Hilfe für Myanmar: Chronologie der ersten Wochen

CAREs Antwort auf den Zyklon "Nargis"

+++ Sonntag, 4. Mai 2008 +++ CARE erfährt über Meldungen internationaler Agenturen von dem Zyklon „Nargis“. Unmittelbar danach beginnt Nothilfe-Koordinator Wolfgang Tyderle mit der Information des Leitungs-Teams von CARE Deutschland-Luxemburg. Erste Telefonate, Mails. Durch den Zusammenbruch der Telekommunikation ist es in den ersten Stunden nicht möglich, genauere Fakten zu erhalten. Details der Zerstörung sind nicht bekannt. Anfangs ist von mehreren hundert Toten die Rede. Die geographische Beschaffenheit der betroffenen Regionen lassen schlimmeres befürchten, vor allem das Irrawaddy-Delta.

+++ Montag, 5. Mai 2008 +++ In der Nacht sind erste Meldungen von CARE aus Australien eingelaufen. In der internationalen CARE-Familie leitet Australien für alle anderen Mitglieder das CARE-Büro in Myanmar. CARE arbeitet dort seit 1994 und beschäftigt 500 Mitarbeiter. Die Sorge ist groß, dass unsere Kollegen auch betroffen sein könnten. Wir erfahren, dass unser Büro dort nahezu vollständig zerstört ist. Jetzt wird aus einem Hotelzimmer in der Hauptstadt Rangun aus gearbeitet. Provisorisch, aber intensiv aus einem einzigen Zimmer: die Krisenzentrale steht – noch in der Nacht. CARE Deutschland-Luxemburg stellt mit Unterstützung der luxemburgischen Regierung eine erste Soforthilfe von 75.000 € zur Verfügung.

+++ Dienstag, 6. Mai 2008 +++  Nach ersten offiziellen Angaben hat der Zyklon mindestens 13.000 Menschen das Leben gekostet. Diese Zahl steigt im Verlaufe des Tages auf 15.000. CARE bemüht sich, Informationen über das gesamte Ausmaß der Katastrophe zu erhalten. Das Überleben der Opfer des Zyklons zu sichern, ist nun von oberster Priorität. CARE-Mitarbeiter setzen alles daran, Visa zu bekommen, um vor Ort helfen zu können. CARE-Vorsitzender Heribert Scharrenbroich ruft in verschiedenen TV- und Radiointerviews die Deutschen zur Hilfe auf. CARE Deutschland-Luxemburg stockt die Soforthilfe auf 100.000 € auf.  

+++ Mittwoch, 7. Mai 2008 +++ Die Zahl der Toten steigt auf 22.500 – mehr als 40.000 Menschen werden nach wie vor vermisst. CARE leitet erste Schritte der Nothilfe ein. Die 500 Mitarbeiter vor Ort verteilen dringend benötigte Plastikplanen, Kochgeschirr, Lebensmittel und Tabletten zur Wasserreinigung. CARE-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Jamann: „Ziel ist die Versorgung von 50.000 Familien. Das sind etwa 300.000 Menschen, die wir in den kommenden Tagen erreichen wollen.“

+++ Donnerstag, 8. Mai 2008 +++ Die Verteilung der Hilfsgüter geht weiter. Die CARE-Kollegen in Myanmar arbeiten bis an den Rand der Erschöpfung. Unser Nothilfe-Koordinator Wolfgang Tyderle weist auf die erhöhte Gefahr von Seuchen hin: Wir haben dafür alle Bedingungen, sagt er: „Verschmutztes Wasser, Leichen, hohe Luftfeuchtigkeit.“ Der Ausbruch von Krankheiten wie Cholera, Typhus und Malaria im Katastrophengebiet wird befürchtet. Die Zahl der Toten erhöht sich nach Angaben einer UN-Diplomatin auf 100.000.

