Indonesien: „All das würde es nicht geben, wenn die Welt nicht geholfen hätte“

Nachdem Banda Aceh durch den Tsunami im Indischen Ozean vor zehn Jahren zerstört wurde, blieb M. Noor Usman nichts. Heute, mit der Hilfe von CARE, ist ihm ein Neuanfang gelungen und er kann optimistisch in die Zukunft blicken.

„All das – mein Hause, mein Geschäft, meine Mitarbeiter – würde es nicht geben, wenn die Welt uns nach dem Tsunami nicht geholfen hätte.“
M. Noor Usman, 61 Jahre alt, lässt seine Arme vor sich her schweifen, während vor ihm zwei Frauen mit einem Haufen schimmernder Fische sitzen, die sie abwechselnd saubermachen und an Kunden verkaufen. Regelmäßig kommen Motorräder mit großen Kühlboxen vorbei, ihre Anhänger sind mit unzähligen Fischen beladen. Eine Reihe dieser Kühlboxen – die orangenen, mittlerweile von der Sonne ausgeblichenen – stellte uns CARE vor zehn Jahren zur Verfügung, sagt Usman mit einem Lächeln.
Bunte Fischerboote liegen nebeneinander im Fluss, direkt neben seinem Lagerhaus. Der Ozean ist nur ein Katzensprung entfernt. Nur ein wenig weiter, fegt Usmans Frau, Noor Hursiah, die Veranda ihres Hauses, ein lebhaftes Gebäude, das in einem heiteren Violett und Grün gestrichen ist.

„Alles war zerstört"

Es ist ein starker Kontrast zu dem Banda Aceh kurz nachdem der Tsunami eingetroffen war. Usmans Gemeinde war vollkommen ausgelöscht – Zerstörte Häuser, Fischerbote kreuz und quer auf den Straßen, Trümmer und Geröll in den Flüssen. Ganze Familien wurden fortgeschwemmt. Nicht als Stille und Trauer blieb zurück.
Vor dem Tsunami gehörte M. Noor Usman ein erfolgreiches Unternehmen, das Fische am Ufer des Flusses in Lampulo, Banda Aceh, trocknete. Seine Kinder gingen zur Schule und sie lebten alle gemeinsam in einem großen und ordentlichen Haus. Innerhalb von Minuten war alles verschwunden – sein Geschäft, sein Haus und 15 seiner Mitarbeiter. „Alles war zerstört. Das einzige, was vom Haus geblieben ist, war das Fundament. Uns blieb nichts“, sagt Usman mit einem finsteren Blick, der die Furchen in seinem vom Wetter geprägten Gesicht vertieft.
So wie tausend andere Überlebende zog Usman mit seiner Familie in ein Zimmer in einer vorübergehenden hölzernen Baracke, die dazu gebaut wurde, um Menschen solange Schutz zu bieten, bis Häuser wieder aufgebaut werden konnten. Usman benutzte sein Motorrad als Taxi, um ein wenig Geld zu verdienen und seine Familie zu ernähren. Aber das war gerade genug um die Familie am Leben zu halten und nicht annährend genug für den Wiederaufbau.

Ein Neuanfang

Dann, 2005, traf er einen CARE-Mitarbeiter, der ihn fragte, was er für den Neuanfang seines Unternehmens benötigte. Usman erklärte es ihm und erhielt die wesentlichen Werkzeuge, um sein Unternehmen wieder aufzubauen: Kühlboxen für die Fische, Gestelle zum Trocken, und Plastikplanen, um die Fische abzudecken. Später gehörte Usman, seine Frau und seine Kinder auch zu den 1.776 Familien, die mit der Hilfe von CARE ein neues Haus bauten.
„Das war alles, was ich brauchte, um neu anzufangen”, sagt Usman. „In den letzten zehn Jahren haben wir hart für den Wiederaufbau gearbeitet, und mit den Gewinnen habe ich mein Geschäft vergrößert und mehr Mitarbeiter eingestellt.“ Er hat auch sein Haus erweitert. Jetzt ist es groß genug für seine Familie. Anstatt einfacher Kühlboxen, besitzt er jetzt auch eine Reihe von Kühltruhen, um den Fisch zu lagern.
„Das war unser Ziel“, sagt Sally Austin, die in Aceh den CARE-Tsunami-Einsatz leitet. „Unser Ziel war es, dabei zu helfen nach dem Tsunami Leben zu retten, aber auch den Menschen zu helfen, ihre Leben wieder aufzubauen. Die Menschen in Aceh sind  stark. Wie an so vielen Orten, wo wir arbeiten, brauchen Menschen Starthilfe, um etwas davon zu ersetzen, was sie in den Katastrophen verloren haben. Aber danach übernehmen die Familien selbst.“ Usman und die Menschen in Banda Aceh sind der beste Beweis dafür.
„Dank CARE geht es mir jetzt sehr gut. Mein Geschäft ist sehr erfolgreich und expandiert. CARE hat mir bei dem Neuanfang geholfen. Natürlich ist es nicht dasselbe wie vor dem Tsunami, aber wir werden weiter arbeiten, und wir werden es schaffen ein gutes Leben zu leben.“