Jordanien: Angst vor dem Wintereinbruch

Wenn der Winter hereinbricht, wird es in Jordanien bitterkalt. Das stellt Flüchtlingsfamilien auf eine harte Probe. Sie sind mehr denn je auf Unterstützung angewiesen.

„Vor der kalten Jahreszeit fürchten wir uns jede Mal aufs Neue. Seit vier Jahren leiden wir jeden Winter unter der Kälte”, sagt Barsha, eine Beduinin, die aus ihrer syrischen Heimatstadt Homs fliehen musste. Ihr genaues Alter kennt sie nicht, es muss zwischen 65 und 70 liegen. „Jedenfalls bin ich jünger als mein Mann”, scherzt sie.

Zwei ihrer zehn Söhne starben bei einem Bombenangriff, zwei weitere wurden krank und konnten nicht medizinisch versorgt werden. Als auch sie starben, floh ein weiterer Sohn in den Libanon, der Rest der Familie ging nach Jordanien. Seitdem leben sie in Mafraq, einer Stadt im Norden des Landes, in einem kleinen Zelt, das mit Teppichen und Matratzen ausgelegt ist. Das Zelt steht auf einer kleinen Anhöhe, so wird es bei Regen nicht überflutet. „Aber hier sind wir nicht vor der Kälte geschützt. Decken und Jacken werden uns nicht lange warm halten“, befürchtet Barsha. Mafraq liegt in einer verlassenen Gegend. Nachts wird es dort immer kalt, auch im Sommer. Im Winter fallen die Temperaturen häufig unter null Grad.

„Unser sehnlichster Wunsch: Frieden“

Eine andere Frau, die sehr unter der Kälte leidet, ist Hafetha. „Wenn meine Mutter friert, verschlimmert sich ihre Krankheit und sie muss häufiger Blut spucken“, erzählt ihr 18-jähriger Sohn Talal. Er arbeitet jeden Tag in einem Restaurant, um seine Familie zu versorgen. Eine große Verantwortung für einen jungen Mann. Doch ihm bleibt keine Wahl. „Mein Mann ist noch in Syrien. Er weigerte sich, das Land zu verlassen, so lange unser ältester Sohn nicht freigelassen wird. Er ist Kriegsgefangener. Aber wir hielten es nicht länger aus. Überall lagen Leichen, die Straßen waren blutgetränkt“, erinnert sich Hafetha.

Die Familie ist verschuldet. Von den 330 Euro, die Talal im Monat nach Hause bringt, können sie nicht leben. Mit Unterstützung von CARE konnte die Familie ihre dringendsten Bedürfnisse erfüllen, lebenswichtige Medikamente für Hafetha kaufen und sich auf den Winter vorbereiten – ein kleiner Hoffnungsschimmer. Außerdem verteilt CARE Decken, Matratzen und Gasöfen gegen die Kälte.

„Wir wünschen uns nichts sehnlicher, als zu unserem normalen Leben zurückzukehren. Jeden Tag hoffen wir, dass der Krieg in Syrien bald vorbei ist, damit wir wieder nach Hause können. Ich vermisse die Schule und unseren ruhigen Alltag“, sagt Talal. Seine Mutter ergänzt: „Wenn ich sterbe, möchte ich in Syrien begraben werden. Das ist der einzige Wunsch, den ich noch habe.“


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