Haiti: Die Schlagzeilen verschwinden, die Helfer bleiben

Wie hat CARE bis heute geholfen? Überblick über die Nothilfe / CARE erhält Auszeichnung

Es scheint eine Ewigkeit her zu sein. Vor knapp vier Monaten, am 12. Januar erschütterte ein schweres Erdbeben den Karibikstaat Haiti. Das Ausmaß der Zerstörung übertraf alle Befürchtungen. Hilfsorganisationen, die Vereinten Nationen und Nationen aus aller Welt unterstützen seitdem die Bevölkerung mit dem Nötigsten: Wasser, Unterkünfte, Nahrung, medizinische Versorgung.

Die Hilfe dauert an. Aber auch der Alltag kehrt inmitten der offenen Wunden wieder ein. Neben den Nothilfemaßnahmen arbeitet CARE nun auch in den Bereichen Gesundheitsaufklärung, Betreuung von Kindern und Arbeitsbeschaffung. Ein Überblick:

Hilfe in Zahlen – wie hat CARE bisher geholfen?

Plastikplanen: 25.534
Zelte: 1.485
Hygiene-Kits: 29.755
Plastikeimer zur Wasseraufbewahrung: 28.484
Baumaterialien wie Seile, Stangen: 3.543
Decken: 35.262
Küchensets: 4.259
Matratzen: 19.154
Eimer: 2.024
Tankblasen: 10
Neugeborenen- und Geburtspakete: 1904
Reis (Säcke à 50 Kilogramm): 12.951
Bevölkerung mit Zugang zu Latrinen und Trinkwasser: 33.864

Insgesamt erreichte CARE bis heute rund 300.000 Menschen.

Ausgezeichnet: CARE Haiti

In Anerkennung der geleisteten Nothilfe wurde CARE eine besondere Ehre zuteil: Die Organisation erhielt in den USA den renommierten „Drum Major for Justice Award“. Die Auszeichnung wird jährlich von der SCLC/Women verliehen – einer Schwesterorganisation der Southern Christian Leadership Conference, die von Dr. Martin Luther King Jr. gegründet wurde. 

Am 3. April nahm Marie-Lissa Etienne, die seit mehr als acht Jahren bei CARE in Haiti als Controller arbeitet,  den Preis in Atlanta, USA in Empfang. „In der Nacht des 12. Januar habe ich mich gefragt, warum ich nicht die gleichen Verluste wie alle Anderen zu verkraften hatte. Die einzige Antwort, die ich finden konnte, war diese: Mein Leben wurde verschont, um den Opfern helfen zu können. Das hat mein Handeln seit diesem Tag geprägt“, sagt Lissa. „In unseren Arbeitsverträgen bei CARE steht immer, dass wir uns verpflichten müssen, den Ärmsten der Armen zu dienen. Daraus ziehe ich die Kraft, mich dieser schwierigen Arbeit Tag für Tag mit voller Kraft zu verschreiben.“

Hygiene geht auch die Kleinsten an

Das Hygiene-Aufklärungsteam von CARE ist in Léogâne im Einsatz. Spielerisch lernen die Kinder dort, wie sie in den schwierigen Umständen nach dem Erdbeben ihre Gesundheit durch richtige Hygiene schützen können. Händewaschen, der richtige Umgang mit Latrinen, Wassersparen – all das gehört zum Programm. CARE setzt darauf, dass die Kinder das Erlernte an ihre Geschwister und Freunde weitergeben. Der Hygieneunterricht findet nicht nur in den Camps statt, wo immer noch hunderttausende Menschen unter Zeltplanen leben. Zum ersten Mal seit dem Erdbeben kann CARE auch wieder an Schulen arbeiten, von denen einige inzwischen wieder geöffnet haben.

Unbezahlbares Lächeln

In Léogâne beginnt CARE ein Betreuungsprogramm für Kinder, das bei der Bewältigung von Traumata helfen soll. Das Besondere daran: Eltern werden darin geschult, Kinder mit Hilfe von Spiel, Sport und Theater dabei zu unterstützen, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Außerdem lernen sie, besonders schwere Traumata zu erkennen und die betroffenen Kinder dann an geschulte Psychologen zu übermitteln. In den kommenden sechs Monaten sollen insgesamt 800 Eltern ausgebildet werden. Außerdem verteilt CARE Spielpakete mit Materialien wie Bällen und Stiften. Lesly Guerrier ist Psychologin und betreut das Programm für CARE. „Die Gemeinden nehmen das Programm sehr gut auf. Ich denke, wir sollten es auch noch über die sechs Monate hinaus weiterführen.“ „Nichts versinnbildlicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft deutlicher, als der Anblick von spielenden Kindern“, ergänzt Claudel Choisy, CARE-Projektmanager.

Endlich wieder Arbeit

Cash for Work-Programme sind nach Katastrophen in zweierlei Hinsicht sinnvoll. Zum einen bekommen Menschen, die alles verloren haben, wieder Arbeit und etwas Einkommen. Und damit die Chance, selbstbestimmt Entscheidungen darüber zu treffen, was sie mit dem Geld für ihre Familie tun. Zum anderen helfen die Programme beim Wiederaufbau des Landes. Denn bei den Cash for Work-Aktivitäten werden Kanäle für die Bewässerung von Feldern gereinigt, Straßen geräumt und Latrinen errichtet. „Das ist die erste Arbeit für mich seit dem Erdbeben, denn ich kann weder lesen noch schreiben“, erzählt Job Peter Laguerre. „Wenigstens verdiene ich jetzt etwas Geld für meine sechs Kinder.“