Gegen den Sturm funken

Vietnam: Frühwarnsysteme helfen Fischern, sich vor Wirbelstürmen zu schützen

Auf einem steinigen Strand kratzen Fischer Seepocken von den Rümpfen ihrer Boote. Mit Steinen und Meißeln bearbeiten sie die kleinen Muscheln, um sie aus den Rissen in den Holzplanken zu vertreiben, bevor die Boote eine neue Schicht Farbe bekommen.

Eine regelmäßige Wartung der Boote ist lebenswichtig für die Fischer, die auf ihrer Suche nach Fischschwärmen oft bis zu einem Monat am Stück auf See sind und dabei 500 Kilometer und mehr in das südchinesische Meer hinaus fahren. Dabei ist es sehr beruhigend, ein gut gepflegtes Boot unter den Füßen zu haben.

Einer Gefahr sind die Fischer aber immer ausgesetzt: den tropischen Wirbelstürmen, die jedes Jahr das Meer vor der Provinz Tanh Hoa im Norden Vietnams heimsuchen. Hier hilft nur, den betroffenen Gebieten auszuweichen, aber die Fischer haben oft nicht einmal die einfachsten Kommunikationsgeräte an Bord. Nur mit ihren Handys können sie in Küstennähe Kontakt zum Land halten, aber auf hoher See sind auch diese nutzlos.

So werden immer wieder Fischer von den plötzlich auftretenden Stürmen überrascht und geraten in Seenot. Hilfe rufen können sie in der Regel nicht und so sterben jedes Jahr Seemänner und Schiffe gehen verloren – ein großer persönlicher Verlust für die Angehörigen und ein schwerer Schlag für deren Lebensunterhalt, der sich oft auf die Erträge der Fischerei stützt. So sagt Tran Tanh Thuy, Projektmanager von CARE: „Diese Boote sind ein wichtiger Bestandteil der Haushalte. Sie und die gesamte Gemeinschaft sind auf die Fischerei angewiesen.“

Das Problem ist schon seit längerem bekannt. Vor fünf Jahren wurden einige Funkgeräte angeschafft, aber diese hielten den harten Bedingungen an Bord der Schiffe nicht lange stand: bald waren sie durch das Meerwasser und die salzige Luft vollkommen verrostet und nicht mehr zu gebrauchen.

CARE will hier Abhilfe schaffen. Zusammen mit den Vertretern der Fischer, lokalen Behörden und unterstützt von einem Beraterteam wurde nach einer Lösung gesucht. Dabei war es wichtig, nicht der Versuchung nach den neuesten technischen Geräten nachzugeben, so Don Caroll, ein Berater im Team von CARE. Die ideale Lösung musste effektiv, zuverlässig und leicht zu bedienen sein.

Das Ergebnis ist eine Kombination verschiedener Geräte. Einige wenige „Mutterschiffe“ wurden mit leistungsstarken  Funkgeräten ausgestattet, die auch noch auf hoher See die Kommunikation mit dem Katastrophenschutz an Land erlauben. Wird ein Sturm gemeldet, geben die Mutterschiffe die Warnung auf einer anderen Frequenz weiter, die dann alle Schiffe mit billigen und kleinen Empfangsgeräten empfangen können. Jedes Schiff und mehrere Rettungsteams an Land erhalten außerdem Seekarten, auf denen die Position und der Kurs der Stürme eingetragen werden können. So behalten die Fischer immer den Überblick, ob sie sich möglicherweise in Gefahr befinden. Alle technischen Geräte sind außerdem in spezielle Plastikbehälter eingeschweißt, damit sie den Herausforderungen des Alltags auf See gewachsen sind.

Damit steht den Fischern von Tanh Hoa endliche ein modernes aber doch zuverlässiges Kommunikationssystem zur Verfügung. Im südchinesischen Meer ist das genauso beruhigend wie ein zuverlässiges Boot unter den Füßen.

Das Projekt wird von der Europäischen Kommission unterstützt (European Commission Directorate-general Humanitarian Aid and Civil Protection - ECHO)