Japan: “Wie auf einem alten Foto aus Kriegszeiten"

Futaba Kaiharazuka von CARE Japan schildert ihre Erlebnisse aus dem Katastrophengebiet

Gemeinsam mit anderen Mitarbeitern von CARE Japan verließ ich Tokio am Donnerstag (17. März) gegen Mitternacht und kam am nächsten Morgen in der Region Iwate an. Iwate ist eine der Präfekturen, die von dem Erdbeben und dem darauffolgenden Tsunami besonders stark heimgesucht wurden. Als unser kleines Team in Kamiashi City ankam, spürten wir zunächst die extrem niedrigen Temperaturen. Wir sahen nun die harte Realität vor Ort zum ersten Mal mit eigenen Augen.

Gedenk-Sirenen erinnern an die Dreifachkatastrophe vor einer Woche

Wir besprachen uns mit Vertretern der regionalen Regierung und brachten die Hilfsgüter dann ins „Sea Plaza“, ein an der Küste gelegenes Fertigungszentrum. Es dient jetzt als Basis für die Verteilung der Hilfsgüter durch Regierungsmitglieder und das Militär. Danach machten wir uns auf den Weg, um uns ein Bild von der Stadt Unosumai zu machen. Nach einiger Zeit bemerkten wir, dass plötzlich alle Menschen auf der Straße ihre Augen schlossen und ihre Köpfe neigten. Es war ein windiger Tag, deshalb dachten wir, die Menschen wollten sich vor dem Staub schützen. Doch dann hörten wir das Heulen der Gedenk-Sirenen und uns wurde klar, dass sich die Dreifachkatastrophe genau vor einer Woche ereignete.

Erdbebensichere Architektur und Warnsysteme bieten keinen Tsunami- Schutz

Nachdem wir weiter in die Stadt vorgedrungen waren und eine Brücke im Stadtzentrum überquert hatten, veränderte sich das Stadtbild schlagartig. Inmitten von riesigen Trümmerbergen sahen wir Autos, die in Geschäfte geschleudert worden waren und Häuser, die buchstäblich auf dem Kopf standen. Es sah aus wie auf einem alten Foto aus Kriegszeiten. Später besuchten wir ein dreistöckiges Gästehaus an der Küste. Da von diesem Gebäude nur das Erdgeschoss überflutet wurde, waren die oberen Stockwerke intakt. Dutzende von Menschen hatten dort eine Notunterkunft eingerichtet und halfen sich gegenseitig, wo sie konnten. Während diese Menschen eine Bleibe gefunden hatten, wurde der benachbarte Strand Nehama dagegen vollkommen von der See fortgespült. Jede Form von Zivilisation ließ sich beim Anblick der wenigen verbliebenen Überreste nur erahnen.

Zahlreiche Katastrophenopfer berichteten uns, dass das Erdbeben selbst kaum Schaden angerichtet habe. Der weitaus größte Teil der Zerstörungen geht auf das Konto des gigantischen Tsunami. Japan ist zwar an Erdbeben gewöhnt und verfügt über eine ausgefeilte architektonische Technologie und gute Alarmsysteme. Doch im Fall eines Tsunami gibt es ganz unabhängig von aller Technik im Grunde nur eine Möglichkeit: weglaufen.

Kamaishi City meldet über 450 Todesopfer und 470 vermisste Personen

Die Straße 45, die in Nord-Süd-Richtung entlang der Küste verläuft, war komplett zerstört. Städte wie Kamaishi, Kuribayashi und Miyako können auf dem Landweg nur über diese erreicht werden und sind deshalb noch immer isoliert. Die Nothilfe für diese Region kann also nur über den Luft- oder Seeweg erfolgen. Dort gibt es 63 Evakuierungszentren, die insgesamt 9.883 Menschen beherbergen. Mindestens 458 Menschen starben, 470 werden noch vermisst. Das sagte uns der stellvertretende Bürgermeister von Kamaishi City.

Für CARE Japan geht es nach der ersten Hilfslieferung jetzt darum, die Bedürfnisse der Menschen noch besser zu bestimmen. CARE will vor allem die Verantwortlichen bei den Hilfsleistungen unterstützen und Versorgungslücken schließen. Deshalb arbeiten wir mit einheimischen Organisationen vor Ort zusammen.

In der Not muss CARE schnell handeln. Bitte helfen Sie uns, Japan zu helfen:

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Stichwort: JAPAN
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CARE ist Mitglied im Bündnis Aktion Deutschland Hilft, dem Zusammenschluss renommierter deutscher Hilfsorganisationen, die im Katastrophenfall ihre Kräfte bündeln, um gemeinsam schnelle und effektive Hilfe zu leisten.