Jordanien: „Bitte vergesst uns nicht!“

Wafaa Adnan Albaik berichtet über ihre Erlebnisse im CARE Flüchtlingszentrum Amman, der Hauptstadt Jordaniens.

Seit bereits sechs Monaten bin ich für CARE im Flüchtlingszentrum tätig. Es ist genau die Arbeit, die ich immer machen wollte. Ich interessiere mich schon seit langer Zeit für humanitäre Hilfe und empfinde die Unterstützung von Menschen in Not als eine große Bereicherung.

Mit jedem Tag kommen neue Flüchtlinge

Im Zentrum kommen jeden Tag neue Flüchtlinge an, die aus Syrien geflohen sind. An manchen Tagen kamen bis zu 400 Menschen, die Hilfe suchten.  Das Zentrum ist eine erste Anlaufstelle für sie, wo sie wichtige Informationen über ihre Möglichkeiten und Rechte als Flüchtling erhalten. An besonders bedürftige Flüchtlinge verteilen wir auch Bargeld, damit sie dringend benötigte Medikamente oder Nahrungsmittel kaufen können. Abends erkundige ich mich nach dem Wohlergehen der Familien, die in den letzten Tagen oder Wochen Hilfe erhalten haben. Ich mache meine Arbeit gerne. Aber häufig ist sie auch schwierig und bedrückend.

Ein Leben voller Angst

Ich erinnere mich an eine Familie, die so arm war, dass die Mutter all ihre Kleidungsstücke zusammennähen musste, damit sich ihre Kinder nachts zudecken konnten. Sie hatten weder Essen noch Wasser. Ihre Unterkunft war feucht, an Regentagen stand das Wasser. Als ich nach einem Besuch ging, schrie sie mehrmals: „Bitte vergesst uns nicht!“
Durch die Flüchtlinge erfahre ich auch sehr viel vom Leben in Syrien. Sie erzählen, wie es sich anfühlt, wenn man ohne Unterbrechung Bomben explodieren hört. Wenn die Kinder in einem Umfeld beständiger Angst aufwachsen. Oft bleibt nur die Nacht, um die Toten zu begraben, da tagsüber die Gefahr zu groß ist.

Mit Ihrer Online-Spende helfen Sie, syrischen Flüchtlingen ein Leben in Würde zu ermöglichen.

Wir brauchen mehr Spenden

Den schwierigsten Teil meiner Arbeit stellt der Umgang mit Erwartungen dar. Wie erkläre ich den Flüchtlingen, die zu uns kommen und nach Hilfe fragen, dass wir ihnen nicht helfen können und dass sie sich an eine andere Organisation wenden müssen? Dass das Geld nicht reicht, um allen zu helfen?
Es macht mich jedes Mal sehr traurig, wenn ich nicht helfen kann. Ich hoffe dann, dass ich durch zuhören und mein Mitgefühl Flüchtlinge unterstützen und die Not ein wenig lindern kann. Wir brauchen einfach viel mehr Spenden, damit wir so vielen syrischen Flüchtlingen wie möglich helfen können. Vor allem, weil ein Ende des Konflikts nicht in Sicht ist.

 

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