Angriff auf UN-Hilfskonvoi in Syrien

Nach den Angriffen auf den UN-Hilfskonvoi in Syrien fordert CARE eine sofortige, neue Feuerpause.

Der UN-Hilfskonvoi war am Montagabend bei Luftangriffen im Nordwesten Aleppos getroffen worden. Die etwa 30 Lastwagen waren mit Hilfe für etwa 78.000 notleidende Menschen in belagerten Gebieten beladen. Bei dem Angriff sind mindestens 20 Zivilisten und Mitarbeiter des Syrischen Roten Halbmonds ums Leben gekommen. Die Vereinten Nationen haben vorerst alle weiteren Hilfslieferungen in Syrien aufgrund der Sicherheitslage eingestellt. „Die Situation um Aleppo ist schlimmer als je zuvor. Der Ostteil der Stadt wird nun seit mehreren Monaten belagert und von Versorgung mit dem Nötigsten abgeschnitten, und jetzt, nach den empörenden Angriffen auf Zivilisten und Helfer am Montagabend und der Beendigung der Hilfslieferungen durch die UN, droht dem Westteil der Stadt das gleiche Schicksal“, berichtet  CARE-Kollegin Maithree Abeyrathna, die die Hilfe für Syrien aus der Türkei koordiniert. „Aleppo ist nur eine von vielen Regionen in Syrien, die unter Belagerung und täglichen Menschenrechtsverletzungen zu leiden haben. Unsere CARE-Partner vor Ort haben vor allem in den nördlichen Regionen Syriens um Aleppo und Idleb Schwierigkeiten, Hilfe zu leisten. Sie riskieren ihr Leben, um die notleidende Bevölkerung zu erreichen. Sie werden teilweise tagelang von Strom, Handyempfang und anderen Kommunikationsmöglichkeiten abgeschnitten.“


CAREs Forderungen im Überblick


  • CARE verurteilt jegliche Angriffe auf humanitäre Helfer und Verletzungen des internationalen humanitären Rechts. Die Helfer warteten darauf, notleidenden Menschen dringend benötigte Lebensmittel und andere Güter zu bringen. Es ist eine absolute Gräueltat, dass sie ihren Mut und ihre Stärke mit ihrem Leben bezahlen mussten. Angriffe auf Helfer sind abscheulich. Humanitäre Hilfe darf nicht Einsatz von Leib und Leben bedeuten. Es ist zwar das erste Mal, dass ein offizieller UN-Hilfskonvoi angegriffen wurde. Aber in den letzten Kriegsjahren wurden immer wieder zivile Infrastrukturen angegriffen: Schulen, Krankenhäuser, Lagerhallen mit Hilfsgütern. Das muss sofort beendet werden. Die Kriegsparteien sind gefordert, das humanitäre Völkerrecht zu beachten, damit Helfer nicht ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, um ihre Arbeit zu leisten.
  • CARE fordert dringend umfassenden humanitären Zugang. Die Waffenruhe ist auf dramatische Weise gescheitert. Das ist eine Tragödie für die Helfer, aber auch für die Millionen von Menschen, die dringend humanitäre Hilfe benötigen. Ganz konkret heißt es momentan, dass die 78.000 Menschen, für die der Hilfskonvoi auf dem Weg war, weiterhin auf Hilfe warten. Dieser Krieg hat bereits über 270.000 Menschen das Leben gekostet, Millionen Menschen benötigen dringend Hilfe. Jeder Tag ohne Hilfslieferung bedeutet, dass mehr Menschen verhungern, sterben, weil sie keine Medikamente bekommen. Mindestens 5,5 Millionen Menschen leben in Gebieten, die belagert oder schwer zu erreichen sind. Millionen Menschen sind komplett ohne Versorgung, über 80.000 Kinder schwer unterernährt, Krankenhäuser zerstört. Das ist die größte humanitäre Krise unserer Zeit und es darf keinen Aufschub mehr geben, Millionen Menschen in Not zu erreichen.
  • CARE ruft dringend zu einer neuen Waffenruhe in Syrien auf. Unsere Kollegen in Syrien haben berichtet, was für ein großes Aufatmen die ersten Tage der Waffenruhe für sie bedeuteten. Unsere Helfer vor Ort nutzten die Waffenruhe, um die Verteilung von Hilfsgütern zu intensivieren und aufzustocken. Die Menschen müssen endlich die Hilfe bekommen, die sie dringend benötigen. Alleine in Aleppo sind zwei Millionen Menschen von Versorgungsrouten abgeschnitten. Sie haben nicht ausreichend Nahrung, keinen Zugang zu medizinischen Einrichtungen oder Medikamenten. CARE ruft die USA und Russland als führende Kräfte der Syrien-Unterstützergruppe dazu auf, eine neue Feuerpause möglich zu machen. Außerdem sind alle Konfliktparteien dazu aufgerufen, Angriffe auf Zivilisten sofort zu unterlassen und dringend benötigte humanitäre Unterstützung, vor allem für schwer erreichbare und belagerte Gebiete wie Aleppo und Madaya, zuzulassen.
  • CARE unterstützt Menschen in Not weiterhin: CARE arbeitet seit Jahren in Syrien mit Partnern zusammen, konnte bisher etwa 3.000 Familien im ländlichen, westlichen Aleppo erreichen. In belagerten Gebieten in Syrien unterstützt CARE mit Nahrungsmitteln, landwirtschaftlicher Hilfe und Schutz vor allem für Kinder.


Was die wenigen Tage Waffenruhe für Zivilbevölkerung und Helfer in Syrien bedeuteten, hat CARE-Mitarbeiterin  Sonja dem Deutschlandfunk mitgeteilt. Hier geht es zum Interview.

Der Generalsekretär von CARE Deutschland, Karl-Otto Zentel, im Gespräch mit Bayern 2 zur Situation in Syrien nach dem Wiederaufflammen der Gewalt. Hier geht es zum Interview.