Jordanien: Todkrank auf der Flucht

Ibtisan ist mit ihren fünf Kindern aus Syrien geflohen / Ihre Tochter hat Krebs und braucht dringend medizinische Behandlung

Ibtisan sitzt umringt von ihren fünf Kindern auf dem Boden ihrer leeren Wohnung in Amman, Jordanien. Die Familie besitzt kein Möbelstück, nur einige Kissen liegen im Zimmer verteilt. Obwohl die acht Monate alten Zwillinge ihre Aufmerksamkeit fordern, konzentriert sich Ibtisan völlig auf die sechsjährige Tasinne. Denn Tasinne hat Krebs. Das Mädchen trägt eine große, rote Wollmütze. Es sitzt still auf dem Schoß seiner Mutter und kuschelt sich fest an sie.

Die Familie kommt aus dem Dorf Dara’a. Es liegt im Süden Syriens, in einer der Regionen, die vom Konflikt am schlimmsten betroffen sind. Doch es waren nicht Bombardierungen oder Kugeln, die Ibtisan dazu brachten, ihre Heimat zu verlassen. „Wir haben mehr als eineinhalb Jahre in ständiger Angst gelebt. Wir lebten in Kellerräumen und gingen nur hinaus, um Brot zu kaufen. Weil es so gefährlich war, mussten wir die Straßen vorsichtig entlang kriechen.“ Als Tasinne krank wurde, brachten die Eltern sie zu einem Arzt – seine Diagnose: Nierenkrebs. „In diesem Moment wusste ich, dass wir weg mussten“, sagte Ibtisan und berichtet, dass es in Syrien unmöglich war, Medikamente für Tasinne zu bekommen.

Ihren Mann musste Ibtisan in Syrien zurück lassen. Er versucht, ihr Haus zu beschützen. Sie floh mit den Kindern ins Nachbarland Jordanien und lebt seitdem in einer Wohnung in der Hauptstadt Amman, die sie sich nicht leisten kann. Schon zwei Monate lang haben sie keine Miete bezahlt. Wie Ibtisan geht es vielen Familien, die vor der Gewalt in Syrien geflohen sind. Hunderttausende sind auf Unterstützung angewiesen. Viele flohen ohne Eigentümer und fanden sich in überfüllten und kalten Wohnungen wieder. Die große Zahl an Flüchtlingen macht auch der jordanischen Bevölkerung zu schaffen. Es gibt nicht genug Arbeitsplätze, Gesundheitsversorgung und lebenswichtige Güter sind begrenzt. Viele jordanische Familien sind selbst sehr arm und nehmen trotzdem noch Flüchtlinge bei sich auf. CARE kümmert sich um die grundlegenden Bedürfnisse der Menschen und gibt ihnen etwas Bargeld, damit sie sich Essen kaufen und ihre Miete bezahlen können. Auch bietet CARE den traumatisierten Flüchtlingen psychosoziale Betreuung an und verteilte in den Wintermonaten Decken, Kleidung, Matratzen und Heizungen.

Ibtisan gibt jeden Cent für Tasinnes medizinische Versorgung aus. „Die Chemotherapie kostet 220 Euro pro Behandlung und bis Juli braucht Tasinne wöchentlich eine. CARE hat mir Geld für die letzten zwei Behandlungen gegeben, aber ich weiß nicht, wie ich die nächste bezahlen soll.“ Gestern hatte Tasinne eine Behandlung, jetzt leidet sie wieder unter den Nebenwirkungen. „Ich möchte sie zum Arzt bringen, aber das kostet Geld – was kann ich nur tun?“, fragt ihre Mutter verzweifelt. Auf die Frage, was sie später werden möchte, antwortet die kleine Tasinne: „Ärztin. Dann kann ich Medizin verteilen.”

Tasinne und viele andere brauchen Ihre Unterstützung. Bitte unterstützen Sie die Nothilfe von CARE und spenden Sie hier!

Ruba Saleh von CARE Jordanien erklärt in diesem Video, wie sie und ihr Team die Bedürfnisse der syrischen Flüchtlinge einschätzen.