Haiti: Mèsi Anpil! - Dankeschön!

CARE unterstützt Schulen in Haiti, damit Kinder wieder gerne lernen

Ein kleines Schild weist den Weg zur Mädchenschule Anacaona („Ecole Nationale de Filles“) in Léogâne. Als die Schüler hörten, dass Mitarbeiter von CARE zu Besuch kommen, konnten sie ihre Aufregung kaum verbergen. Sie wollten mit uns sprechen und etwas über unsere Arbeit erfahren.

„Sie werden den Lehrern schon wieder zuhören“, sagt die Direktorin der Schule lächelnd. Nicole Dorcé liebt diese Kinder. Sie kennt all ihre Namen und ihre Geschichten. „Als die Schule nach dem Erdbeben wieder angefangen hatte, versuchten die Lehrer und ich herauszufinden, was mit den Kindern, die nicht zur Schule gekommen waren, passiert ist. Dreizehn von ihnen sind gestorben“, sagt sie.

Die Schüler waren nach dem Erdbeben sehr angespannt

Kann CARE die Schule denn gut unterstützen? „Oh, Anpil“, antwortet sie direkt, was aus dem Kreolischen übersetzt „So sehr!“ bedeutet. „Wir haben selbst in den Pausen keine Zeit, uns zu erholen“, klagt Dorcé.

Sie erzählt, dass die Schüler nach dem Erdbeben sehr angespannt waren. Sie erschraken jedes Mal, wenn der Wind zu stark blies und hatten große Angst vor einem neuen Erdbeben. „Vor allem die Mädchen fürchteten sich, weil direkt neben unserer Schule ein großes Betongebäude steht. Wir mussten eine Lösung finden, damit sie ihre Ängste überwinden und mit den anderen wieder Spaß haben konnten. CARE organisierte für sie eine psychologische Betreuung.“

Traumatisierte Kinder erhalten psychologische Betreuung


Trotz aller Bemühungen konnte Nicole Dorcé eines nicht erreichen: Die Eltern eines Kindes wollten ihre Tochter nicht wieder in die Schule schicken. Das Kind wurde nach dem Erdbeben unter den Trümmern ihres Elternhauses gefunden – nun fürchtet sie sich vor Gebäuden. „Ich hoffe, sie kann im nächsten Jahr die Schule wieder besuchen“. sagt Dorcé.


CARE -Mitarbeiter unterstützen die Lehrer, Schüler und Eltern der Mädchenschule „Anacaona“. CARE hilft den Schulen, die direkt oder indirekt vom Erdbeben am 12. Januar 2010 betroffen waren mit psychologischer Betreuung, Schulmaterialien und organisiert Gemeinschaftsveranstaltungen.

„CARE hat uns neu motiviert“

„Nach dem Erdbeben verloren viele Schüler die Lust daran, zur Schule zu gehen. Auch wir Lehrer waren oft unmotiviert. Aber die Mitarbeiter von CARE bauten uns wieder auf. Wir redeten über unsere Erlebnisse und diskutierten gemeinsam neue Unterrichtsmethoden. So konnten wir das Erlebte verarbeiten“, sagte Varnie Joseph, die seit sechs Jahren als Lehrerin arbeitet.

Das Bildungsprogramm von CARE in Haiti umfasst fast 80 Schulen in fünf Gemeinden in den Regionen West, Artibonites und Grand Anse. Über 600 Lehrer wurden fortgebildet und 20.000 Rucksäcke – bestehend aus Lernmaterialien, Notizbüchern, Stiften, Hygieneartikeln und T-Shirts – an die Schüler verteilt.

Sehen Sie zu diesem Thema auch:
Den Blog der CARE-Mitarbeiterin Sabine Wilke, die insgesamt sechs Monate für CARE in Haiti war und ihren Audioblog, eine Video-Retrospektive aus Haiti.