Horn von Afrika: Ohne Nahrung keine Entwicklung

Mangelernährung im Kleinkindalter kann schwere Folgen für Gesundheit und Entwicklung eines Kindes haben.

Von den mehr als 12 Millionen Menschen, die derzeit in Äthiopien, Kenia, Somalia und Dschibuti humanitäre Hilfe benötigen, sind etwa 360.000 Frauen schwanger. In Somalia ist etwa jede fünfte Frau im gebärfähigen Alter akut unterernährt, viele können ihre Kinder nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgen. Die Schwangerschaft und die ersten zwei Lebensjahre sind jedoch für die geistige und körperliche Entwicklung eines Kindes sowie für das Immunsystem lebenswichtig.

Laut Schätzungen war bereits vor der jetzigen Dürre mehr als jedes dritte Kind in Kenia, und fast jedes zweite Kind in Äthiopien aufgrund chronischer Mangelernährung in seiner Entwicklung gehemmt. „Die Menschen sind teilweise in der zweiten oder dritten Generation unterernährt. Die jetzige Dürre verschlimmert ihre Situation erheblich."

Sabine Wilke ist seit zwei Wochen in Dadaab. Lesen Sie hier ihre Eindrücke.


Ohne massive Unterstützung der internationalen Gemeinschaft wird tausenden Kindern die Möglichkeit genommen, sich normal zu entwickeln. Ihr ganzes Leben hängt davon ab, ob sie zur rechten Zeit in ihrem Leben gute und genügend Nahrung erhalten“, so Barbara Jackson, Nothilfedirektorin von CARE. Bei jedem dritten Kind, das vor seinem fünften Lebensjahr stirbt, kann die Todesursache auf die Unterernährung des Kindes oder der Mutter zurückgeführt werden.

Ein Dollar für die Vorbeugung, 80 Dollar für die Lebensrettung

CARE arbeitet unter Hochdruck, um Kindern und schwangeren und stillenden Frauen genügend Nährstoffe zu liefern. In Äthiopien etwa verteilt CARE therapeutische Nahrung staatlichen Gesundheitszentren an unterernährte Kinder, schwangere Frauen und stillende Mütter erhalten zusätzliche Nahrung.

Etwa 1.600 der CARE-Mitarbeiter in Dadaab sind selbst als Flüchtlinge in das Camp gekommen. Zum Welttag der humanitären Hilfe würdigt CARE ihr Engagement. Eine von ihnen ist Fatuma Adan Mohammed. Lesen Sie hier ihre Geschichte als Nothelferin und Flüchtling. Auch Abdi packt in Dadaab mit an. Liz McLaughlin hat ihre Reise durch die Dürregebiete am Horn von Afrika mit ihrer Kamera begleitet.


Um den Kreislauf chronischen Hungers zu durchbrechen und Unterernährung von Kindern und Müttern vorzubeugen, sind allerdings langfristige Lösungen ebenso wichtig wie Nothilfe. „Unterernährung vorzubeugen ist viel günstiger, als sie zu behandeln“, so Barbara Jackson. „Während der Nahrungsmittelkrise im Niger im Jahr 2005 hätte es einen Dollar gekostet, Unterernährung rechtzeitig vorzubeugen. Im Juli 2005 mussten hingegen 80 Dollar aufgebracht werden, um das Leben eines akut unterernährten Kinder zu retten.“

Vor allem durch Muttermilch können Kindern in den ersten sechs Monaten ihres Lebens genügend Nährstoffe zugeführt und ihr Immunsystem gestärkt werden. Mehr als 86.000 stillende Frauen am Horn von Afrika sind jedoch selbst akut unterernährt und können ihren eigenen Körper nicht richtig versorgen.

Diese Frauen zu unterstützen, sie mit Nahrungsmitteln zu versorgen, aber auch, sie zu beraten, ihnen schützende Räume zu ermöglichen und bei der wichtigen Aufgabe, ihre Kinder für das Leben zu stärken, zu unterstützen, ist deswegen eine wichtige Aufgabe für CARE.
„Das sind lebensrettende Maßnahmen, die während einer Notsituation nicht vernachlässigt werden dürfen“, so Jackson.