 +++ Freitag, 9. Mai 2008 +++ Im Irrawaddy-Delta schätzt CARE die Situation als besonders dramatisch ein. Alleine im schwer vom Zyklon getroffenen Gebiet benötigen 250.000 Überlebende dringende Hilfe. Immerhin: Sowohl die Kommunikation als auch die Infrastruktur werden langsam verbessert. CARE-Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Jamann: „Die Hilfe für die Überlebenden, deren Gesundheit und Ernährung müssen Vorrang haben vor der Diskussion über die politische Lage.“

+++ Samstag, 10. Mai 2008 +++

In Pathein, einer Stadt im Westen des Irrawaddy-Deltas, die vom Zyklon schwer verwüstet wurde, verteilen CARE-Mitarbeiter Nahrung, Kleidung, Bettwäsche und Moskitonetze. CARE stellt dort Latrinen auf. Durch den Zyklon schwimmen bislang dort die Latrinen im Wasser herum – der ideale Nährboden für Seuchen. Die Menschen haben faktisch keine Wahl: Sie waschen sich mit dem verdreckten Brackwasser. Manche trinken es sogar. Vielen Menschen hat der Sturm alles genommen. In Notunterkünften sammeln sich Überlebende des Zyklons, um wenigstens ein Dach über dem Kopf zu haben. CARE kümmert sich auch um die Kinder. Sie sind besonders traumatisiert, haben Eltern, Geschwister und Freunde verloren.

+++ Sonntag, 11. Mai 2008 +++

Es ist Pfingstsonntag, 11:00 Uhr vormittags. Das Hilfsbündnis „Aktion Deutschland hilft“ hat eine Telefonkonferenz angesetzt. CARE ist Mitglied im Bündnis, um gemeinsam schneller helfen zu können. Es gibt auch gute Nachrichten, die wir hören – und berichten können. Hilfe kommt an, zu wenig, aber immerhin können wir helfen. Unsere CARE-Kollegen aus Australien erstellen eine Liste, welchen Unterschied 13 Euro machen können: Die reichen aus für ein Überlebenspaket. Darin sind Kinderbekleidung, Moskitonetze, Eimer, Plastikplanen. Außerdem Koch- und Hygieneartikel. Einfache Mittel von größter Bedeutung.

+++ Montag, 12. Mai 2008 +++ 

Pfingstmontag, wieder eine Telefonkonferenz mit der „Aktion Deutschland hilft“: Medienleute, Experten und Nothilfekollegen nehmen teil. CARE kann berichten: Die Hilfe für die Überlebenden der Katastrophe wird weiter ausgebaut. CARE Hauptgeschäftsführer Dr. Wolfgang Jamann berichtet von den Erkundungsteams vor Ort. Deren Berichte sind erschütternd. „Dort lesen wir, dass in dem Dorf Gaw Dui Village von 500 Einwohnern nur 80 überlebt haben, und kein einziges Kind."  In Thaketa sorgen CARE-Mitarbeiter für die Verteilung von Reis, Zahnbürsten, Zahnpasta, Handtücher, Seife und Kerzen. 902 Überlebende erhalten somit dringend benötigte Hilfe. Jedes einzelne Menschenleben zählt. CARE beginnt damit, die lokale Pumpstation mit Treibstoff zu versorgen. Damit kann CARE täglich 15.000 Menschen sauberes Trinkwasser zur Verfügung stellen.

+++ Dienstag, 13. Mai 2008 +++

CARE konzentriert sich auf die schwer betroffenen Gebiete Ranguns (East Dagon und Thaketa) und die Stadt Pathein, die mit sauberem Wasser, Nahrung, Sanitäreinrichtungen und sogenannten „Familienpaketen“ versorgt werden können. Darin sind unter anderem Medikamente gegen Durchfall oder Wasserreinigungs-Tabletten. Dadurch werden Krankheitsrisiken reduziert. Ein „einfacher“ Durchfall kann für Kinder, ältere oder kranke Menschen tödlich sein. Da sie ohnehin schon geschwächt sind, sind sie den Risiken der Erkrankung besonders stark ausgesetzt. Im Buddhistentempel im East Dagon Township in Rangun, der als Notunterkunft dient, verteilt CARE Reis an die 3.450 hier ausharrenden Überlebenden und stellt Treibstoff für den Generator zur Verfügung.

