Japan: Die Stille nach dem Gebet

"Es ist beeindruckend, wie viel Kraft sich die Überlebenden gegenseitig spenden"

Von Hiroko Yoshida, Freiwillige für CARE Japan

Unser Küchen-Team beginnt seine Schicht früh am Morgen. Geleitet wird das Team von Frau Misako Ideka, einer gelernten Köchin und ihrem Stellvertreter, Herrn Ryoko Ishizaki. Insgesamt stehen hier jeden Tag sieben bis acht Mitarbeiter am Herd, darunter auch zwei Freiwillige aus meiner Firma „E-square“, einige ehemalige Freiwillige der „Former Overseas Cooperation Volunteers“ und ich.

Morgens stehen wir bereits um 4 Uhr auf. Wir müssen uns beeilen. Eine halbe Stunde später werden wir von einem Kleinbus abgeholt. Um diese Uhrzeit ist es noch stockfinster und angenehm kühl. Nachdem wir unser Haus in Onappe in Miyako verlassen haben, fahren wir durch die Innenstadt in Richtung Yamada. Langsam bricht die Morgendämmerung an. Der Ozean ist so ruhig, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass er im März so viel Zerstörung über die Küsten brachte.

Misosuppe zum Frühstück 

Nach einer halben Stunde Fahrt erreichen wir die auf einem Hügel gelegene Grundschule von Yamada. Im dritten Stock befindet sich unsere Küche. Als erstes stehen vier große Kochtöpfe voller Misosuppe auf dem Plan – das Frühstück für mehr als 500 Menschen. Das Kochen der Suppe ist schon so etwas wie ein allmorgendliches Ritual geworden.

Teamwork ist das Wichtigste bei unserer Arbeit. Unsere Chefin, die Köchin, hilft uns, das Essen zuzubereiten. Das Motto unserer Chefin lautet: „Jeder kann etwas anderes gut.“ Diejenigen, die gut kochen können, kochen. Alle anderen unterstützen sie dabei, zum Beispiel mit dem Vorbereiten der Kochtöpfe oder dem Abwasch.

Den Evakuierten schmeckt's

Unsere Chefin Ikeda weiß, was gesunde Ernährung bedeutet. Um auf die Gesundheit der Menschen Rücksicht zu nehmen, legten wir die verschiedenen Frühstücks- und Abendessenmenüs zusammen. Unter ihrer Aufsicht kochen wir abwechselnd Nudeln, Bohnenquark gefüllt mit gekochtem Reis, Reis mit Rindfleisch und Kabeljausuppe. Obwohl wir nur wenig Zeit und kaum Küchengeräte haben, schmeckte es allen Menschen im Evakuierungszentrum. Ein paar Kinder machten uns sogar Listen mit ihrem Lieblingsessen. 

Gutes tun fühlt sich gut an

Am 11. April, genau einen Monat nach dem Erdbeben, hielten wir in ganz Yamada um 14:46 Uhr eine Schweigeminute. Selbst unsere Chefin hatte Tränen in den Augen. Nach dem stillen Gebet blieb es weiterhin sehr still, wortlos konzentrierte sich jeder auf seine Aufgaben in der Küche. 

Es bewegt mich, dass die Überlebenden, obwohl sie alle Schlimmes erlebt haben, sich gegenseitig Kraft geben und stark bleiben. Die sieben Tage meiner freiwilligen Arbeit hinterließen bei mir das gute Gefühl, für die Flüchtlinge wirklich etwas getan zu haben.

Ich danke dem Team von CARE, dass ich mithelfen konnte und für das herzliche Willkommen. Mein Dank gilt auch Frau Ikeda und Herrn Iwasaki, den Freiwilligen und Mitarbeitern von E-Square, die in mir so viel Eifer wecken konnten und von denen ich einiges gelernt habe.