Festung Europa

Carsten Snejbjerg gewinnt den CARE-Preis für humanitäre Fotoreportagen

Warten, hoffen, bangen. Drei Worte, mit denen sich der Alltag der Migranten in der französischen Küstenstadt Calais am treffendsten beschreibt. Die meist aus Afghanistan stammenden Frauen und Männer flohen aus ihrer kriegsgebeutelten Heimat. Ihre Hoffnung: ein besseres Leben im „Westen“. Die Realität sieht anders aus.

Der dänische Fotograph Carsten Snejbjerg besuchte die Flüchtlinge, um die katastrophalen Zustände im so genannten „Dschungel von Calais“ in Bildern festzuhalten. Für seine Reportage „Festung Europa“ wurde er von CARE Frankreich mit dem Preis für humanitäre Fotoreportagen (Grand Prix du Reportage Humanitaire) ausgezeichnet.

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Snejbjerg zeigt, wie sich die Menschen in Calais mit dem Abwasser der umliegenden Fabriken waschen oder wie junge Afghanen versuchen, auf das Hafengelände zu gelangen und schließlich von der Polizei festgenommen werden.

Frankreich ist für viele Flüchtlinge nur ein Transitland. Ihr eigentliches Ziel heißt Großbritannien. Ein Land, von dem sie sich Arbeit und Geld erhoffen. In Calais warten sie nun auf den geeigneten Zeitpunkt, ihre „Reise“ fortzusetzen – als blinder Passagier in einem Lastwagen, der dann per Schiff das europäische Festland verlässt. Doch dieses Warten kann sich über Monate hinziehen. Währenddessen hausen sie in provisorisch erbauten Zelten aus Decken, Planen, Sträuchern und was sich sonst noch finden lässt - immer mit der Angst im Nacken, ihre mühsam gezimmerte Behausung in der nächsten Sekunde wieder zu verlieren oder sogar abgeschoben zu werden. Da der politische Druck wächst, tut die französische Polizei alles, um den „Dschungel“ nicht zu einem Flüchtlingslager werden zu lassen. Rücksicht auf Herkunft, Beweggründe und Schicksal der Flüchtlinge wird dabei nicht genommen. Als Illegale haben die Menschen des „Dschungels“ keinerlei Rechte und sind auf Hilfsorganisationen angewiesen, die Essen und Trinken verteilen.

Mit dem seit 1994 vergebenen Grand Prix du Reportage Humanitaire zeichnet CARE Fotografen aus, die den humanitären Katastrophen und Missständen in der Welt ein Gesicht geben. Die Werke der Finalisten werden beim Fotojournalismus-Festival von Perpignan einer breiten Öffentlichkeit gezeigt. Ziel ist es, auf humanitäre Missstände aufmerksam zu machen, die sonst häufig abseits der Öffentlichkeit stehen.

Zu den vier Finalisten gehören:
Frédéric Sautereau: „Haiti, 16-23.Januar 2010“
Riccardo Venturi: „Haiti, die Folgen“
Joao Pina: „Gangland, die Straßengewalt in Rio de Janeiro“
Enrico Dagnino: „Immigranten: zur Rückkehr gezwungen“