Guatemala: Die Geschichte von Graciela Cabrera de Lopez

Teil 8 der Serie: Wie erleben CARE-Mitarbeiter den Klimawandel?

Der Klimawandel beeinflusst Guatemala auf vielfältige Weise. Hier ist die Geschichte von Graciela Cabrera de Lopez:

Graciela wuchs am Rand von Guatemala City, der Hauptstadt Guatemalas auf. Im Jahr 1981 lernte sie bei ihrer Arbeit in einer maquiladora (Kleiderfabrik) einen jungen Mann namens Tráncito López kennen, den sie ein Jahr später heiratete. Zusammen haben sie inzwischen drei Töchter. Irgendwann zog die junge Familie zurück in das Heimatdorf von Tráncito. Das heißt Xacaná und liegt in der ländlichen Gemeinde Cabracán, im Westen Guatemalas.

Die neue Heimat von Graciela liegt 2600 Meter über dem Meer und es herrschen kalte Temperaturen. Die gesamte Gemeinde leidet unter schwerer Armut, die meisten Menschen sind Kleinbauern oder verdienen ihr Geld mit harter Arbeit als Tagelöhner. Jede Familie der campesinos hat nur eine kleine Fläche Land für Ackerbau zur Verfügung. Die Böden sind schlecht, und das zerklüftete, bergige Land eignet sich eigentlich nicht gut für Landwirtschaft. Zudem ist es sehr anfällig für Erosion.

Graciela selbst sagt: „Wir haben hier immer vom Anbau von Getreide und Bohnen während der Regenzeit gelebt. In der Vergangenheit konnte man sich darauf verlassen, dass der Regen im Mai kam und im September aufhörte. Jetzt aber wird unsere Ernte beeinträchtigt, weil wir nicht mehr sagen können, wann der Regen beginnt oder endet. Dieses Jahr kam der Regen zum Beispiel erst Ende Juni und nun ist es November und es regnet immer noch. Dadurch war die Ernte schlecht und die Nahrungsmittel werden knapp. Eine der wenigen Möglichkeiten, unser Überleben zu sichern, ist der Abbau von Kalkstein. Dafür müssen wir unser Leben in den Steinbrüchen riskieren, um mit dem abgebauten Stein drei Euro am Tag zu verdienen. Eine Alternative ist drei Monate mit der ganzen Familie auf Wanderschaft zu gehen, um auf den Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen im Süden zu arbeiten. Dadurch könnten wir genug Getreide für sechs Monate kaufen und einige Nachbarn haben das gemacht. Ihre Kinder mussten die Schule verlassen und die gesamte Familie ist sehr anfällig für tropische Krankheiten.

„Ein anderes großes Problem ist die Wasserknappheit. Unsere Wasserquellen werden während der Trockenzeit nicht genug Wasser liefern. Darum müssen wir Wasser aus dem Fluss holen. Dazu müssen wir einen Pick-Up mieten, wodurch unsere düstere wirtschaftliche Situation noch verschlimmert wird. Wir sind dabei, Pläne für ein neues Wasserprojekt zu machen. Aber wir sind auf immer weiter entfernte Wasserquellen angewiesen. Und diese sind praktisch vollständig ausgebeutet, weil viele andere Gemeinden dieselben Probleme haben.

„Glücklicherweise hat mein Mann in dieser Situation einen Job als Projektleiter bei der Gemeinde von Cabricán gefunden. Und wir bewirtschaften weiterhin unsere 0,6 Hektar Land. Weil die Böden hier aber sehr trocken und lehmig sind, produzieren wir hier weniger als eine halbe Tonne pro Hektar. Darum wollen wir unsere Ernte durch Dünger aus kompostierten Blättern aus den Bergregionen verbessern. Das bedeutet für uns aber eine große Anstrengung, denn wir müssen die Blätter für mehrere Stunden auf unserem Rücken tragen, um sie zu unserem Feld zu transportieren.“

Graciela hat einen Wunsch an die Staatsoberhäupter der Welt, die sich zur Klimakonferenz in Kopenhagen treffen: „Unsere Gemeinschaft würde sich sehr über Hilfe der Staatsoberhäupter freuen. Wir brauchen Hilfe, dem Klimawandel zu begegnen und unsere kleinen Projekte weiterzuführen, um die Produktivität unserer Felder zu erhöhen und unsere Wälder und Flüsse zu schützen.“

CARE-Serie zur Klimakonferenz in Kopenhagen:

Folge 1 - Indonesien: Die Zukunft unserer Kinder
Folge 2 -
Peru: Klimawandel bedeutet Hunger
Folge 3
- Kenia: Rückschritt durch den Klimawandel
Folge 4 - Bangladesch: Das Wasser kommt
Folge 5 - Tansania: An die Staatsoberhäupter der Welt

Folge 6 -
Nepal: Was Du heute kannst besorgen...
Folge 7 -
Thailand: Der hohe Preis der Anpassung
Folge 8 -
Guatemala: Die Geschichte von Graciela Cabrera de Lopez
Folge 9 - Vietnam: Der Klimawandel findet JETZT statt
Folge 10 - Bangladesch: "Im letzten Jahr nahm sich die Flut unsere Ernte"