Es braucht ein Dorf… um sich von einer Dürre zu erholen

Äthiopien, ein Jahr nach der Dürre und Hungerkrise: CARE hilft

Regen bestimmt das Leben und Wohlbefinden von Äthiopiern auf dem Land. Regen entscheidet, ob Familien genug zu essen haben und ihren Lebensunterhalt zu verdienen.  

So ist es auch in der Region Mesela, im Osten des Landes. Die meisten Familien hier sind Bauern. Sie bauen ihre Nahrung selber an und verkaufen die Überschüsse. Aber dann fielen 2010 und 2011 drei aufeinanderfolgende Regenzeiten sehr schwach aus. Die Ernten waren schlecht, Weideland und Wasser wurden knapp. Das Vieh ging ein. Die Familien mussten ihre Mahlzeiten von drei auf zwei am Tag reduzieren und ihre Tiere verkaufen.

Um die Kleinbauern bei ihrem Kampf gegen die Dürre zu unterstützen, begann CARE Ende 2011 mit der Verteilung von Saatgut, Geflügel und kleinen Nutztieren. Außerdem gab es landwirtschaftliche Schulungen für über 5.600 Kleinbauern, darunter vor allem Frauen.

"Die Ärmsten der Armen" und "die Armen"

Aber woher weiß man, wer die Hilfe am nötigsten braucht? Damit es gerecht zugeht, befragte CARE die Gemeinde selbst. Die Menschen ordneten sich in drei Gruppen; die „Ärmsten der Armen“, die „Armen“ und die „Bessergestellten“. Die Gemeinschaft entschied, dass die „Ärmsten der Armen“ die Ziegen von CARE erhalten sollten, und dass diese Familien wiederum die ersten vier Jungen an die Familien aus der Gruppe der „Armen“ weitergeben würden. Trotz der schweren Lebensbedingungen herrscht große nachbarschaftliche Solidarität in Mesela.

Und es gab noch eine Neuerung: CARE lud Frauen dazu ein, sich zu Kleinspargruppen zusammenzuschließen. Die Idee zu diesen „Mikrokrediten“ auf Dorfebene hatte CARE bereits 1991 im westafrikanischen Niger.

Kleinspargruppen sind selbst organisierte und finanzierte Spargemeinschaften. In Äthiopien wird eine Gruppe typischerweise aus 20 Mitgliedern gebildet, die sich regelmäßig treffen und eine gewisse Geldsumme in einen gemeinsamen Fonds geben. Aus diesem Fonds können sich die Mitglieder Geld leihen, und es dann mit Zinsen wieder zurückzahlen, die innerhalb der Gruppe aufgeteilt werden. Eine Teilnahme an einer Kleinspargruppe bedeutet oft, dass eine Frau zum ersten Mal in ihrem Leben Zugang zu einem Kredit bekommt und selbständig entscheiden kann, wie sie das Geld investiert.

So auch Wednesh, eine 28-jährige Bäuerin. Im Nachbardorf lernte sie eine Kleinspargruppe kennen und sah die Erfolge. Damit überzeugte sie 80 Frauen in ihrem Heimatdorf und es gründeten sich vier Gruppen. Jede Frau steuert pro Woche rund 20 Eurocent bei, im Monat kann sich jedes Mitglied 4,60 EUR (100 Birr in äthiopischer Währung) mit 10% Zinsen leihen und beispielsweise in Gemüse zum Verkauf investieren. Wedneshs Kleinspargruppe hat schon 1.400 Birr (64,30 Euro) gespart. Eine Botschafterin wie Wednesh ist für den Erfolg der Gruppen ungemein wichtig.

Wednesh selbst wartet gerade darauf, vier Ziegen von ihrer Nachbarin zu erhalten. Sie wurde in die zweite Gruppe, die der „Armen“ eingeteilt und mit einer Frau in Verbindung gebracht, die fünf Ziegen von CARE erhalten hat. Wenn sie einmal ihre Ziegen bekommen hat, möchte sie die ersten vier Jungen ebenfalls einer Familie in ihrem Dorf spenden.

Jede Kleinspargruppe hat eigene Ideen

Belaynesh, eine 50-jährige Bäuerin, ist inzwischen Vorsitzende ihrer Spargemeinschaft. Sie wurde in die Gruppe der „Ärmsten der Armen“ eingeteilt und wird ihre fünf Ziegen voraussichtlich Anfang Juli erhalten. Innerhalb ihrer Gruppe kamen Belaynesh und die anderen auf eine Methode der Gewinnsteigerung: Erst handelten sie mit Hühnern, der Gewinn lag bei 45 Eurocent. Danach mit Ziegen und Schafen, dabei erwirtschafteten sie bereits rund zwei Euro. Mit dem Erlös können sie inzwischen sogar Kühe kaufen und verkaufen, der Gewinn beträgt dabei über neun Euro.

Alle Informationen rund um die Dürre und CARE-Hilfe am Horn von Afrika finden Sie hier

Fantanesh wiederum, eine 25-jährige Bäuerin, beobachtete eine Kleinspargruppe erstmal aus der Ferne. Aber dann motivierte sie 19 andere Frauen, auch eine Gruppe zu gründen und kontaktierte CARE, um eine Fortbildung zu bekommen. Inzwischen hat sie über 55 Euro angespart. „Früher war Geld bei mir immer knapp. Jetzt kann ich einen Kredit aufnehmen, mehr Handel betreiben und eigene Entscheidungen treffen. Der Markt ist jetzt meine Arbeit, wie vorher mein Ackerland.

Und was ist mit den Männern in der Gemeinde von Mesela? Wie sehen sie die VSLAs? Unterstützen sie ihre Frauen, an den Spargruppen teilzunehmen? „Oh ja!“, sagt Fantanesh. “Sie helfen uns im Haus, wenn wir uns jede Woche treffen. Sie kümmern sich um die Tiere, holen Wasser und sammeln Holz, damit wir an den Treffen teilnehmen können. Sie sind sehr glücklich darüber, dass wir zusätzliches Geld in die Familie bringen.“ So verbessern die Spargruppen auch Stellung von Frauen in der Gemeinschaft, denn der Gewinn kommt der ganzen Familie, auch den Männern zugute.

Wednesh, Belaynesh und Fantanesh sind echte Führungspersönlichkeiten und zeigen, dass Solidarität auch in schweren Zeiten funktioniert. Und das gibt ihnen Selbstbewusstsein: „Die Kleinspargruppen werden weiterbestehen, selbst wenn wieder eine Dürre kommt“, meint Wednesh. „Kleinwarenhandel wird es immer geben.“Belaynesh fügt hinzu: „Wir haben eine gute Vorstellung davon, wie wir in der Zukunft Armut überwinden können.“ Und das Beste ist, dass sie es gemeinsam tun werden.

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