Keine Atempause für Nomaden

Zum Earth Day am 22. April: Nomaden in Äthiopien leiden unter zunehmenden Dürren / Film und Studie

Der Klimawandel findet nicht nur auf dem Papier von Wissenschaftlern und in den Konferenzsälen dieser Welt statt. Millionen Menschen fühlen ihn in ihrer Heimat, jeden Tag. So auch in Äthiopien, wo CARE gemeinsam mit Partnerorganisationen bei nomadischen Viehzüchtern nachgefragt hat. Die Menschen berichten, dass die Dürren früher alle sechs bis zehn Jahre, inzwischen aber schon fast jährlich auftreten. Die Folge: Es gibt keine Atempause für die Nomaden und keine Zeit, sich von einer Dürreperiode zu erholen. Häufigere Dürren bedeuten Wasserknappheit, Gefahr für die Gesundheit der Viehherden und Armut.

Spürbare Auswirkungen

In den äthiopischen Regionen Borana und Somali führen die Nomaden seit Jahrhunderten ein Leben in Einklang mit den Jahreszeiten und der Natur. Doch der Klimawandel macht diese Anpassungsleistung immer schwieriger. Die Umfrage bei den Gemeinden machte das deutlich:

  • Es gibt weniger Wasser.

  • Die Strecken, um Wasser zu besorgen, werden länger.

  • Das Vieh ist anfälliger für Krankheiten und bekommt weniger Nachwuchs.

  • Missernten treten häufiger auf.

  • Nahrungsmittel sind knapp und einseitig. Mangelernährung trifft vor allem Kinder, Schwangere und Ältere.

  • Es gibt zunehmend Konflikte um Wasser und andere Ressourcen innerhalb der Gemeinden.

Die schwierigen Umweltbedingungen kosten also Kraft, Zeit und Geld. Und das belastet vor allem Frauen und Kinder. Frauen müssen länger laufen, um Wasser zu holen, und können sich deshalb weniger um ihre Kinder kümmern oder Geld verdienen. „Wir Frauen haben es schwerer als die Männer, weil wir nicht so lange Strecken gehen können, um Wasser und Arbeit zu finden“, erzählt Elima Huku, die im Gebiet Borana im südlichen Äthiopien lebt.

Quresha ist abends zu müde, um zu lernen

Quresha Farah Egal (Foto: CARE/Plush)Und auch die Kinder sind unmittelbar betroffen. In der Region Somali wandern die Eltern beispielsweise zu bestimmten Jahreszeiten ab, um Geld zu verdienen. Die Kinder bleiben am Wohnort, wo sie zur Schule gehen und auf das Vieh aufpassen. „Wenn es genug Regen gibt, passen die Kleinsten auf unsere Schafe und Ziegen auf, während wir in der Schule sind“ erklärt die 16-jährige Quresha Farah Egal die Arbeitsteilung. „Aber inzwischen müssen wir sehr weit gehen, um Wasserquellen zu erreichen. Das schaffen die Jüngsten natürlich nicht, deshalb übernehmen wir Älteren das. Ich bin dann abends zu müde, um noch zu lernen.“

Anpassung ist möglich

Trotz der widrigen Umstände sind die Gemeinschaften entschlossen, sich der Herausforderung zu stellen. Mit zukunftsgerichteten Ideen dazu, wie sie ihren Lebensstil an das veränderte Klima anpassen können. CARE unterstützt sie dabei. Zum Beispiel mit Kleinspargruppen, um das Einkommen der Familien zu steigern und verschiedene Vieharten zu halten. Weidegründe werden eingezäunt, Brunnen instandgesetzt und Tröge errichtet, die das Wasser auch in Dürrezeiten speichern. Im weltweiten Geflecht von CO2-Ausstößen, Abholzung und Energieverbrauch tragen die Nomaden in Äthiopien selbst kaum zum Klimawandel bei. Aber sie sind diejenigen, die sich heute schon auf die Umweltveränderungen einrichten müssen.

Weitere Infos:

Studie <media 4987 _blank download "Initiates file download">"Climate‐related vulnerability and adaptive‐capacity in Ethiopia’s Borana and Somali communities</media>"

Keine Atempause - ein Film lässt die äthiopischen Nomaden zu Wort kommen

Wie erleben CARE-Mitarbeiter den Klimawandel?