Im Interview: Millenniumspreisträgerin Clare Short

Clare Short spricht mit uns über die Millenniumsziele, die Herausforderungen der Zukunft und die Bedeutung von Nichtregierungsorganisationen.

Alle zwei Jahre vergibt CARE den Millenniumspreis. Preisträger sind Menschen, die sich mit ihrer Arbeit in besonderer Weise für die Erreichung der Millenniumsziele (MDGs) der Vereinten Nationen (UN) einsetzen. Dieses Jahr hat CARE den Preis am 15. Mai in Berlin an die britische Politikerin und Frauenrechtlerin Clare Short vergeben.


Sie haben in Ihrer politischen Laufbahn viel dafür getan, die MDGs international bekannter zu machen. Was wurde hinsichtlich der MDGs erreicht und was muss noch getan werden?

Im neuen Jahrtausend begann die ganze Welt zusammenzuarbeiten um Armut systematisch zu reduzieren. Schon diese vereinte, internationale Bewegung ist ein großer Erfolg. Außerdem gibt es messbare Fortschritte: Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, wurde halbiert! Auch in Bezug auf Bildung für Kinder – besonders Mädchen – wurde enorm viel erreicht. Jetzt müssen wir uns fragen: Wie soll es weitergehen und wie können wir diese Erfolge fortsetzen?

<media 11154 _blank - "AUDIO, 01-Was-wurde-erreicht-und-muss-getan-werden, 01-Was-wurde-erreicht-und-muss-getan-werden.mp3, 0.9 MB">Die Antwort von Clare Short können Sie hier als O-Ton im mp3-Format herunterladen (0,9 MB).</media>

Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um sich auf die „Post-MDG“-Ära, die Zeit nach 2015, vorzubereiten?

Es gibt weltweit Menschen und Komitees der Vereinten Nationen, die daran arbeiten. Im Moment bereitet mir Sorge, dass sich die internationale Gemeinschaft von den Problemen des Klimawandels und von nachhaltiger Entwicklung abwendet. Das ist eine katastrophale Entwicklung, die jeden treffen wird - aber insbesondere die ärmsten Länder. Wir müssen jetzt die Bekämpfung von Armut und Nachhaltigkeit zusammendenken – denn das eine ist ohne das andere nicht möglich. Wenn wir das erreichen, wäre das ein riesiger Erfolg. Durch die Finanzkrise wurde der Klimawandel verdrängt, aber er ist immer noch da.

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Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste MDG?

Natürlich ist jedes der Ziele wichtig. Das Ziel mit dem größten Effekt auf alle anderen Ziele ist, Mädchen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Sie bekommen dann später weniger Kinder, können ein Einkommen für ihre Familie erwirtschaften, verschaffen auch ihren Kindern den Zugang zu Bildung und leben gesünder. Eine Generation ausgebildeter Mädchen kann ein ganzes Land voranbringen. Und obwohl wir in der Hinsicht Erfolge verzeichnen konnten, wurde besonders in Krisenländern wie Süd-Sudan oder Somalia noch nicht genug erreicht.

<media 11156 _blank - "AUDIO, 03 -Was-ist-das-wichtigste-MDG, 03_-Was-ist-das-wichtigste-MDG.mp3, 1.0 MB">Die Antwort von Clare Short können Sie hier als O-Ton im mp3-Format herunterladen (1 MB).</media>

 

Wie wichtig sind Hilfsorganisationen wie CARE, um die MDGs zu erreichen?

NGOs sind Teil der freien Gesellschaft. Über sie können in dieser globalisierten Welt Ideen und Wissen zur  Bekämpfung von Armut geteilt werden. Organisationen wie CARE sind außerdem wichtig, um bei Regierungen etwas zu erreichen. Durch die NGOs werden wichtige Themen wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Sie können Regierungen dazu bringen, modernere Haltungen gegenüber Schuldenkürzungen, den MDGs und dem Klimawandel einzunehmen. Sie sind enorm wichtig. Allerdings müssen wir unsere Position überdenken – wir sollten nicht mehr „die Reichen“ sein, die „den Armen“ helfen. Wir sollten mit allen Menschen weltweit zusammenarbeiten, denn sonst werden sich  Probleme wie Armut oder der Klimawandel ausweiten und uns alle betreffen.

<media 11157 _blank - "AUDIO, 04-Wie-wichtig-sind-Organisation-wie-CARE, 04-Wie-wichtig-sind-Organisation-wie-CARE.mp3, 1.3 MB">Die Antwort von Clare Short können Sie hier als O-Ton im mp3-Format herunterladen (1,3 MB).</media>