Erinnerungen an CARE und die Luftbrücke

Interview mit Rosinenbomber-Pilot Gail Halverson

Er ist eine lebende Legende, er ist der Held der Luftbrücke und wurde berühmt als Schokoladenpilot. Seine Idee: Kleine aus Taschentüchern und Bindfäden gebastelte Fallschirme mit Schokolade und Süßigkeiten zu versehen und diese beim Anflug auf Tempelhof für die Kinder abzuwerfen. Der Rosinenbomberpilot aus Utah ist heute 89 und hat noch immer eine gültige Fluglizenz. Nach wie vor fühlt er sich im Cockpit von mehrmotorigen Maschinen zuhause, auch wenn er nur noch als Co-Pilot startet, wie er bescheiden zugibt. CARE sprach mit Gal Halverson über seine Erinnerungen an CARE und die Luftbrücke.  

Halverson: „Was CARE für die Menschen bedeutete, wurde mir schlagartig klar, als es mich 1948 durch die Luftbrücke nach Berlin verschlug. Ich erinnere mich, dass es nur wenige vollzählige Familien gab. Oft fehlten die Männer, die Frauen mussten sich allein mit den Kindern durchschlagen. Ich werde nie vergessen, was es für eine Familie bedeutete ein CARE-Paket zu bekommen. Wenn sich die Familie versammelte, um es zu öffnen. Und was für ein Erstaunen, was dort alles drin war. Natürlich besonders die Schokolade für die Kinder. Es ist wundervoll, das CARE das für die Menschen getan hat und ich bin stolz, dass CARE bis heute existiert und weiter hilft, wie z.B. in Simbabwe. Ich freue mich, dass ich ein Teil davon sein konnte, denn wir haben auch CARE-Pakete geflogen. Wir haben der Welt gezeigt, was mit Flugzeugen möglich ist. Manchmal wünsche ich mir,  noch mal so fliegen zu können wie damals, um Menschen in Not heute irgendwo auf der Welt helfen zu können. Aber es ist wichtig, den jungen Menschen heute von damals zu erzählen. Damit sie verstehen, wie wichtig es ist, sich für andere zu engagieren und zu helfen.“

CARE: „Was waren ihre ersten Eindrücke von Berlin damals?“

Halverson: „Ich konnte nicht glauben, was ich sah. Es sah aus wie eine Mondlandschaft. Oft standen von den Häusern nicht mehr als ein paar Wände mit leeren Fensterhöhlen. Man konnte einfach hindurchschauen. Die halb eingefallenen Wände der Häuser ragten wie Finger einer Hand in die Höhe. Nur jedes vierte oder fünfte Haus war überhaupt noch bewohnbar. Oft drängten sich die Menschen in den wenigen verbliebenen Zimmern im Erdgeschoss oder im Keller zusammen. Im Winter war es am schlimmsten. Es gelang uns nie soviel Kohle einzufliegen wie benötigt wurde. Die Menschen hatten immer einen Mantel an und gingen auch mit den Kleidern ins Bett. Am Tag wickelten sie sich noch Decken um die Schultern.“

CARE: „Trotz des von den Deutschen verursachten Krieges, halfen die Amerikaner schnell. Aus den Feinden und Besatzern wurden über Nacht Freunde. Wie sieht dies aus amerikanischer Sicht aus?“

Halverson: „Wir waren uns der Bedrohung durch Stalin bewusst. Er hätte die Menschen ausgehungert, es war ihm egal. Wir haben verstanden und gesehen, dass besonders die Familien, die Mütter und Kinder litten. Wir Amerikaner haben immer geholfen, wenn es notwendig war. Und wir wussten auch,  dass die Deutschen nicht alle mit Hitler gleichzusetzen waren. Das viele von ihnen auch unter den Nazis gelitten hatten und, dass jetzt besonders die Unschuldigen litten. Die Amerikaner haben schnell reagiert. Das CARE System hat wunderbar funktioniert und war sehr effizient. Es bedurfte keiner großen Werbekampagnen, sondern es war Mundpropaganda und das Geld floss direkt in die so dringend benötigte Nahrungsmittelhilfe. Die Menschen waren der Multiplikatoren und jeder konnte helfen, egal ob mit einem oder 1.000 Dollar. Dann brachten die Wochenschauen die ersten Bilder, wie die Menschen das CARE-Paket erhielten. Dieses Feedback war enorm wichtig. Jetzt wollte jeder mitmachen, denn die Menschen konnten sehen: ihre Hilfe ist wichtig, sie ist richtig und sie kommt an.“