Indien - Vier Jahre nach dem Tsunami

Mikroversicherungen von CARE und Allianz schützen Existenz

 

Heute erinnern nur noch 360 Palmen an die Toten des Tsunami. Leise flattern die Palmwedel im Wind, friedlich säumen sie den weißen Küstenstreifen von Keelapattinacherry im südindischen Bundestaat Tamil Nadu. Am Morgen des 26. Dezember 2004 saßen die Frauen und Kinder des Dorfes an jenem Strand, sie verkauften Fisch oder Gemüse. Ihre Männer waren auf dem Meer zum Fischen, wie jeden Tag. Um 9:12 Uhr mussten die Fischer hilflos mit ansehen, wie eine Riesenwelle auf die Küste traf – und ihre Frauen, ihre Kinder und ihr Dorf ertränkte. 360 Menschen starben in dem kleinen Fischerdorf, kein Haus blieb auf seinem Grund.  

CARE Indien hat sofort nach der Katastrophe 20.000 Familien mit Kleidung, Hygieneartikeln, Wasserreinigungstabletten, Kochzubehör und Bettbezügen versorgt. Dabei stand bei der Hilfe vor allem auch die psychologische Unterstützung im Vordergrund. In einer Zeit, in der jeder Bewohner Angehörige, Haus und Besitz verloren hatte, war es wichtig, den Menschen zuzuhören, ihr Leid zu verstehen und sie manchmal auch in den Arm zu nehmen. „CARE hat 200 Familien in Tamil Nadu psychologisch betreut“, erklärt R. Devaprakash, Teamleiter von CAREs Tsunami-Programm. „Die Nachfrage ist nun stark zurückgegangen. Das Leben ist heute wieder normal, die Menschen haben gelernt, mit den Erinnerungen umzugehen.“ Die Einwohner von Keelapattinacherry pflanzten Palmen am Strand, ein grüner Spross für jedes  ausgelöschte Leben.

Revolutionäres Versicherungsmodell

Auch wenn psychologische Unterstützung nicht mehr notwendig ist, so benötigen die Menschen in Tamil Nadu noch immer CAREs Hilfe. Trotz allen Fortschritts lebt in Indien ein Großteil der Einwohner von weniger als einem Euro am Tag. Das Leben der Landbevölkerung Südindiens wird vom Monsun bestimmt. Die Regenzeit ist für die Bauern Fluch und Segen zugleich, Überschwemmungen oder Wirbelstürme verwüsten regelmäßig die Ernte und reißen die kargen Hütten mit sich. Erst im November 2008 zerstörte Wirbelsturm Nisha die reifen Reisfelder. Um ihr Leben wieder aufzubauen, müssen die Menschen sich meist Geld von Kreditgebern mit Zinsen bis zu 60 Prozent leihen. So rutschen sie immer tiefer in Armut und Abhängigkeit.

„Damit sich die Menschen vor den Folgen einer Naturkatastrophe schützen können, bietet CARE und der Versicherungskonzern Allianz Mikroversicherungen an“, erklärt R. Devaprakash. Für umgerechnet 1,50 Euro pro Jahr kann ein Ehepaar nicht nur Hab und Gut versichern, sondern auch Lohnausfälle bei Krankheit, Bestattungskosten oder Fahrten zum Krankenhaus. „Diese Versicherungen sind genau auf die Bedürfnisse der armen Bevölkerung zugeschnitten. Und es funktioniert: Mehr als 90.000 Versicherungen wurden in den letzten neun Monaten verkauft“, resümiert R. Devaprakash. Zusätzlich haben CARE und die Allianz ein revolutionäres Krankenversicherungsmodell entwickelt. Die Dorfgemeinden sammeln und behalten dabei 65 Prozent der Versicherungsprämie und wickeln Schadensfälle bis zu einem bestimmten Betrag selbst ab. Erst bei größeren Fällen tritt die Allianz als Rückversicherer auf, sie erhält dafür die restlichen 35 Prozent der Versicherungskosten. Die Jahresprämie dieser Krankenversicherung beträgt sieben Euro für eine vierköpfige Familie.

Für Menschen, die jeden Tag am Abgrund leben, ist eine Mikroversicherung wie ein rettendes Auffangnetz. Auch in Keelapattinacherry können die Fischerfamilien bald die ersten Versicherungen erwerben. Vier Jahre nach dem Tsunami ist der Alltag wieder eingekehrt in dem kleinen Dorf. Die Fischer fahren wieder auf See, die Häuser sind wieder aufgebaut und auch ein runder Tsunami-Schutzraum steht massiv in der Dorfmitte. Nur die Frauen verkaufen den Fisch nicht mehr am Strand. Sie sitzen lieber am sicheren Dorfeingang, weit weg vom Meer.

Lesen Sie hier den Indienblog unserer Mitarbeiterin Sandra Bulling.