+++ Mittwoch, 14. Mai 2008 +++

CARE startet eine weitere Verteilung in Thaketa und erreicht damit 100 Familien. Auch hier: Kerzen, Zahnpasta, Zahnbürsten, Kleidung, Seife, Handtücher und Reis für die Überlebenden. Während der Verteilung erklären CARE-Mitarbeiter die Bedeutung von einfachen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen, was für viele Birmesen nicht alltäglich ist. Zwei LKWs von CARE - mit 1.000 Überlebenspaketen und 5.000 Moskitonetzen beladen - verlassen Rangun in Richtung Pathein. Die Zahl der Toten steigt offiziellen Angaben nach auf 34.000. 27.000 Menschen werden weiterhin vermisst. Die Wetterprognose lässt die CARE-Mitarbeiter erschauern. Ein großer Sturm zieht in der Bucht von Bengalen auf. Heftige Regenfälle werden für Myanmar in den nächsten Tagen vorhergesagt. Die Monsunzeit steht vor der Tür.

+++ Donnerstag, 15. Mai 2008 +++

Das Staatsfernsehen in Birma erhöht die offiziellen Zahlen auf mehr als 43,328 Tote und 27.838 Vermisste. Unabhängige Experten weisen darauf hin, dass die tatsächlichen Zahlen weit darüber liegen könnten. Insgesamt sind 1,5 Millionen Birmesen von dem Zyklon direkt betroffen. 40 Townships in der Rangun Division und 7 Townships im Irrawaddy-Delta zählen noch immer zu den Katastrophengebieten. CARE arbeitet mit dem WFP in drei der betroffenen Townships zusammen und macht fieberhaft geeignete Lagerhallen für weitere Knotenpunkte der Versorgung in Pathein ausfindig.

+++ Freitag, 16. Mai 2008 +++

CARE arbeitet ununterbrochen mit der UNO und den anderen humanitären Organisationen zusammen, um die Verteilung von Nahrung und Wasser noch effizienter gestalten zu können. Auf einer Bundespressekonferenz informiert das Hilfsbündnis „Aktion Deutschland Hilft“ über die durchgeführten Hilfsmaßnahmen. Moritz Wohlrab, Medienkoordinator von ADH, war eine Woche in Birma und berichtet von der Arbeit vor Ort. Er ist erschöpft, aber zuversichtlich: „Es wird Hilfe geleistet, und die Hilfe kommt an.“
 

+++ Samstag, 17. Mai 2008 +++

Noch gestern Abend erreicht CARE neue erschreckende Zahlen. Das staatliche Fernsehen in Birma erhöht die Zahl der Toten auf mittlerweile 77.738, fast 56.000 Menschen werden nach wie vor vermisst. CARE Mitarbeiter berichten, dass es in Notunterkünften im Irrawaddy-Gebiet zu heftigen Ausbrüchen von Durchfallerkrankungen kam. Die Befürchtungen, dass Seuchen ausbrechen könnten, wurden damit bestätigt. CARE-Mitarbeiter verteilen an 785 Menschen, die in drei Schulen in Pathein Zuflucht gefunden haben, Hygieneartikel wie Seife und Zahnbürsten sowie Kleidung.

+++ Sonntag, 18. Mai 2008 +++

Die Landwirte im Irrawaddy-Delta haben insgesamt 149.000 Wasserbüffel verloren. Brian Agland, Länderdirektor von CARE Australien berichtet: „Es wird unmöglich sein, sie vor der Aussaat zu ersetzen“. Die Büffel werden traditionell besonders in während der Aussaat-Saison zum Pflügen der Felder eingesetzt.

