Fünf Jahre nach der Welle

Fragen und Antworten zur Arbeit von CARE nach dem Tsunami 2004

Am zweiten Weihnachtstag vor fünf Jahren erreichten Bilder des Horrors die deutschen Wohnzimmer. Ein Seebeben im Südpazifik löste eine Flutwelle aus, die auf die Küsten von Indonesien, Thailand und Sri Lanka traf. Auch Indien und die Malediven waren betroffen. Der Druck der Welle erreichte sogar die Ostküste Afrikas. Über 230.000 Menschen starben, Millionen verloren ihr Hab und Gut.

Die Katastrophe löste weltweit große Betroffenheit, aber auch eine enorme Hilfs- und Spendenbereitschaft aus.

Wie viel Geld hat CARE Deutschland-Luxemburg Deutschland erhalten?

Insgesamt hat CARE DL knapp 10,5 Millionen Euro Spenden und öffentliche Gelder erhalten. Der größte Teil – ca. 9,5 Millionen Euro – wurde über den gemeinsamen Spendenaufruf von Aktion Deutschland Hilft (ADH)– dem Bündnis der Hilfsorganisationen – eingenommen.

Wie viel wurde gespendet?

Neben ADH-Spenden nahm CARE Spenden von Privatleuten und Firmen im Wert von ca. 2,6 Millionen Euro ein. Etwa 2,5 Millionen Euro waren hiervon für die Nothilfe bestimmt, etwa 100.000 Euro flossen in Projekte zum Wiederaufbau.

Wurde alles Geld ausgegeben?

Ja. Bis auf wenige Restmittel sind alle Spendengelder und Zinserlöse ausgegeben worden.

Wie vielen Menschen hat CARE geholfen?

Allein in Banda Aceh und Aceh Basar konnte CARE International unmittelbar nach dem Tsunami für 350.000 Menschen Nothilfe leisten. Insgesamt erreichte CARE in den fünf vergangenen Jahren etwa 1,2 Millionen Menschen in den vom Tsunami betroffenen Ländern.

Wie wurde die Verwendung der Spendengelder überwacht?

Augrund der hohen Summen, die gespendet wurden, war das Interesse an einer genauen Überwachung der Spendenverteilung von allen Seiten sehr hoch. Evaluierungen wurden von öffentlichen Gebern, Dachverbänden der Hilfsorganisationen, den Regierungen der betroffenen Länder und natürlich CARE DL selbst durchgeführt. Geprüft wurde sowohl, ob die getroffenen Maßnahmen sinnvoll waren, als auch die korrekte Verwaltung der Gelder.

Wie wurde vor Ort Hilfe geleistet?

Die ersten Monate nach der Katastrophe konzentrierte sich CARE auf die Nothilfe, um das Überleben der Betroffenen und ihre grundlegenden Bedürfnisse zu sichern. Danach begann der Wiederaufbau. CARE verfolgte dabei das Prinzip „build back better“. Demnach sollten nicht nur die alten Zustände wiederhergestellt werden. Vielmehr wurden die Gelder so eingesetzt, dass die Betroffenen neben dem Wiederaufbau die Chance auf eine Verbesserung ihrer Lebensumstände hatten. Dabei wurden je nach Region unterschiedliche Maßnahmen getroffen, zum Beispiel:

In Aceh, Indonesien:

  • Instandhaltung von 2000 Häusern und Bau von 1800 neuen Häusern
  • Einrichtung eines Gesundheits- und Ausbildungszentrums für Jugendliche
  • Wiederbeschaffung von Produktionsmitteln, z.B. Nähmaschinen, Werkzeuge, Boote, Fischernetze
  • Förderung von Unternehmensgründungen, Unterricht von Selbstständigen im Erstellen von Businessplänen, Vermittlung wirtschaftswissenschaftlicher Grundlagen, landwirtschaftliche Schulungen
  • Handwerkliches Training
  • Unterstützung der Unternehmensgründungen mit Startkapital, Saatgut und  Psychologische Betreuung der Betroffenen

In Sri Lanka:

  • Wiederaufbau und Neubau  von zerstörten Häusern
  • Bau einer neuen Siedlung mit 30 Häusern
  • Unterstützung der BewohnerInnen bei einem Neuanfang durch landwirtschaftliche Schulungen, Bereitstellung von Vieh und Geflügel etc.
  • Bau und Betreuung von Wasser- und Sanitätseinrichtungen in Lagern und neugebauten Häusern
  • Rehabilitierung von vier Schulen
  • Förderung von Unternehmensgründungen
  • Friedensschaffende Maßnahmen

In Somalia

  • Sicherung der Wasserversorgung

Sehr erfolgreich war die Zusammenarbeit mit den anderen Hifsorganisationen des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft. So konnte sich CARE stets auf seine größten Kompetenzen konzentrieren, ohne die eigenen Kapazitäten zu überlasten.

Welche Lehren lassen sich aus der Nothilfe nach dem Tsunami ziehen?

Der Tsunami hat die beteiligten Organisationen auf nie dagewesene Art und Weise gefordert. Daraus konnten wertvolle Lehren gezogen werden.

  • Die Einbindung der Bevölkerung in alle Schritte der Not- und Wiederaufbauhilfe ist unbedingt nötig, damit Akzeptanz und Nachhaltigkeit gewährleistet sind.
  • Alle beteiligten Hilfsorganisationen müssen sich bei Einsätzen intensiv absprechen. Im Rahmen von ADH ist dies gut gelungen.
  • Einen besonderen Stellenwert hat Katastrophenvorsorge. Frühwarnsysteme und Notfallpläne können die Opferzahlen und die benötigte Katastrophenhilfe stark verringern.