms von CARE, kämpft sich zum Verwaltungstrakt des Krankenhauses. Kurz spricht er mit einer Nonne, die ein wenig die Lage hier kennt – aber es gibt einfach keine Leitung. Unsere Aufgabe hier – Chemikalien zur Wasserreinigung zu verteilen – muss warten. Wenn wir die Hilfsgüter jetzt verteilen, werden sie im Chaos verloren gehen. Wir müssen unsere Arbeit auf die Orte konzentrieren, wo sie Erfolg haben.

Weiter innen in dem düsteren Krankenhaus stehen Betten in den Gängen. Die meisten Patienten, einige von ihnen halb nackt, liegen still. Sie sind zu erschöpft, um zu klagen. Der Gestank des Todes umgibt uns. „Den wirst du nie wieder aus den Kleidern kriegen. Du wirst sie wegschmeißen müssen“, sagt meine Kollegin Evelyn, eine Fotografin die für CARE in vielen Ländern, von Dafur bis zum Kongo, gearbeitet hat. Sie zuckt mit den Schultern.

Aber Evelyn ist keine abgehärtete Zynikerin. Einige Minuten später kommt sie aus einer improvisierten Krankenstation, mit Tränen in den Augen. Sie hat zugesehen, wie eine spanische Nonne einem Mann, der nicht sprechen konnte, die letzte Ölung gegeben hat. Er kann ein Bein bewegen und als die gute Schwester in sanft fragt, ob er versteht, das er bald sterben wird, signalisiert er ein „ja“. Während Evelyn die Geschichte erzählt, schauen wir zurück auf den Ort, wo der Mann noch liegt. Jemand hat ihm ein blaues Laken über den Kopf gezogen. Er hatte schwere innere Verletzungen und viel Blut verloren, erzählt sie uns leise. Er hatte keine Chance. „Estaba listo. Estaba en paz.“ Er war bereit. Er war im Frieden mit sich selbst.

Montag, 18. Januar 2010

Schnelligkeit UND Koordination

Ich höre von Journalisten immer dieselbe Frage: Warum kommt die Hilfe nicht schneller bei den verzweifelten Menschen an? Die Antwort darauf ist: Die Katastrophenhelfer arbeiten so schnell sie können, aber die Bedingungen sind grauenvoll. Dies ist eine der größten vorstellbaren Katastrophen, auch weil Haiti zuvor schon eines der ärmsten Länder der Welt war und die Folgen von Wirbelstürmen und Überflutungen der letzten Jahre die Infrastruktur massiv beeinträchtigt haben.

“Es ist immer sehr schwierig in den ersten Tagen”, sagt die Länderdirektorin von CARE-Haiti Sophie Perez, die schon an vielen Nothilfe-Einsätzen in Haiti beteiligt war. „Es ist nicht nur wichtig schnell zu sein, sondern es auch richtig zu machen. Wenn wir Hilfsgüter einfach so - ohne Organisation - ausgeben würden, wären Chaos und Gewalt vorprogrammiert.“

Sophie Perez ist zuversichtlich, dass mit ausreichenden Ressourcen und Koordination CARE und andere Hilfsorganisationen die dringend Hilfsbedürftigen erreichen werden. Sorgen macht sie sich aber um die langfristige Hilfe. „Was passiert, wenn sich die Medienaufmerksamkeit von Haiti abwendet?“ Es wird Jahre dauern, bis sich das Land und seine Menschen von dieser Katastrophe erholt haben. Sie werden viel Unterstützung brauchen, um bessere Lebensbedingungen aufzubauen, die die Bevölkerung nicht ebenso ungeschützt wieder zurück lässt wie vor dem Beben.

Wiederaufbau bedeutet nicht nur die Infrastruktur wiederherzustellen, fügt sie hinzu, sondern die zugrunde liegenden Ursachen der Armut: politische Strukturen, das Bildungssystem, die Umweltzerstörung. CARE arbeitet bereits seit 1954 in Haiti und wird so lange bleiben wie wir gebraucht werden.

