Horn von Afrika: Viehherden zu retten heißt Lebensgrundlagen zu sichern

Dürre und Hunger sind am Horn von Afrika nichts Neues. Langfristig müssen neue Einkommensmöglichkeiten und Existenzgrundlagen geschaffen werden

Über 10 Millionen Menschen am Horn von Afrika sind von Hunger bedroht. Am wichtigsten ist es daher, Menschenleben zu retten. Gleichzeitig müssen aber auch die Einkommensgrundlagen von Familien gesichert werden, um sie langfristig vor Armut und Hunger zu bewahren.

In Borena, wo bereits ein Drittel des gesamten Viehbestandes verendet ist, sterben mittlerweile auch Ziegen und Kamele – ein klares Zeichen für die Schwere der Dürre, gelten diese Tiere doch als besonders belastbar.

„Für ländliche Familien sind Viehherden ihr Kapital und ihre Lebensgrundlage. Wenn sie ihre Tiere verlieren, brauchen sie Nahrungsmittelhilfen, um zu überleben. Selbst wenn es wieder regnet, ist die Krise für sie nicht vorbei. Ihre Tiere sind tot und die Viehzüchter damit ohne Einkommensgrundlage“, so Barbara Jackson, Nothilfe-Direktorin von CARE International. „Wenn wir jetzt die Viehbestände und damit die Existenzgrundlagen sichern, helfen wir Familien, langfristig unabhängiger von humanitärer Hilfe zu sein.“

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400 Kilometer zu Fuß auf der Suche nach Weideland

In Teilen Äthiopiens ist das noch lebende Vieh so schwach, dass es weder mehr Milch produziert noch einen Ertrag auf dem Markt erzielen kann. Manche Menschen laufen mehr als 400 Kilometer, auf der Suche nach Weideland und Wasser. Damit belasten sie auch die noch bestehenden Weideflächen.

Zusammen mit der lokalen Regierung hat CARE daher über 20 Stätten geschaffen, in denen der Viehbestand vermindert wird, um noch Nutzen aus den ertragsarmen und ausgemergelten Tieren zu ziehen. Zum einen können Konflikte um rare Weideplätze für Vieh, das ohnehin bald sterben wird, vermieden werden.

Zum anderen zahlt CARE jedem Viehbesitzer 800 Birr – das sind umgerechnet 47 US Dollar (33 Euro). Außerdem stellt CARE Heu und anderes Futter zur Verfügung, damit die Besitzer zumindest die Leben der noch gesunden Tiere retten können. Unter Aufsicht von offiziellen Lebensmittelinspektoren wird das Fleisch der geschlachteten Tiere dann an Familien verteilt, die besonders unter der Nahrungsmittelkrise leiden.

Viele der Familien sind nicht nur jetzt von Dürre und Hunger bedroht

„Wir müssen im Umgang mit dieser Krise beachten, dass viele der jetzt betroffenen Familien auch vorher schon von Dürre und Hunger bedroht waren. Es ist also nicht nur die Trockenzeit, die diese Situation hervorgebracht hat. Chronische Verwundbarkeit, Armut, soziale Ungerechtigkeit, die Auswirkungen des Klimawandels und Konflikte sind verantwortlich dafür, dass Nahrungsmittelkrisen am Horn von Afrika nichts Neues sind.

Die hohen Nahrungsmittelpreise haben die Situation jetzt noch weiter verschlimmert“, so Jackson. „Unsere oberste Priorität ist es, Leben zu retten. Aber wir brauchen auch langfristige Lösungen, die verhindern, dass Krisen sich so entwickeln, dass sie – wie jetzt – zu Katastrophen werden.“


CARE stockt seit Anfang 2011 seine Nothilfe in den Dürregebieten auf. CARE hilft mehr als einer Million Menschen in Äthiopien, Somalia und Kenia mit lebensrettenden Nahrungsmitteln, Wasser und Nothilfe. Gleichzeitig erhöht CARE die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden gegen die Dürre, mit „Cash for Work“-Programmen, Verminderung des Viehbestandes und der Gründung von Spargruppen. So hilft CARE den betroffenen Menschen, ihre Existenzgrundlagen für die Zukunft zu sichern, neue Einkommensmöglichkeiten zu schaffen und sich und ihre Familien zu versorgen.