+++ Montag, 19. Mai 2008 +++ 

Die „Hungerphase“ nähert sich bedrohlich Myanmar und könnte das Leid, das Zyklon Nargis über das Land gebracht hat, noch verstärken. Dazu Brian Agland von CARE Australien: „Der Landwirtschaft-Rhythmus hier ist durch den Zyklon extrem gestört worden. Es bleibt sehr wenig Zeit für uns, den Landwirten zu helfen, ihren Reis anzubauen und damit eine Hungerkrise zu verhindern.“ In Rangun mieten Einsatzteams von CARE Boote, um entlegene Gebiete erreichen zu können. Die Zahl der Betroffenen steigt nach UN-Schätzungen auf 2,4 Millionen Menschen.

+++ Dienstag, 20. Mai 2008 +++

CARE-Mitarbeiter tun weiterhin alles, was in ihrer Macht steht um zu helfen. In Kunyangon und Kawhmu werden Reis, Bohnen und Öl an 2.975 bzw. 4.500 Menschen verteilt. Circa 5.000 Menschen erhalten in Ngaputaw im Irrawaddy Delta Hilfsgüter, wie Seife, Küchen-und Hygieneartikeln , Decken und Kerzen. Die Verteilung der Hilfsgüter wird durch eine lokale Partnerorganisation von CARE durchgeführt.

Auch CARE-Mitarbeiter sind von dem Ausmaß der Katastrophe betroffen. Viele haben Angehörige und Freunde verloren. CARE wird in den kommenden Tagen die psychologische Unterstützung der Mitarbeiter ausbauen.

+++ Mittwoch, 21. Mai 2008 +++

CARE identifiziert weiterhin mögliche lokale Nicht-Regierungs-Organisations-Partner, um die Hilfslieferungen und die Reichweite der Aktivitäten vor Ort auszubauen. In Myaungmya (Irrawaddy-Gebiet) beginnt CARE mit dem Bau von 200 Latrinen. Sie sollen die hygienische Situation von bis zu 12.821 Menschen verbessern.

+++ Donnerstag, 22. Mai 2008 +++

Eine gemeinsame Pressekonferenz von CARE, World Vision, Save the Children, Oxfam and Mercy Malaysia wird in Bangkok einberufen. Die Organisationen berichten und beraten. CARE kann beisteuern: „Hilfe kommt an, wir warten nicht nur auf Visa.“ Mehr als 90.000 Überlebenden des Zyklons konnte CARE bereits helfen. Mit Nahrung, sauberem Wasser, Hilfsgütern. CARE arbeitet einen Dreiphasenplan zur langfristigen Wiederherstellung der betroffenen Gebiete aus.

+++ Freitag, 23. Mai 2008 +++

CARE begrüßt die Öffnung für ausländische Helfer. Dr. Wolfgang Jamann, Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg: „Das ist ein Wendepunkt.“ Eine Bundeswehr-Maschine wird am Köln/Bonner Flughafen mit Hilfsgütern für Myanmar beladen. Die Hilfsgüter wurden finanziert vom Auswärtigen Amt und den Mitgliedsorganisationen des Bündnisses „Aktion Deutschland Hilft“ (ADH). CARE schickt ein Paket mit medizinischer Ausrüstung (u.a. mit Antibiotika, Verbandsmaterial, Schmerzmittel) auf den Weg nach Myanmar. Mit Hilfe dieses sogenannten „medical kits“ können ca. 10.000 Menschen über drei Monate mit medizinisch versorgt werden.

VIDEO: Verwüstungen nach Wirbelsturm Nargis in Myanmar. (Quelle: ADH)

Das Ausmaß der Katastrophe übersteigt sämtliche Prognosen. Helfen Sie den Opfern des Wirbelsturms in Myanmar. Herzlichen Dank!

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