„Die langfristige Hilfe wird tausendmal mehr kosten als die Nothilfe“, sagt Perez. „Ich hoffe sehr, dass die Welt Haiti nicht vergisst.“

Sonntag, 17. Januar 2010

"Verzweiflung vor unserer Bürotür"

 Wenn Nächstenliebe zu Hause beginnt, dann ist CARE am richtigen Ort. Gleich vor unserem Hauptbüro in Haiti haben viele hunderte, oder tausende – niemand hat sie gezählt – obdachlose Menschen ihr Lager auf dem Hauptplatz von Pétionville, einem Vorort von Port-au-Prince, aufgeschlagen. Sie warten geduldig in der heißen Sonne, aber ihre Verzweiflung wächst stündlich. In der Nacht kann man sie singen und klatschen hören. Einige haben Banner aus Bettüchern aufgehängt, auf denen in Englisch und Kreolisch Sprüche wie „Wir brauchen Hilfe!“ stehen.

Als die Länderdirektorin von CARE Haiti, Sophie Perez, und ich vorbei laufen, sehen wir viele Menschen, die sich gegen den unglaublichen Verwesungsgestank Taschentücher über Mund und Nase gebunden haben. Müll aller Art häuft sich in den Straßen rund um den Platz. Ein überquellender Müllwagen steht verlassen in der Gegend. Die Kanäle sind verstopft mit Plastiktüten, Flaschen und unbeschreiblichen Dingen. Als sie die immer weiter wachsenden Müllberge sieht, schüttelt Sophie den Kopf. „Wir müssen dringend dieses Müllproblem lösen“, sagt sie. „Wenn das so weiter geht, werden sich Krankheiten ausbreiten.“


In den letzten Tagen hat sich CARE darauf konzentriert, das Wasserreinigungsmittel „Pur“ zu verteilen. Es ist hoch wirksam und kann praktisch jede Art von Wasser trinkbar machen. Aber um es zu benutzen, benötigt man zwei 20-Liter Kanister – einen für dreckiges, den anderen für das saubere Wasser – und die Ärmsten hier haben noch nicht mal einen eigenen Trinkbecher. Für viele ist das Zauberpulver „Pur“ also bei weitem nicht genug.

„In den nächsten Tagen werden wir Pur mit den Hygiene-Paketen verteilen. Eingepackt in große Eimer, die die Menschen dann benutzen können“, sagt Sophie. Die Pakete werden auch andere entscheidende Dinge, von Seife bis Desinfektionstüchern, beinhalten, damit die Überlebenden unter diesen entsetzlichen Bedingungen gesund bleiben.

In der Zwischenzeit organisiert CARE einen Tankwagen, der Wasser auf den Platz vor unserem Hauptquartier bringt. Und eine große „Blase“, um das Wasser zu lagern. Es gibt so viel zu tun in der ganzen Stadt. Aber wir werden unsere Nachbarn vor unserer Bürotür darüber nicht vergessen.
 

Samstag, 16. Januar 2010

"Wir haben Wasserreinigungsmittel verteilt"

„Ich war gestern in einem Konvoi aus drei CARE-Fahrzeugen unterwegs, die alle unsere Wasserreinigungsmittel geladen hatten. Diese sind am Freitag am Flughafen angekommen und wir haben sie zu drei Verteilungszentren in Port-au-Prince gebracht. Um uns vor Plünderungen einigermaßen zu schützen, sind wir in großen Geländewagen gefahren und haben die Boxen mit den Reinigungsmitteln so tief gestapelt, so dass man sie von der Straße aus nicht sah.


Viele der Wasserrohre sind zerstört und ich sehe Menschen, die ihre Kleidung in den Rinnsteinen waschen. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Menschen in ihrer Verzweiflung und ihrem unsäglichen Durst, auch dieses Wasser trinken.

Wir haben ausreichend Wasserreinigungsmittel mit uns, um insgesamt 75.000 Menschen versorgen. Dieses Mittel reicht aus für drei Liter sauberes Wasser pro Tag, für die nächsten zehn Tage. Eigentlich ist das Mittel eine Art Puder, und es ist in kleinen Tüten, wie Ketchup beim Imbiss, verpackt. Dieses Puder müssen die Menschen nun in einen Eimer voller Wasser schütten, es fünf Minuten umrühren und dann durch einem Filter abgießen, um die groben Reste zu entfernen. Dafür kann man aber auch ein Kleidungsstück verwenden.

