Jordanien: "Ich weiß nicht, wo ich hin soll"

Die 25-jährige Hala ist allein mit ihrem dreijährigen Sohn Ahmed nach Jordanien geflohen. Ihr Mann ist in Syrien.

„Ich bin vor einem Monat angekommen. Zuerst hat mir eine irakische Familie geholfen, dann bin ich in dieses Haus hier gezogen. Der Vermieter hat Mitleid mit mir und mir deshalb ein gutes Angebot gemacht. Ich habe versucht einen Job zu finden, aber was wäre dann mit meinem Sohn? Wo würde ich ihn lassen? Wer würde auf ihn aufpassen? Mein Sohn hat Epilepsie und seine Medizin ist sehr teuer. Er muss jeden Tag eine Tablette nehmen und wir haben nur noch eine Packung. Er bedeutet mir alles – er ist alles, was ich habe, denn mein Mann ist noch in Syrien und er kommt dort nicht weg. Als wir geflohen sind, habe ich als Allererstes die Medikamente meines Sohnes eingepackt – sie sind das wertvollste, was ich besitze! Aber der Vorrat geht zu Ende. Eine Packung kostet neun Euro und reicht nur für eine Woche.

Ich habe meinen Schmuck verkauft – auch meinen Ehering. In Syrien habe ich nie jemanden um etwas gebeten. Das fällt mir jetzt sehr schwer: Ich will nicht um Hilfe bitten. Es hat mir nichts ausgemacht, meinen Ehering zu verkaufen. Es ist schlimmer für mich, andere um Hilfe bitten zu müssen. Ich lebe von dem Geld, das ich für meinen Schmuck bekommen habe. Als ich geflohen bin, hat mir mein Mann Geld mitgegeben, aber es hat nicht so lange gereicht, wie wir dachten. Hier ist alles sehr teuer. Für einen Euro kann ich hier ein kleines Päckchen Kekse oder einige Chips kaufen. In Syrien hätte ich dafür eine große Packung bekommen.

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Ich möchte wirklich arbeiten! Ich bin zur Schule gegangen und kann also arbeiten. Ich habe zwar in Syrien nicht gearbeitet, aber jetzt will ich arbeiten. Ich möchte nicht um Hilfe bitten, aber niemand will mir Arbeit geben. Und selbst wenn ich Arbeit finden würde, wüsste ich nicht, wie ich mich um meinen Sohn kümmern sollte.

Doch so hart diese Zeit auch für mich ist, für meinen Mann ist es viel schwieriger. Er ist in Syrien und fühlt sich schuldig, dass ich hier ganz allein bin. Wir telefonieren ungefähr alle fünf Tage. Einmal habe ich zehn Tage lang nichts von ihm gehört. Jeden Tag habe ich Angst, dass jemand anruft und sagt, dass er getötet wurde.

Gestern ist mein Cousin in Syrien getötet worden. Er wurde erschossen. Ich hatte meine Eltern angerufen und sie haben es mir erzählt – er war erst 24 Jahre alt. Ein anderer Cousin wurde vor einem Monat in demselben Gebiet getötet. Das hat mich sehr erschüttert. Deswegen bin ich geflohen. Denn die Bomben fallen die ganze Zeit und ich hatte große Angst.

Trotzdem will ich zurück nach Syrien, denn hier bin ich allein. Aber ich kann nicht zurück, weil mein Haus zerstört ist. Ich kann nirgendwo hin.“

Ruba Saleh von CARE Jordanien erklärt in diesem Video, wie und warum sie und ihr Team die Bedürfnisse der syrischen Flüchtlinge einschätzen. CARE-Mitarbeiterin Deborah Underdown schildert in ihrem Blog ihre Eindrücke aus Amman.

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