Jordanien: Freundschaft in Zeiten des Krieges

Die drei Freundinnen Rania, Hana und Ghosoun kennen sich seit über zehn Jahren. Auf der Flucht von Syrien nach Jordanien verloren sie sich aus den Augen. In Jordanien trafen sie sich zufällig wieder.

Früher trafen sie sich jeden Tag in ihrer syrischen Heimatstadt Homs zu Klatsch und Tratsch. Rania, 36, Hana, 32, und Ghosoun, 41 Jahre alt, sprachen über Einkäufe, Mode und Hochzeiten in der Nachbarschaft. Doch seitdem sie in Jordanien wohnen, hat sich nicht nur der Ort, an dem sie leben, verändert, sondern auch ihre Gespräche.

Heute sorgen sich die drei Frauen um Verwandte und Freunde, die sie in Syrien zurücklassen mussten und reden über ihre Probleme als Flüchtlinge in einem fremden Land. In Syrien lebten die Freundinnen nur wenige Straßen voneinander entfernt, doch als vor über fünf Jahren Krieg ausbrach, wurden die drei Frauen zu Vertriebenen innerhalb ihres eigenen Landes. Sie verloren sich aus den Augen und entschieden sich unabhängig voneinander ihr Heimatland zu verlassen. In einer Notunterkunft in Amman, Jordaniens Hauptstadt, erlebten die drei Freundinnen einen glücklichen Zufall: sie trafen sich wieder.

Ein anderes Leben

Obwohl sie nicht weit von Syrien entfernt sind, ist ihr Alltag in Jordanien nicht mit ihrem früheren Leben zu vergleichen. Ihre Ehemänner, die in Syrien als Handwerker oder Metzger arbeiteten, erhalten keine Arbeitserlaubnis. Tag ein, Tag aus bleibt zu viel Zeit dafür, über ihre schwierige Situation und die Erlebnisse in Syrien nachzudenken. Um ihre Familien über die Runden zu bringen und sich abzulenken, arbeiten viele der Flüchtlinge in Jordanien im informellen Arbeitssektor. Auch Hanas Ehemann verdient damit Geld für die Familie, obwohl Gefahren und Strafen durch jordanische Behörden drohen. Auch Rania, Hana und Ghosoun können keine finanzielle Stütze für ihre Familien sein, weil sie noch nie in ihrem Leben gearbeitet haben, erhalten sich noch nicht einmal Zugang zu informeller Arbeit.

Im Gegensatz zu früher verbringen die drei Freundinnen heute viel Zeit damit, Nachrichten zu schauen. „Wir sehen uns andauernd die Nachrichten an, um zu sehen, ob sich die Lage in Syrien verbessert und wir endlich nach Hause gehen können. Wir beten und hoffen, dass sich die Situation verbessert, aber wir sehen ständig Bilder voller Blut und Zerstörung“, sagt Hana.

Die Flucht von Syrien nach Jordanien

„Die Flucht von Syrien hierher war so furchtbar, ich habe keine Kraft mehr, um weiterzuziehen“, sagt Hana und fügt hinzu: „Wir schliefen im Freien, im Dreck. Vor unseren Augen brachten sich Menschen gegenseitig um, weil sie Wasser wollten. Es gab aber kein Wasser. Wir mussten buchstäblich über Leichen gehen, über Blutlachen und durchs Feuer“. Die Frauen sind noch immer traumatisiert, von all dem, was sie auf der Flucht nach Jordanien gesehen haben. Es dauerte sehr lange, bis sie sich wieder einigermaßen sicher fühlten. So erzählt Ghosoun: „Als wir in Jordanien ankamen, schrien wir bei jedem Flugzeug oder Feuerwerk, das wir hörten. Wir haben uns jedes Mal erschreckt und hatten Angst.“

Rania, die vor kurzem für Bargeldeinzahlungen von CARE registriert wurde, nahm bereits an unterschiedlichen psychologischen Betreuungsangeboten sowie Freizeitaktivitäten von CARE in Amman teil. Bei diesen Aktivitäten denken die Frauen manchmal zurück an die Zeit vor dem Krieg, dann erzählen sie von ihrem Leben in Homs. „Unser Leben hat sich vollkommen verändert“, sagt Rania. „Wir hatten ein Zuhause, ein Auto und mein Mann arbeitete. Hier in Jordanien haben wir nichts. Ich vermisse unsere alten Gespräche. Jetzt reden wir nur über Tote, Verletzte und die Sorge um Verwandte, Freunde und eigentlich alle Menschen, die wir kennen.“