Wir haben diese Wasserreinigungsmittel bei drei Krankenhäusern verteilt und es hat etwa drei Stunden gedauert. Andere Hilfsorganisationen haben dort auch ihre Notrationen verteilt. Zum Glück war es friedlich, die internationalen Truppen der UN haben die Standort gesichert.“

 

Freitag, 15. Januar 2010

Auf dem Weg ins Unbekannte

Wir fahren bei Jimení über die Grenze von der Dominkanischen Republik nach Haiti. Zumindest auf der dominikanischen Seite laufen die Dinge recht schnell. Wir sehen, dass viele Hilfsgüter über die Grenze kommen, darunter Suchteams mit Hunden, viele große Tankwagen mit Trinkwasser, Bagger und andere Räumgeräte, mobile Küchen aus der Dominikanischen Republik und viele Reporter.

Auf der dominikanischen Seite haben wir noch Handy-Empfang, aber es wurde mir gesagt, dass in Haiti nur das Versenden von SMS möglich ist. Wir werden versuchen, das Satellitentelefon in Gang zu bekommen. Ständig erreichen mich Nachrichten von meiner Familie und Freunden, die ihrer großen Anteilnahme mit den Haitianern Ausdruck verleihen und ihre Hilfe anbieten. Aber mit dem schlechten Handynetz werden diese Nachrichten wohl bald stoppen.

Die Nacht haben wir in Barahona verbracht, einem Badeort an der Küste der Dominikanischen Republik. Es war sehr surreal, in einem Hotel mit Pool zu wohnen, und Schilder wie folgendes zu lesen: „Denken Sie daran, nach ihrer Karte für Ihr Strandhandtuch zu fragen“

Wir können niemanden sehen, der aus Haiti über die Grenze kommt, aber die
Grenztruppen der Dominikanischen Republik stehen am Übergang und die Grenze ist offensichtlich in diese Richtung gesperrt. Die Straße war frei, bis wir zum Übergang selbst gelangten. Etwa 20 Lastwagen warten hier. Wir haben etwa zehn Stunden gebraucht, um zur Grenze zu kommen, viel länger als erwartet. Es wurde uns gesagt, dass es von hier nur noch 60 Kilometer bis Port-au-Prince sind. Unser Fahrer erzählt uns gerade, dass dies zwar keine weite Strecke ist, wir aufgrund der Zerstörung in der Stadt aber lange dafür brauchen werden.

In der letzten Nacht habe ich mich mit einer Gruppe Feuerwehrleute aus der Dominikanischen Republik unterhalten. Sie werden zur Bergung von Verletzen nach Port-au-Prince gehen. Sie sind jung, engagiert und wollen unbedingt helfen – ein Beispiel für die vielen Experten, die jetzt aus der ganzen Welt kommen, um zu helfen.

Wir hören außerdem viele Berichte über die Situation, die uns in Haiti erwartet. Als ich vor fünf Jahren das letzte Mal in Port-au-Prince war, habe ich im Hotel „Villa Creole“ nahe dem Büro von CARE übernachtet. Mir wurde gesagt, dass es jetzt überlaufen ist mit verzweifelten Menschen, Helfern und zahllosen Journalisten. Es schlafen sechs Menschen in jedem Raum und unzählige mehr auf dem Rasen vor dem Hotel. Aber das Hotel bleibt geöffnet und tut alles, um den betroffenen Menschen zu helfen.

CARE ruft zu Spenden für die betroffenen Menschen in Haiti auf:
Spendenkonto 4 40 40
Sparkasse KölnBonn (BLZ 370 50 198)
Stichwort: Nothilfe Haiti
Online spenden unter www.care.de/spenden.html
Spendenhotline: 0900 5 051 051 (5 €/Anruf aus dem dt. Festnetz)