Haiti: Der Kampf gegen die Cholera ist noch nicht vorbei

„CARE darf nicht aufhören“

Auf dem Weg nach Carrefour hat sich nichts verändert. Am Anfang der Stadt sieht man den Markt, wo Reste von Früchten und Gemüse vergammeln und wo Händler mit ihren Füßen im Wasser stehen.

Man bemerkt es vielleicht nicht sofort, aber die Stadt hat seit zwei Wochen erneut mit einer Choleraepidemie zu kämpfen. Heute morgen starb ein 12-jähriger Junge. Er war einer von zweien, die auf dem Rücken zu einem Cholera-Behandlungszentrum getragen wurden. Aber er schaffte es nicht rechtzeitig. Seine Familie lebt in lebt in der Nähe eines Camps, in dem CARE arbeitet, und war am Tag zuvor erkrankt. Aber seine Mutter wollte nicht glauben, dass es Cholera war, bis andere Camp-Bewohner, die von CARE geschult und sensibilisiert wurden, sie überzeugten, zum Arzt zu gehen.

Aquatabs und Chlorlösungen sollen vorbeugen

Im Auto, das uns zum Luis Joseph Janvier-Gymnasium bringt, hört das Telefon von Naomie Marcelin nicht mehr auf zu klingeln. Sie ist Mitarbeiterin im Hygieneaufklärungsteam von CARE und am anderen Ende der Leitung wird berichtet, dass drei Cholerafälle in einer Gegend diagnostiziert wurden, die bisher nicht betroffen war.

„Letzte Woche haben wir Wasserreinigungstabletten, so genannte Aquatabs in Gegenden verteilt, wo wir schon arbeiten. Und wir haben Chlorlösungen bereitgestellt, um Zelte zu desinfizieren, in denen es ein Cholerarisiko gibt,“ sagt Naomie. „Diese Woche wollen wir Trinksalzlösungen gegen Dehydrierung verteilen.“

Trinksalzlösungen sind einfache Lebensretter

Das Cholerarisiko steigt während der Regenzeit, wie hier bei Überschwemmungen in Léogane im Herbst 2010. (Foto: CARE/Bertrand)Naomie ist bestürzt über den Tod des Jungen. Um so ein Schicksal in Zukunft zu verhindern, schlägt sie vor, dass vorsorglich in betroffenen Gebieten Stationen errichtet werden. Dort kann dann für Notfälle Trinksalzlösung gelagert werden. „Der Junge starb an Dehydrierung. Wenn die Menschen in der Lage gewesen wären, ihn mit Flüssigkeit zu versorgen, bevor sie ihn ins Cholera-Behandlungszentrum brachten, hätte er überlebt“, erklärt Naomie. Im Louis Joseph Janvier-Gymnasium steht das CARE Team inzwischen in den Startlöchern: Die Mitarbeiter haben Poster und Merkzettel dabei, die zeigen, wie man sich vor Cholera schützt und die Verbreitung verhindert.

Voodoo-Priester wurden für die Cholera verantwortlich gemacht

Ungefähr 20 Leute sind anwesend. Einige von ihnen sind Mitglieder von Jugend- oder Müttervereinen, die von CARE ins Leben gerufen wurden. Brice Sodlon ist ein Voodoo Priester der am Gymnasium einen Vortrag hält:

„Es ist wichtig, alles über Cholera zu lernen, besonders wenn man eine leitende Funktion in der Gemeinde hat. Meine Familie lebt in einem Camp. Meine Freunde leben in einem Camp. Es ist meine Pflicht zu lernen, wie ich sie vor dieser Krankheit schützen kann,“ sagt Brice. „CARE darf nicht aufhören. CARE hat nicht das Recht aufzuhören. Ich bin mir sicher, wenn CARE dieses Vorbeugungstraining schon zu Beginn des Choleraausbruchs angeboten hätte, wären nicht so viele Voodoo-Priester getötet worden von Leuten, die dachten, dass sie daran Schuld sind.

Aufklärung ist das A und O


So wie andere Teilnehmer des Trainings, weiß auch Brice, welches die wichtigsten Maßnahmen sind, um die Cholera zu verhindern: Regelmäßiges Händewaschen, die Behandlung von Trink- und Gebrauchswasser, gründliches Kochen, das Waschen von Früchten und Gemüse mit chloriertem Wasser und die Entsorgung von Abfällen.

Die Cholera-Ansteckungsraten, die in den letzten Monaten zurückgegangen waren, nehmen seit zwei Wochen wieder stark zu, auch in Gebieten, die zuvor nicht betroffen waren. CARE bietet Schulungen in Camps an und plant ebenfalls Hygiene Kits, Wasserreinigungstabletten, Trinksalzlösungen und Chlorlösungen zu verteilen.

Aber Hygiene darf in Zeiten der Cholera nicht beim eigenen Haushalt aufhören, auch eine saubere Umwelt ist in den Städten Haitis nun überlebenswichtig: Am Samstag, den 4. Mai spendete CARE Schubkarren, Schaufeln, Rechen und Mülltonnen für das Rathaus in Carrefour, das Aktivitäten zum Weltumwelttag organisierte. Die Materialien sollen dazu benutzt werden, Camps und öffentliches Gelände zu reinigen.