Japan: Was es heißt, sich zu sorgen

Eiko Mitsuhashi hat als CARE-Freiwillige nach dem Tsunami in Japan auch etwas über sich selbst gelernt

„Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt irgendwie helfen kann.“ Das war meine erste Reaktion auf die Bitte, als Freiwilliger nach dem Tsunami am 11. März zu helfen. Aber der Wunsch, etwas zu tun, um den Opfern das Leben wenigstens etwas zu erleichtern, überwog. Zu diesem Zeitpunkt wusste man nur wenig darüber, wie schlimm die Situation vor Ort ist. Viele Fragen waren offen, wie etwa, ob es überhaupt noch eine intakte Infrastruktur gibt oder welche Aufgaben die Helfer erwarten würden. 

Am 3. April 2011 fuhr ich mitten in der Nacht mit dem nötigsten Gepäck und dem Willen, zu helfen, über eine Autobahn in die Iwate Präfektur. Am frühen Morgen des 4. Aprils fuhr ich dann mit CARE zur Grundschule in Miyako, die zu einem Evakuierungszentrum umfunktioniert wurde. Nach einer kurzen Fahrt änderte sich die Landschaft komplett.

Fernsehbilder können auf den realen Schrecken nicht vorbereiten
Es waren Bilder, die ich im Fernsehen schon gesehen hatte: Berge aus Schutt, Häuser, deren obere Etagen weggespült wurden, verbrannte Ladenlokale, von denen nur noch das Gerüst übrig geblieben war, auf dem Dach liegende Autos und Schiffe, die sich in Brücken verkeilt hatten. Als ich die Menschen in dem Schutt umherlaufen sah, verstand ich aber erst richtig, dass sie aus ihrem alltäglichen Leben in eine gewisse Trostlosigkeit gerissen wurden. 

Zunächst war ich in der Suppenküche von CARE für die Inventur von Lebensmitteln, die im Chemielabor einer Grundschule gelagert wurden, zuständig. Dort befand sich ein großer Vorrat an Gemüse und Gewürzen. 

Anfang April wurde es auch in der Iwate Präfektur, wo es immer noch schneite, schwierig, Lebensmittel frisch zu halten. Da die Kühlschränke nicht funktionierten, mussten Menüs nach der Haltbarkeit der Lebensmittel zusammengestellt werden. Gekochte Auberginen, eingelegte Gurken und Miso-Suppe wurden zubereitet. Wir kochten ebenfalls Suiton, ein klassisches Gericht der Region, um den Überlebenden etwas Gewohntes aufzutischen. Wir wollten Nahrung zubereiten, die ihnen Kraft gab, die täglichen Anstrengungen im Evakuierungszentrum zu bewältigen. 

Altes neues Leben
Während ich als Freiwilliger für CARE arbeitete, dachte ich viel darüber nach, was es heißt, sich zu sorgen. Es bedeutet für mich nicht, die anderen mit meiner Freundlichkeit zu beeindrucken. Es bedeutet viel mehr, jemandem dabei zu helfen, sein altes Leben wieder zurückzugewinnen. Man muss sich in sie hineindenken,  um zu verstehen, was sie wirklich brauchen. In der Tat hilft einem das dabei, fürs Leben zu lernen und über sich hinauszuwachsen. Man beobachtet seine eigenen Fähigkeiten objektiver, lernt die Bedeutung von gegenseitiger Hilfe in einer Gesellschaft und auch sich selbst besser kennen.