Internationaler Tag der Muttersprache: Verstehen bedeutet Überleben

Auch für die Arbeit von CARE ist Sprache ein wichtiges Thema

Heute vor 59 Jahren demonstrierten in Dhaka, der damaligen Hauptstadt Ost-Pakistans, zahlreiche Menschen dagegen, dass die Regierung Urdu zur alleinigen Amtssprache des Landes macht. Denn gerade einmal drei Prozent der pakistanischen Bevölkerung sprach Urdu, während im damaligen Ost-Pakistan 98 Prozent Bengali sprachen. Die Unterdrückung der bengalischen Sprache und Kultur fand in Pakistan 19 Jahre nach der Demonstration, bei der zahlreiche Menschen ums Leben kamen, ein Ende: Heute heißt Ost-Pakistan Bangladesch. Und die Amtssprache des Landes ist Bengali.


Seine eigene Sprache sprechen zu können, sie nicht nur im privaten Bereich sondern auch bei Amtsbesuchen und im alltäglichen Leben zu nutzen, bleibt aber bis heute vielen Menschen vorenthalten. Seit dem Jahr 2000 erinnert die UNESCO an jedem 21. Februar an dieses Problem, am „Internationalen Tag der Muttersprache“.

2010 wurden weltweit noch 6.500 Sprachen gesprochen – aber mehr als ein Drittel werden innerhalb der nächsten Jahrzehnte aussterben. Hierfür gibt es viele Gründe: Krieg, Migration, Ausgrenzung. Aber auch das Internet und andere moderne Kommunikationsmöglichkeiten schaffen Sprachen wie Englisch immer größere Räume. Laut dem „Atlas der Bedrohten Sprachen“ der UNESCO sind vor allem in Nord- und Südamerika, Afrika, Südostasien und Ozeanien fast 600 Sprachen akut vom Aussterben bedroht.

Seine Muttersprache nicht nutzen zu können, bedeutet aber nicht nur den Verlust von Traditionen, Weisheiten und Sprichwörtern. Es bedeutet für viele Menschen auch Isolation. Deswegen ist auch für die Entwicklungszusammenarbeit Sprache ein wichtiges Thema. In vielen Ländern sind vor allem indigene Völker besonders benachteiligt. Sie bilden oft das ärmste Segment der Bevölkerung und sind besonders betroffen von Armut, Hunger und Krankheit. Häufig sind Gründe hierfür auch mangelnde Kommunikationsmöglichkeiten.

Im Hochland der Anden sterben beispielsweise jedes Jahr vor allem indigene Quechua-Frauen, auch, weil sie sich nur selten in die Gesundheitsstationen trauen, wo niemand ihre Sprache spricht. CARE bildet daher seit Jahren medizinisches Personal aus und achtet dabei darauf, dass die Geburtshelfer auch die lokale Quechua-Sprache sprechen. Insgesamt konnte erreicht werden, dass die Müttersterblichkeit in der Region bereits um 50 Prozent gesenkt wurde.

Auch als letzten November in Haiti die Cholera ausbrach galt es, so viele Menschen wie möglich durch Aufklärungskampagnen zu erreichen – mit der Sprache, die sie verstehen. Dafür hat CARE Flyer auf Kreolisch gedruckt – damit gerade der Teil der Bevölkerung, der ohnehin schon arm und damit anfällig für Krankheiten ist, weiß, wie er sich am besten gegen die Cholera schützen kann.

Auch die peruanische Organisation Acción Andina, mit der CARE zusammenarbeitet und die 2009 den Partnerschaftspreis von CARE Deutschland erhielt, arbeitet im Hochland der Anden mit der indigen Bevölkerung zusammen. Sie stärkt die indigenen Völker nicht nur im Kampf gegen Diskriminierung und Armut, sondern hilft ihnen auch, Traditionen und Kultur zu bewahren. Dazu gehört auch ihre Sprache.