Kein Haus für Rajab

Pakistan nach dem Albtraum: Jetzt bauen die Betroffenen mit Unterstützung von CARE ein neues Leben auf.

Übersetzung von Danh Quy Nguyen

Rajab ist völlig erschöpft. So wie auch seine Familie. Sie sind auf dem Weg nach Hause. Die verheerenden Fluten haben sie vor drei Monaten gezwungen, ihr Dorf, ihren ganzen Besitz, ihre Heimat zu verlassen. Der 47-jährige Rajab war länger als eine Stunde unterwegs, um seine Familie zu ihrem völlig zerstörten Haus zurückzubringen. "Ich sagte zu meiner Frau und meinen Kindern, es sei sinnlos, so weit zu gehen. Sie wollten aber unbedingt nach Hause! Aber warum? Es wird doch nur weh tun, wenn Sie es sehen“, sagt Rajab.


In der Provinz Sindh, wo Rajab und seine Familie wohnen, befinden sich viele Regionen immer noch unter Wasser. Das Leben in Hunderten von Dörfern steht still. Die Dorfbewohner wohnen jetzt woanders, in Zeltstädten oder bei Verwandten. Wer in der Nähe lebt, kann tagsüber nach Hause zurück gehen, um seinen Besitz zu suchen. Diejenigen, die weit vertrieben wurden, können sich oft die Reisekosten für den langen Weg nicht leisten.

Keine Ernte in diesem Jahr

Vor der Katastrophe übernahmen die meisten Dorfbewohner in Sindh Feldarbeit für die reichen Landbesitzer und bekamen dafür Weizen oder Reis. Nun bedroht sie die Hungersnot, denn alle Ernten und Getreide wurden von den Überschwemmungen zerstört. In diesem Jahr gibt es auch keine Winterernte. In vielen Dörfern steht das Hochwasser noch immer zwei Meter hoch. Und es wird für mindestens sechs Monaten noch stehen bleiben, denn jeden Tag kann der Boden nur fünf Zentimeter Wasser aufnehmen.


Wenn man Rajab fragt, wie er es schaffte in so tiefem Wasser den Weg nach Hause zu finden, sagte er: "Ich lebe hier seit eh und je.  Sogar wenn ich unter Wasser schwimmen müsste, würde ich den Weg finden". Vor einer Woche sah er sein Haus zum ersten Mal nach der Flut wieder. "Als ich dort stand, wo mein Haus einmal war, konnte ich die Trümmer im Wasser unter meinen Füßen fühlen. Und das Einzige, das ich in dem Moment tun konnte, war zittern und weinen. Und ich weiß, meine Familie wird genauso reagieren wie ich. Was bleibt uns denn sonst übrig?“

Zuhause ist, wo dein Herz ist

Die Hoffnung ist das Einzige, was Rajab und seiner Familie bleibt. Ein arabisches Sprichwort sagt: „Wer gesund ist, hat Hoffnung. Und wer Hoffnung hat, hat alles“. Das Leben muss trotz aller Rückschläge weitergehen. Und bei ihrem Wiederaufbau steht CARE den Bewohnern Pakistans zu Seite.
Für den kommenden Winter erwarten die Bewohner große Herausforderungen, vor allem für den Norden Pakistans. Dort gibt es jedes Jahr starke Schneefälle, manchmal liegt der Schnee bis zu sechs Meter hoch. CARE besorgt für die Bewohner Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände und plant, Winter-CARE-Pakete mit 250.000 Decken zu verteilen.

Zudem errichten die CARE-Mitarbeiter Übergangsunterkünfte. Gesundheits- und Hygieneversorgung ist ebenfalls eine Priorität. Außerdem arbeitet CARE mit lokalen Partnern, Regierungsstellen und den Vereinten Nationen eng zusammen, um die Betroffene zu erreichen, die zurzeit noch in den unzugänglichen Regionen isoliert und fernab aller Hilfe ausharren.


So wird auch Rajab eines Tages sein Haus aufbauen und seiner Familie wieder ein Dach über dem Kopf bieten können.