Jemen: Über 80 Prozent der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen

Nach einem Jahr Bürgerkrieg im Jemen droht eine humanitäre Katastrophe gewaltigen Ausmaßes.

CARE fordert uneingeschränkten Zugang für humanitäre Helfer und eine politische Lösung des Konflikts.

Geht es um den Jemen, wird oft von einem „vergessenen“ Krieg gesprochen. Zu klein das Land und zu groß die Anzahl der Konflikte, die in der Region schwelen. Dabei ist der humanitäre Bedarf des ohnehin ärmsten Landes des Nahen Ostens größer als der jeder anderen Krise der Welt, größer als der in Syrien und dem Südsudan zusammen. Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung sind laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen auf Hilfslieferungen angewiesen, darunter auch über 2,5 Millionen Menschen, die innerhalb ihres Landes vertrieben sind. Die Zivilbevölkerung leidet stark unter der andauernden Krise und der mit ihr verbundenen Gewalt, rund 6.000 Menschen haben seit Ausbruch des Konflikts im März 2015 ihr Leben verloren.

Das Ausmaß der humanitären Katastophe ist gewaltig. Über 14 Millionen Menschen sind von Nahrungsunsicherheit bedroht, eine Folge von steigenden Lebensmittelpreisen und Versorgungsengpässen. Einer Umfrage von OCHA (Organisation for Coordination of Humanitarian Affairs) zufolge steht jeder zweite Mensch im Jemen täglich vor der Frage, wie er seinen Hunger stillen kann. Zerstörerische Bombenangriffe und Probleme bei der Energieversorgung führen außerdem dazu, dass immer weniger Menschen Zugang zu Gesundheitsdiensten und Schulbildung haben.

CARE fordert die internationale Gemeinschaft auf, Druck auf sämtliche Konfliktparteien auszuüben, damit eine politische Lösung des Konflikts gefunden werden kann. Nur so kann in dem krisengebeutelten Land wieder Frieden und Sicherheit einkehren und eine weitere humanitäre Katastrophe im Ausmaß der Syrienkrise verhindert werden. Auch im Hinblick auf die aktuelle Flüchtlingskrise muss eine weitere Destabiliserung der Region  verhindert werden. „Der Jemen muss politisch wieder stabil werden. Gleichzeitig muss die Finanzierung von humanitärer Hilfe und Entwicklungsprojekten fortgesetzt werden. Wenn sich die politische Stabilität des Landes weiter verschlechtert und es keine weitere Unterstützung gibt, wird es immer schwieriger werden, die Menschen im Jemen mit dringend benötigter Hilfe zu erreichen“, so Daw Mohammed, CARE-Länderdirektor im Jemen.  Bis dahin muss sichergestellt werden, dass Notleidende Zugang zu lebensnotwendiger Hilfe in Form von Nahrungsmitteln, sauberem Wasser und Gesundheitsversorgung erhalten. Der Schutz der Zivilbevölkerung muss Priorität haben.

Trotz anhaltender politischer und humanitärer Herausforderungen und der unsicheren Lage im Land setzen CARE und seine Partner ihre Hilfe vor Ort fort und leisten in mehreren Regionen des Landes dringend benötigte Unterstützung.  Die Arbeit von CARE konzentriert sich vor allem auf die Stärkung von Frauen und Zivilbevölkerung, die Vorbeugung von sexualisierter Gewalt, Wasserressourcenmanagement und die humanitäre Hilfe für Flüchtlinge und Menschen, die besonders stark vom Konflikt betroffen sind.