Jordanien: Wenn Kinder arbeiten müssen

Fairouz floh mit ihren fünf Kindern von Syrien nach Jordanien. Nur eines ihrer Kinder geht zur Schule. Die älteren Geschwister arbeiten, damit sich die Familie über Wasser halten kann.

Im April 2012 floh die 27-jährige Fairouz gemeinsam mit ihrem Mann und fünf Kindern aus Syrien nach Jordanien. Die erste Nacht im neuen Land verbrachte die Familie im Zaatari Flüchtlingscamp, dann luden Verwandte sie ein, in die Stadt zu ziehen. Aber auch das Leben in der Stadt war alles andere als einfach.

Zusammenleben auf engstem Raum

„30 Personen lebten auf engstem Raum zusammen“, beschreibt Fairouz das Leben im Haus ihrer Verwandten. „Wir lebten dort für vier Monate, doch irgendwann wurde es unerträglich. Es war eine sehr stressige Zeit, die Kinder stritten sich andauernd.“ Farouz und ihr Mann versuchten auch bei anderen Familien unterzukommen, doch auf engem Raum mit mehreren Familien zusammen zu leben belastete sie zusätzlich.

Fairouz Ehemann kehrte für eine Beerdigung zurück nach Syrien. Als er wieder zu seiner Familie nach Jordanien einreisen wollte, wurde ihm dies verwehrt – er besaß keine Einreiseerlaubnis. Er blieb in Syrien zurück, wo der Krieg tobte, während sich seine Familie bereits in Jordanien befand. Fairouz musste sich plötzlich von einem Tag auf den anderen um alles alleine kümmern – Geld verdienen, die Kinder ernähren. Alle Verantwortung fiel plötzlich auf sie. Für sich und die Kinder suchte sie nach einer Unterkunft und fand schließlich ein kleines Haus.

„Es ist sehr schwer für mich, alleine mit den Kindern ohne meinen Mann, aber ich habe mich entschieden, dass es für mich und die Kinder die beste Entscheidung ist“, erzählt die Mutter. Wir leben nun in einem notdürftigen Haus zur Miete – die monatliche Miete von 250 Euro ist für mich kaum erschwinglich. Aber zumindest sind wir hier in Sicherheit.“

Nicht genügend Einkommen

Von ihren fünf Kindern geht lediglich eines zur Schule. Der zwölfjährige Samer ist ebenfalls für die Schule angemeldet. Doch statt zu lernen, unterstützt er die Familie finanziell. Auf dem Markt kauft er Taschentücher für umgerechnet etwa 60 Cent und verkauft sie dann selbst für etwas mehr als einen Euro. An einem guten Tag, erzählt die Mutter, kann Samer um die 12 Euro verdienen. Aber es gibt auch andere Tage, wo es schwierig ist, überhaupt einen Euro zusammen zubekommen.

Fairouz hat fünf Kinder zu versorgen, das jüngste von ihnen ist gerade einmal zwei Jahre alt, doch das wenige Geld das ihr bleibt, reicht nicht dafür aus. „Manchmal verdiene ich etwas Geld, wenn ich bei Leuten zu Hause putze. Meine 13-jährige Tochter geht nicht zur Schule. Sie hilft mir oft bei den Putzarbeiten.“ An einem Tag können sie so umgerechnet etwa 14 Euro verdienen, aber meistens arbeiten sie nur einen halben Tag.

Arbeit statt Schule

Zwar hat Fairouz für dieses Schuljahr ihre Kinder für die Schule angemeldet, aber fast alle bleiben zu Hause, auch wenn sie gerne zur Schule gehen würden. Umfragen von CARE in Jordanien haben ergeben, dass die Gründe weshalb Kinder nicht die Schule besuchen, ganz unterschiedlich sein können. Oft sind Schulgebühren ein Hindernis. Einige Kinder klagen darüber, dass sie gehänselt werden, andere Kinder arbeiten, um das Einkommen der Familie aufzubessern. Rund 19 Prozent der 15 bis 18-jährigen Jungen verlassen die Schule, um zu arbeiten. Mindestens 10 Prozent der befragten Familien gaben zu, dass sie ihre Kinder arbeiten lassen, um die Familie ernähren zu können.

Fairouz macht kein Geheimnis daraus, dass es oft sehr schwierig ist, genügend Geld zu verdienen, um Lebensmittel zu kaufen und gleichzeitig für die Miete aufzukommen. „Die Ausgaben, die wir in der Familie haben, begleiche ich durch das Geld, welches die Kinder und ich monatlich verdienen. Ich erhalte Essengutscheine, aber die reichen nicht für uns alle aus. Es reicht vorne und hinten nicht für unsere sechsköpfige Familie. Ich benötige monatlich mindestens weitere 120 Euro, damit meine Kinder endlich auch zur Schule gehen können. Das ist ein sehr großer Wunsch von mir.“

Seit letztem Jahr unterstützt CARE Familien mit zusätzlichem Bargeld, das Eltern davon abhalten soll, ihre Kinder zur Arbeit zu schicken und diesen stattdessen einen Schulbesuch ermöglichen soll.

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