"Ich bin allein in dieser Welt"

Eine CARE-Mitarbeiterin aus Myanmar sprach mit einem Betroffenen des Wirbelsturms Nargis

„Ich komme aus dem Dorf Set Seik. Seit ich zwölf Jahre alt bin, arbeite ich als Fischermann. Ich bin zwar sehr arm, doch ich kann voller Stolz sagen, dass ich es geschafft habe, meine Kinder zu Schule zu schicken. Bevor der Wirbelsturm kam, hatte ich auf zwei Schweine gespart. Diese wollte ich meinem jüngsten Sohn zum Geschenk machen, der als Novize ins Kloster aufgenommen werden sollte – für einen buddhistischen Vater wie mich ein sehr wichtiger Tag.


Ich hatte gerade meine Fischernetze geflickt, als ich die Sturmwarnung im Radio hörte. Am Nachmittag begann der Wind bereits stärker zu blasen, und ich eilte nach Hause, um sicher zu gehen, dass alle Fenster geschlossen sind. Zuhause erzählte mir mein jüngster Sohn, dass jemand den Futtertrog für die Schweine vor der Tür gelassen hatte. Ich hielt ihn nicht auf, als er sich nach draußen begab, den Trog zu holen. Doch das werde ich nun für immer bereuen.

Zwanzig Minuten später war mein Sohn noch immer nicht zurück. Ich bekam Angst und ging nach draußen, um ihn zu suchen. Erst dann merkte ich, wie schlimm der Sturm war. Ich fand meinen Sohn. Mit einer Hand hielt er den Trog fest, mit der anderen umklammerte er den Pfosten, an dem wir normalerweise unsere Kühe anbinden. Ich nahm ihm den Trog ab und hielt sein Hand, um mit ihm ins Haus zurück zu kehren. Doch der Wind war so stark, dass ich keinen Fuß nach vorne setzen konnte. Ich sagte zu meinem Sohn: „Halt dich am Pfosten fest. Ich gehe nach drinnen und sehe nach, ob deine Mutter und deine Schwestern in Sicherheit sind.“ Es war das Letzte, was ich jemals zu ihm sagen sollte.

Ich war gerade auf halbem Weg zum Haus, als der Wasserspiegel anstieg und der Wind mich überwältigte. Dann sah ich, wie meine Hütte mit meiner Frau und meinen zwei Töchtern in sich zusammenbrach und davon flog. Ich wusste sofort, dass sie das nicht überlebt haben.

Ich drehte mich um und suchte meinem Sohn. Aber es war zu spät. Die Flutwelle hatte ihn bereits verschlungen. Ich sah nur noch seine beiden Hände davonschwimmen. Trauer und Angst überwältigten mich. Dann erreichte die Welle mich selbst und trug mich mit sich. Für 30 Minuten kämpfte ich um mein Überleben in den Wassermassen. Schließlich konnte ich einen Ast greifen und mich daran festhalten.

Am nächsten Morgen rettete mich ein Mann in einem Boot aus dem Geäst. Ich kann mich nicht erinnern, wie ich hierher in das Camp gekommen bin. Erst gestern konnte ich zum ersten Mal wieder meine Gedanken sammeln und begreifen, dass ich alles verloren habe. Ich weiß nicht, wie es jetzt weitergehen soll. In meinem Dorf gibt es zu viele unerträgliche Erinnerungen. Ich bin allein in dieser Welt.

CARE hat bis heute 142.305 Menschen mit frischem Trinkwasser, Medikamenten und Lebensmitteln erreicht. Helfen Sie uns, die Menschen beim Wiederaufbau zu unterstützen.