Jordanien: Der bitterkalte Winter naht

Ihre Kinder sind für sie das Wichtigste. Rawda, 29, berichtet von ihrer Flucht nach Jordanien und ihren Nöten und Ängsten vor dem Wintereinbruch.

Laue Luft, sonnige Tage und plötzlich hereinbrechende kühle Nächte, so lässt sich der Oktober in Amman, Jordaniens Hauptstadt, am besten beschreiben. Abends fühlt es sich an, als ob jemand den Schalter am Sonnengenerator umgelegt hätte. Plötzlich wacht man mitten in der Nacht auf, greift nach einer zusätzlichen Decke und fragt sich wie kalt es diesen Winter noch werden wird. Für Rawda ist es der erste Winter in Amman, und sie sieht ihm ängstlich entgegen. Rawda ist Witwe und Mutter von fünf Kindern, mit denen sie gemeinsam aus Syrien geflohen ist.

„Was soll ich mit meinen Kindern machen? Ihnen ist jetzt schon kalt. Wir haben keine Heizung und auch keine warme Kleidung. Alles, was wir haben ist ein kleiner Teppich in unserem Zimmer, auf dem wir alle schlafen. Mein Sohn Ezaldeen kann nicht gehen. Ich will nicht, dass er, wenn der Winter kommt, auf dem kalten Betonboden krabbeln muss.

Ezaldeen ist sieben Jahre alt und wegen Granatsplitterverletzungen stark eingeschränkt. Er wurde bei einer Bombenexplosion in Syrien verletzt, kann seine Zehen zwar bewegen, aber nicht laufen. Sein Vater kam Monate davor durch einen Bombenanschlag ums Leben.

„Er starb unschuldig“, erzählt Rawda über ihren Mann. „Er hat einfach nur Obst auf der Straße verkauft, als er tödlich getroffen wurde. Er starb, während er den Unterhalt für seine Familie verdiente. Das passierte vor ziemlich genau einem Jahr während der Feierlichkeiten zum Eid-Opferfest.“

Als Rawda die Explosion hörte, wollte sie sofort zu ihrem Mann eilen, erwartete aber nicht, dass er unter den Verletzten oder Toten sein würde. Er starb vier Stunden später. Danach wurden die Lebensbedingungen in Syrien immer schlechter, Rawda musste mit ihren Kindern fliehen. Von Syrien nach Jordanien, über Damaskus und das Flüchtlingscamp Zaatari. Vor fünf Monaten erreichten sie Amman. Sie leben in einer armen Gegend, in einer Wohnung mit kahlen Wänden.

„Es ist schwierig hier. Wenn wir Geld haben, kann ich Essen kaufen. Wenn nicht, können wir nichts essen. Ich habe kein Geld, um die Medikamente meines Sohnes zu bezahlen. Manchmal frage ich Menschen aus der Nachbarschaft, ob sie etwas entbehren können. So etwas habe ich noch nie zuvor in meinem Leben getan.“

„Für meine Kinder zu sorgen ist sehr schwierig, aber ich will mich selbst dabei nicht verlieren. Ich will mich zusammenreißen. Meine Hoffnung konzentriert sich auf meine Kinder. Sie sind das Einzige, was ich noch habe. Für sie würde ich alles tun. Ich kämpfe dafür, dass sie zur Schule gehen können und dass sie ein gutes Leben haben werden, trotz allem, was geschehen ist“, erklärt die Mutter, während sie sich Tränen von den Wangen wischt.

So wie Rawda geht es vielen syrischen Flüchtlingsfamilien

Rawda schlägt sich gut, als starke Frau und Mutter. Aber die schwere Last, die sie auf ihren Schultern trägt, lässt sie an ihre Grenzen stoßen. Ihre größte Sorge ist der schnell näher rückende kalte Winter – eine Sorge, die viele Flüchtlingsfamilien in Jordanien mit ihr teilen.

CARE unterstützt Rawda mit Bargeld, damit sie ihre Miete, Arztkosten und Nahrungsmittel bezahlen kann. Für die langen Wintermonate stockt CARE seine Hilfe auf, um 5.000 syrische Flüchtlingsfamilien mit Bargeld und dringend benötigten Hilfsgütern wie Heizungen, Decken, warmer Kleidung und Matratzen zu versorgen.

Mehr als eine halbe Million syrische Flüchtlinge in Jordanien – dreiviertel von ihnen Frauen und Kinder –, benötigen dringend Unterstützung, um grundlegende Bedürfnisse zu decken. Und sie brauchen psychosoziale Betreuung, damit ein Teil ihrer Herzen die Hoffnung auf ein besseres Leben nicht aufgibt.

Mit ihrer Spende helfen Sie syrischen Flüchtlingen, ein Leben in Würde zu ermöglichen!