In Sicherheit, aber alleine

18 Tage lang floh Muna mit ihren Kindern nach Dadaab. Ihr Mann musste zurückbleiben

Die 40-jährige Muna ist vor neun Tagen zusammen mit ihren sieben Kindern im Dagahaley Camp angekommen.

Weil für sie alle die Buskosten zu hoch gewesen wären, musste sie sich von ihrem Mann trennen. Er blieb zurück in der Hoffnung, noch genug Geld für die eigene Reise verdienen zu können. „Ich werde bald zu euch kommen“, sagte er, als sie sich verabschiedeten.

Munas Reise dauerte 18 Tage, ihren Kinder gab sie wilde Früchte zu essen, ständig hatten sie Angst vor Tieren wie Hyänen. Doch ihre Kinder sind alle wohlauf, auf ihrer Reise begegneten sie keinen wilden Tieren. Aber sie wurde auf dem Weg nach Dadaab entführt – Banditen stoppten den Bus und zwangen alle Frauen, auszusteigen. „Wir waren acht Frauen, sie teilten uns in Ältere und Jüngere auf. Die jungen Frauen wurden zurück in den Bus geschickt. Fünf von uns blieben übrig – mit unseren Kindern. Der Busfahrer wurde zur Weiterfahrt gezwungen und so blieben wir alleine zurück. Sie entführten uns“, sagte sie.


Auf dem Weg nach Dadaab wurde Muna vergewaltigt

Sie waren im Nirgendwo, alleine mit ihren Kindern und den bewaffneten Männern. „Die Kinder wurden hinter Büsche geschickt und von einem der Männer still gehalten, während die anderen Männer uns vergewaltigten. Einige der Frauen wurden sogar mehrmals vergewaltigt.“

Obwohl es mittlerweile Tag war, die Frauen um Hilfe riefen und ihre Kinder weinten, kam kein Auto an ihnen vorbei - niemand half ihnen. „Nachdem sie uns vergewaltigt hatten sagten sie uns, wir sollten unsere Kinder nehmen und gehen“, Muna und die anderen Frauen liefen 17 Kilometer, bis sie das Dorf Dif erreichten. Nachdem sie den Dorfältesten erzählten, was ihnen angetan wurde, konnten sie etwas Geld sammeln und ihre Reise weiterführen.

Helfen Sie CARE, die Menschen in Ostafrika zu unterstützen und spenden Sie hier!


Muna und die anderen Frauen kamen schließlich in Dadaab an. „Ich bin glücklich, dass wir endlich hier angekommen und alle meine Kinder gesund sind. Schließlich haben wir sogar etwas Nahrung, Wasser und ein Zelt bekommen. Obwohl hier so viele Menschen leben, auch die, die mit uns gekommen sind, fühle ich mich ohne meinen Mann sehr alleine.

Immer mehr Frauen werden Opfer sexueller Gewalt

Insbesondere Frauen und Mädchen laufen Gefahr, auf ihrem Weg nach Dadaab Opfer von Entführungen, Vergewaltigungen und Krankheiten zu werden. Viele Frauen müssen die Reise mit ihren Kindern alleine bewältigen, mussten ihren Mann zurücklassen und auf der Suche nach Schutz wochenlang laufen. Nach Zahlen vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen hat sich die Zahl von Gewalt gegen Frauen in Dadaab in den letzten Monaten vervierfacht. Waren es von Januar bis Juni 2010 noch 75 Fälle, liegen dieses Jahr mehr als 358 Berichte vor.

CARE hat neben den Registrierungszentren in den Lagern Ifo und Dagahaley Zelte eingerichtet, in denen Opfer von sexuellem Missbrauch und Gewalt identifiziert werden. Hier konnten in den letzten sechs Monaten 136 Fälle dokumentiert werden. Im Jahr 2010 waren es im gleichen Zeitraum noch 66 Fälle.

 
Viele Frauen haben Angst, leiden unter Traumata und Panikattacken

„Die psychologischen Folgen, die Dürre, Konflikte und die anschließende Flucht auf Frauen haben können, sind immens. Insbesondere durch den Verlust von Familienmitgliedern auf dem Weg leiden viele von ihnen an Angstzuständen, Panikattacken und Traumata. Frauen erzählen auch von Entführungen, Gewalt und Hunger“, sagt Wilson Kisiero, der für CARE in Dadaab arbeitet. „CARE stellt eine psychologische Soforthilfe für die neu ankommenden Frauen und Mädchen bereit. Wir geben unser Bestes um Nachuntersuchungen zu ermöglichen.

Muna wurde von den CARE-Mitarbeitern, die sie interviewten, zu einer Klinik von „Ärzte ohne Grenzen“ weitergeleitet. Besucht hat sie die Klinik noch nicht: Sie hat Angst davor, durch die Vergewaltigung schwanger geworden zu sein oder eine Krankheit bekommen zu haben. Sie sagt, sie möchte zuerst ein paar Tage warten und dann gehen. Jetzt aber noch nicht.