Haiti: Helden unterwegs

Das CARE Hygieneförderprogramm in Grande Anse greift auf ein großes Netzwerk von freiwilligen Helfern zurück.

Es ist Mittag in Fond Icaques und die Sonne wirft ein leuchtendes Licht auf die Bäume und Häuser dieser Gemeinde hier im Departement Grande Anse im Süden von Haiti. CARE Mitarbeiter Judson Antoine ist zu einem Gemeindezentrum gefahren und wartet auf die 22 Freiwilligen, die das CARE Programm zur Hygieneförderung und Cholerabekämpfung unterstützen. Insgesamt verfügt CARE über ein Netzwerk von 265 Freiwilligen im Departement Grande Anse, von denen die meisten zuvor im HIV/AIDS-Präventionsprogramm mitgearbeitet haben.

Die Gruppe aus Fond Icaques hat ein klares Tagesprogramm: Sie müssen ihren Einsatzplan für den nächsten Monat festlegen und die anstehende Verteilung von Hygienekits besprechen. Alle Freiwilligen schreiben außerdem einen Wochenbericht über die aktuelle Situation. CARE versucht sowohl Männer als auch Frauen - egal ob jung oder alt – für die Freiwilligenarbeit zu gewinnen. Für Frauen ist es meist schwieriger, sich einzubringen, da sie in der Regel für den Haushalt zuständig sind und es nicht einfach ist, ihre Kinder unterzubringen. Aber vor dem Hintergrund, dass die Cholera eine ständige Bedrohung für die Gesundheit der Familien darstellt, sind viele bereit, Zeit und Energie im Kampf gegen die Epidemie aufzubringen.

Zu der Gruppe gehört auch ein älterer Mann, der geradezu vor Energie strotzt. Vielleicht ist es etwas vermessen, jemanden wie ihn nach seinem Alter zu fragen, aber Espérance Lazar verkündet selbst stolz: „Ich bin 79 Jahre alt und schon seit meiner Jugend in meiner Gemeinde aktiv.“ Er war Vorsitzender des Gemeindekomitees, nahm an einer Alphabetisierungkampagne teil, arbeitete als Landwirtschaftskontrolleur und zum Schluss als Kaffeepflanzer. Jetzt hat er sich dem Kampf gegen die Cholera verschrieben. „ Ich gehe gern von Tür zu Tür und spreche mit den Menschen. Die Meisten haben schon viel gelernt, z.B. wie man sich richtig die Hände wäscht und wie man mit Chlor umgeht.“ Trotz seines Alters ist ihm wirklich kein Weg zu weit. Er wandert stundenlang, um an den entlegensten Orten mit den Menschen zu sprechen. Und seine Arbeit trägt Früchte. „Die Menschen nehmen Hygienemaßnahmen wichtiger als vorher“, bestätigt Espérance. „Ich habe 9 Kinder und…,“ er zögert und muss erst nachzählen, „13 Enkel. Als freiwilliger Helfer habe ich viel gelernt, um auch meine eigene Familie schützen zu können.“ Als Letztes zitiert er noch ein kreolisches Sprichwort: „Atansyon pa kapon“ – Prävention geht über alles. 

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Während des Treffens diskutiert die Gruppe weitere zentrale Themen. Eines davon ist „Bedürftigkeit“. Bei den Vorbereitungen für die Verteilung von 20.000 Hygienekits, die aus Eimern, Aquatabs, Seife und anderen Dingen bestehen, profitiert CARE vom Wissen der Freiwilligen, welche Familien zu den Bedürftigsten gehören. Aber welche Kriterien sollen angelegt werden? CARE Mitarbeiter Judson leitet die lebhafte Diskussion und antwortet geduldig auf alle Fragen. In dieser so armen und abgelegenen Region ist es in der Tat schwierig, zu entscheiden, wer denn am bedürftigsten ist. Häufig geht es sogar den Freiwilligen selbst nicht viel besser als ihren Nachbarn. 

Um ihr Engagement und die harte Arbeit, die sie leisten zu unterstützen, stattet CARE sie mit Rucksäcken und Megaphonen aus; nützliche Gegenstände für ihre harten Arbeitstage. Nach dem Treffen macht sich Espérance Lazar wieder auf den Weg. Er geht den Berg runter als sei er 29 und nicht 79. Ausgestattet mit Rucksack und Megaphone ist er wieder unterwegs zu einer der Familien von Fond Icaques, die vielleicht noch nicht von der Cholera gehört haben.