Jordanien: „Anstelle von Leid sollten wir zeigen, wie wir helfen“

Über 550.000 Menschen sind seit Beginn des Syrien-Konfliktes ins benachbarte Jordanien geflohen. CARE hilft den Flüchtlingen im städtischen Gebiet und wird dabei täglich von vielen freiwilligen Helfern unterstützt:

Mein Name ist Futoon und ich bin 21 Jahre alt. In Syrien studierte ich spanische Literatur, jetzt arbeite ich als freiwilliger Helfer im CARE-Flüchtlingszentrum in Zarqa. Heute war ein besonderer Morgen: Zum ersten Mal, seitdem ich mein Heimatland Syrien verlassen musste, startete ich mit einem breiten Lächeln in den Tag. Denn ich traf Shadi und seine Mutter. Shadi ist zweieinhalb Jahre alt. Als er auf mich zulief, sah ich etwas in seinen Augen, das dort nicht hingehört. Leid. Traurigkeit. Etwas ungewöhnlich Erwachsenes. Als ob sein Lächeln schon sehr viel älter wäre als er selbst. In seinen Augen schien kein Platz für das Unschuldige eines kleinen Kindes zu sein. Ich fragte ihn, wie er heißt. Mit großem Stolz in seiner Stimme antwortete er: „Ich bin Syrer. Wirst du uns helfen?“ Ich antwortete mit der Frage: „Was wünschst du dir am meisten?“ Seine Antwort kam prompt: „Ich weiß nicht was Krieg bedeutet. Alles was ich möchte ist, dass mein Vater wieder aus dem Himmel zurückkommt. Und ich möchte, dass meine Mutter aufhört, jeden Tag zu weinen. Ich wünsche mir meine Spielsachen zurück und dass meine kranke Schwester ihre Medizin bekommt. Bitte gib ihr Medikamente. Aber mach keine Fotos von ihr.“ Er berichtete mir, dass sein Vater sehr traurig sein würde, seine eigene Tochter so zu sehen. Es würde ihm das Herz brechen, wenn er wüsste, dass sie nicht mit dringend benötigten Medikamenten versorgt werden kann.

CARE hilft mir meine Einsamkeit zu überwinden

Genau wie Shadi musste auch ich Syrien verlassen. Bei aller Traurigkeit fühlte ich doch Glück, als ich mit Shadi sprach: Ich bin sehr stolz darauf, dass CARE mir die Möglichkeit gibt, Kindern wie ihm zu helfen. Als freiwilliger Helfer bei CARE zu arbeiten gibt meinem Leben einen neuen Sinn. CARE hat mich an die Hand genommen und hilft mir, meine Einsamkeit und alltäglichen Hindernisse zu überwinden. Dank CARE kann ich dazu beitragen, das Leid vieler syrischer Flüchtlinge in Jordanien zu lindern. So bin ich nicht nur ein Teil der Leidensgeschichte, sondern trage aktiv zur Verbesserung der Lebenssituation meiner Landsleute bei. Ich höre ihnen zu und versuche ihren Schmerz zu lindern. Dabei lerne ich was es heißt, in einem Team zu arbeiten und bekomme ein Gespür dafür, was wir gemeinsam erreichen können. Jeden Tag lerne ich etwas Neues. Heute hat mich Shadi gelehrt, dass wir vor allem zeigen sollten, was wir geben und nicht an wen wir es geben.