Japan: Von Märkten und Machern

Durch den Tsunami verloren die Menschen nicht nur ihr Zuhause, auch die Infrastruktur ihrer Gemeinden wurde zerstört. CARE hilft, einen Markt in Otsuchi wiederzueröffnen.

Es ist neun Uhr in der Früh und auf dem Parkplatz vor dem Paschinko Spielsalon in Otsuchi herrscht geschäftiges Treiben. Bänke und Tische werden aufgeklappt. Kleine Transportwagen fahren vor und wandeln die Ladeflächen in Auslagen für ihre Waren um.  Deshalb ist der Markt auch als “Ladeflächen-Markt” bekannt.  Es gibt Gemüse, Fisch, selbst gemachte Süßigkeiten, Tofu und Bohnenpaste. Der Geruch frisch gekochter Nudeln liegt in der Luft. Es ist Oktober 2011, und zum ersten Mal nach dem schweren Erdbeben und Tsunami, der im März desselben Jahres die Nordküste Japans verwüstet hat, ist der Wochenendmarkt in Otsuchi wieder geöffnet. Zur Feier des Tages bereitet die japanische Nudelfirma Kashiwazaki 300 dampfende Schalen für die hungrigen Mägen der Marktbesucher vor. 

„Wir wollen uns selbst helfen"

Auch CARE unterstützte die Neueröffnung des Marktes und stellte die Ausrüstung für die Marktstände. Die Idee der Wiedereröffnung stammt von Herrn Shoetsu und Frau Mukushi, die vor der Katastrophe Meeresfrüchte verkauften. Beide wollten einen „Ort schaffen, an dem der Handel wieder aufleben kann“, wie sie erzählen. Vor allem möchten sie Menschen zusammenbringen: Einzelhändler, deren Läden zerstört wurden, Landwirte, die ihre Produkte verkaufen möchten und Anwohner, die nach lokalen Einkaufsmöglichkeiten suchen. 

„Wir wollten einen Ort schaffen, an dem wir selbst aktiv werden, arbeiten und Geld verdienen können und nicht auf fremde Hilfe warten müssen“, sagt Frau Mukushi. „Ich hoffe, dass der Ladeflächen-Markt der erste Schritt für einen Neubeginn ist.“ 

Wie ein Leuchtfeuer

Ungefähr 15 Läden sind nun auf dem Markt in Otsuchi wiedereröffnet, viele Produkte sind bereits vor Mittag ausverkauft. Doch es geht hier nicht nur ums Kaufen und Verkaufen. Der Markt ist ein Ort des öffentlichen Lebens, an dem Menschen sich begegnen und miteinander sprechen. Denn es ist wichtig, sich mit anderen auszutauschen, um traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. Tatsächlich traf Frau Mukushi eine alte Freundin bei der Eröffnungsfeier, von der sie nicht wusste, wie sie den Tsunami überstanden hatte.

Der Einsatz und die Kraft einzelner Menschen breiten sich wie ein Leuchtfeuer in der Gemeinde aus. Viele Menschen fahren mehr als 70 Kilometer, um den "Ladeflächen-Markt" zu besuchen und er wächst ständig. Obwohl der Markt ursprünglich von den Einwohnern der Stadt Otsuchi gegründet wurde, beteiligt sich nun auch der regionale Handels- und Industrieverband an der Organisation. CARE wird auch weiterhin die Anstrengungen und Projekte der Einwohner in Otsuchi und anderen Orten der betroffenen Iwate Präfektur unterstützen.