"Haiti braucht all unsere Unterstützung und guten Gedanken"

Schauspielerin Judith Hoersch im Interview über die Vertonung des haitianischen Romans "Der Blutchor" und ihr Engagement für Haiti

 

Liebe Frau Hoersch, Sie waren die Initiatorin des Hörbuchs für Haiti. Ohne Sie wäre es nicht entstanden. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, für Haiti vorzulesen?

Es war mir zum einen wichtig, ein Projekt ins Leben zu rufen, das auch ein Jahr nach den schrecklichen Ereignissen den Menschen hier bewusst macht, dass Haiti noch all unsere Unterstützung und guten Gedanken braucht. Zum anderen wollte ich ein authentisches Projekt ins Leben rufen, das zeigt, dass Haiti ein Land mit großer Kultur und Seele ist und nicht nur aus Leid und Elend besteht. Die Menschen, die dieses Hörbuch kaufen, bekommen damit Einblick in die haitianische Seele und es gibt ihnen (und auch uns, die dieses Projekt gemacht haben) die Möglichkeit, liebevoll, nicht leidvoll an Haiti zu denken. Kunst war zu allen Zeiten immer schon eine universelle Möglichkeit, sich zu verständigen. 

Wie konnten Sie so viele prominente Kollegen dafür begeistern?


Das war ganz einfach. Was ich zu Beginn nicht unbedingt annahm. Aber tatsächlich standen von der ersten Stunde an die Türen offen. Die Kollegen haben verstanden, so denke ich, dass sie etwas von sich geben können, das auch sie vertretbar finden und was authentisch ist. Die häufigsten Worte bei dieser Arbeit waren: „Ja natürlich“, was kann man sich mehr wünschen?  

Haben Sie sich für dieses Projekt näher mit der Literaturszene Haitis auseinandergesetzt? Und gab es den Text von Gary Victor bereits auf Deutsch übersetzt oder wurde er extra übersetzt?

Nachdem die Idee geboren war, begann ich mit der Recherche. Tatsächlich ist nicht viel Literatur ins Deutsche übersetzt worden, den „Blutchor“ gab es aber bereits auf Deutsch. Bei meiner Suche war mir ein Kriterium besonders wichtig: Dass der Autor lebt und zwar immer noch in seinem Land. Gary Victor begegnete mir immer häufiger und ich fand heraus, dass er sehr berühmt in seinem Land ist, unter anderem auch weil er eine Radiosendung hat und Theaterstücke schreibt. Gary Victor ist satirisch, surreal und humorvoll. Er ist genau die richtige Stimme für Haiti.

Das Hörbuch ist im Handel und als Download erhältlich. Sämtliche Gewinne gehen an CARE. Hier können Sie Probehören.

2 Audio-CDs, Laufzeit: ca. 160 Minuten
ISBN: 978-3-8371-0836-1
€ 14,99 [D] * | € 14,99 [A] * | CHF 25,50* (empf. VK-Preis) empfohlener Verkaufspreis




 

Wovon genau handelt Ihre Textstelle, die Sie auf der CD vorlesen?

Die Geschichte „Opfer“ handelt von Schwestern, die ein Huhn schlachten sollen, das sonst der Mutter zur Aufgabe fällt. Sie bringen es nicht übers Herz und stellen sich ungeschickt an... die Geschichte endet drastisch. In Haiti werden Hühner auch für Voodoo Rituale geschlachtet und diese Geschichte, so meine Recherche, spielt auf diese Rituale an. 

Es gibt viele Hilfsorganisationen, die in Haiti helfen. Wieso haben Sie diese Hörbuch-CD zugunsten von CARE aufgenommen?

Mit CARE kam ich vorher schon in Berührung und habe von Ihrer nachhaltigen Arbeit mehr erfahren und tiefere Einblicke bekommen. Es ist der Gesamteindruck der Arbeit – soweit man sich das von der Außenansicht anmaßen darf, so etwas zu beurteilen – der mich überzeugt hat. Es ist mein Bauch, der so was entscheidet. 
Zum Beispiel, dass CARE in allen Ländern viele Arbeitskräfte und Mitarbeiter aus dem jeweiligen Land hat, dass Sie langfristig planen und eine Kultur unterstützen, statt sie ändern zu wollen. Dass CARE sehr breit aufgestellt ist, mit verschiedenen Programmen. Auch die Menschen hinter CARE haben mich besonders überzeugt. 

Was erhoffen Sie sich für die Menschen in Haiti für das Jahr 2011?

Frieden. Hoffnung. Unterstützung und sauberes Wasser...
menschenwürdige Lebensumstände.