Erdbeben in Guatemala: Ein Obdach für Rafael

Am 7. November traf Guatemala ein Erdbeben der Stärke 7,2 auf der Richterskala. CARE ist vor Ort und hilft Menschen, die alles verloren haben - so wie Rafael.

“Ich lebe jetzt seit 35 Jahren ganz allein. Meine vier Schwestern und vier Brüder erinnern sich nicht einmal mehr an mich. Ich bin ganz auf mich allein gestellt.“
Rafael Bernando Fuente Orozco ist 72 Jahre alt und lebt in San Cristóbal Cucho in San Marcos, einer Region im Südwesten Guatemalas. Am Morgen des 7. Novembers ging Rafael früh hinaus, um nach einer Arbeit als Tagelöhner zu suchen, damit er sich wenigstens etwas zu Essen kaufen konnte. Als er gerade auf dem Feld arbeitete, bebte plötzlich die Erde. Rafaels Gedanken rasten: Was war mit seinem Haus passiert?

Rafael lief sofort nach Hause und fand sein Haus vollständig zerstört vor. Eine Welle der Verzweiflung und Trauer überkam den alten Mann. Kein Ort zum Leben mehr, kein Ort, Essen zu machen: Nur wenige Sekunden hatten alles zerstört, was er besaß. Das Erdbeben am 7. November hat die Küste von Champerico im Südwesten von Guatemala mit einer Stärker von 7,2 auf der Richterskala getroffen. Bis heute wurden 95 Nachbeben registriert.
Es sind 42 Todesfälle und 180 Verletzte bekannt und etwa 3.064 Gebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt. CARE arbeitet bereits seit 1959 in Guatemala und verbessert dort den Zugang zu sauberem Wasser und Sanitäranlagen und setzt sich für eine bessere Bildung insbesondere von Mädchen ein. Nach dem Erdbeben wurde ein Nothilfeteam in die betroffene Region geschickt, um die Bedürfnisse der betroffenen Menschen zu erfassen. Am wichtigsten sind Nahrung, sauberes Wasser und Treibstoff. Da es aber in der bergigen Region San Marcos oft sehr kalt wird, brauchen die Menschen auch Decken, um sich warm zu halten.

Heute läuft Rafael von Tür zu Tür und sucht nach einer Unterkunft. In seiner Gemeinde gibt es keine Obdachlosenheime, deshalb muss er darauf hoffen, dass seine Nachbarn ihn unterstützen. Zum Glück ist der Gemeinschaftssinn in San Cristóbal Cucho stark: Nachbarn haben Rafael aufgenommen. "In diesem Alter kann ich keine normale Arbeit mehr finden, denn ich leide unter Rheuma und Arthritis. Also arbeite ich als Tagelöhner und verdiene 20 Quetzal (etwa 2 Euro) pro Tag. Das reicht kaum aus, um mir Essen zu kaufen“, erzählt Rafael.
Humanitäre Katastrophen treffen immer die Ärmsten der Armen besonders schwer: Sie verlieren das Wenige, was sie haben und sind dann auf fremde Hilfe angewiesen. „Jetzt brauche ich besonders dringend Nahrung und eine Unterkunft. Ich habe keinen Ort zum Leben, keinen Ort mich auszuruhen. Meine Nachbarn haben versprochen, mir beim Wiederaufbau zu helfen, wenn ich das Baumaterial beschaffen kann.“
Doch bis jetzt haben die Behörden keine Entscheidung getroffen, wie sie Rafael und Menschen in einer ähnlichen Lage helfen wollen.


Währenddessen hat der stellvertretende Bürgermeister von Santa Teresa traurige Neuigkeiten zu verkünden. Auf einem nahe gelegenen Feld hat das Erdbeben einen Erdrutsch verursacht, der zwei Kaffee-Farmer unter sich begraben hat. Als die Nachbarn die Schreie des 50 Jahre alten Margarito und 32jährigen Ariel hörten, konnten sie die beiden retten. Auf behelfsmäßigen Tragen wurden sie unter großen Schmerzen zu ihren Häusern gebracht. Doch drei Stunden später starben beide Männer. Ihre Familien haben bisher keine Unterstützung erhalten, die Bestattungskosten wurden mit Hilfe der Nachbarn bezahlt. Beide Familien brauchen jetzt Nahrung und sauberes Wasser, denn der Erdrutsch zerstörte auch die Wasserleitungen ihrer Bauernhöfe. Familien wie die von Margarito und Ariel, die an Berghängen wohnen, sind von Erdrutschen besonders bedroht. Sie haben keine Möglichkeit, sich auf eine Katastrophe vorzubereiten.

CARE weitet seine Nothilfe aus, um auch abseits gelegene Gebiete in der Provinz San Marcos zu erreichen. Außerdem koordiniert CARE sich mit den lokalen Behörden, den Vereinten Nationen und anderen humanitären Organisationen. So ist sichergestellt, dass die Hilfe besonders effektiv ist und alle Menschen erreicht. Auf lange Sicht versucht CARE, Gemeinden besser auf zukünftige Katastrophen vorzubereiten.Chronische Armut, schlechte Infrastruktur und mangelnde Bildung sind die größten Hemmnisse, die es zu überwinden gilt. Nur dann können die Menschen sich besser auf Katastrophen vorbereiten und sind einem Tag wie dem 7. November nicht schutzlos ausgeliefert.


Um in Katastrophenfällen wie diesem schnell und gezielt helfen zu können, benötigt CARE die Unterstützung von Dauerspendern.