Internationaler Tag der Muttersprache: Zweisprachige Bildung für indigene Kinder in Kambodscha feiert Jubiläum

Seit elf Jahren werden Kinder ethnischer Minderheit im nordöstlichen Kambodscha auch in ihrer Muttersprache unterrichtet.

2002 startete in der Provinz Ratanakiri, die 600 Kilometer von der Hauptstadt Phnom Penh entfernt liegt, ein besonderes Bildungsprogramm: Die Kinder hier werden nicht nur in der Landessprache Khmer unterrichtet, sondern auch in ihrer Muttersprache. Mehr als 730 Kinder haben die bilinguale Schule in Ratanakiri bereits abgeschlossen. CARE hat die Regierung außerdem dabei unterstützt, das bilinguale Modell in vier weiteren Provinzen im Nordosten Kambodschas für 2.000 Kinder einzuführen.

Normalerweise ist die Landessprache Khmer an öffentlichen Schulen die einzige Unterrichtssprache. In den nordöstlichen Provinzen sprechen und verstehen aber viele Kinder kein Khmer. Mehr als 57 Prozent der Bevölkerung gehören in der Provinz ethnischen Minderheiten an. Der Zugang zu Bildung ist für sie daher begrenzt. An den bilingualen Grundschulen wird im ersten Jahr fast ausschließlich in der lokalen Sprache gelehrt. Khmer wird dann über die nächsten drei Jahre hinweg langsam eingeführt, bis im vierten Schuljahr fast der gesamte Unterricht auf Khmer abgehalten wird. Die Gemeinde arbeitete mit CARE zusammen, um den Lehrplan der staatlichen Schulen an den lokalen Kontext anzupassen. Zum Beispiel wurden Fertigkeiten aufgenommen, die auf dem Wissen und der Kultur der Gemeinde beruhen.

„In Ratanakiri ist die Analphabeten-Rate bei den ethnischen Minderheitsgruppen tendenziell hoch“, erklärt Jan Noorlander, Programmkoordinator von CARE Kambodscha.  „Wer die nationale Sprache nicht kennt hat es häufig schwer, Zugang zu Gesundheitsversorgung zu bekommen, auf dem Markt zu verhandeln oder Arbeit zu finden“, so Noorlander.

„CARE hat 2002 kommunale Grundschulen für 280 Kinder in Ratanakiri gegründet, um zu helfen diese Situation zu verändern. Die Methode basierte auf einem Modell, das in Australien für die Bildung der Aborigines entwickelt wurde. Die Anwendung in Kambodscha hat seitdem auch die Anerkennung der Regierung gewonnen. Das betrifft insbesondere die Wirksamkeit, Kinder und vor allem Mädchen in die Schulen zu holen und dort zu behalten.“

Mädchen in Kambodscha stehen enormen familiären und sozialen Herausforderungen gegenüber. Sie müssen arbeiten um ihre Familie zu unterstützen oder sich um jüngere Geschwister kümmern. Das hält sie davon ab zur Schule zu gehen. „Solange wir nicht dafür sorgen, dass jedes Kind Zugang zu Bildung hat, kann es keine Gleichberechtigung der Geschlechter geben. Das gilt vor allem für Kinder, die zu ethnischen Minderheiten gehören“, fügt er hinzu.

 Am heutigen 21. Februar erinnert die UNESCO mit dem seit 2000 jährlich gefeierten „Internationalen Tag der Muttersprache“ daran, dass es bis heute vielen Menschen vorenthalten ist, ihre Muttersprache nicht nur im privaten Bereich zu sprechen. Nach dem „Atlas der Bedrohten Sprachen“ der UNESCO sind vor allem in Nord- und Südamerika, Afrika, Südostasien und Ozeanien fast 600 Sprachen akut vom Aussterben bedroht.