Keine Ruhe nach dem Sturm

Ein Jahr nach Zyklon Nargis droht in Myanmar eine neue Katastrophe

Heute vor einem Jahr erreichte der Zyklon Nargis das Festland von Myanmar. Die Folge: Eine katastrophale Zerstörung. Mehr als 78.000 Menschen verloren ihr Leben, weitere 56.000 werden bis zum heutigen Tag vermisst.

Nach einem Jahr ist die Katastrophe aus dem Gedächtnis der Öffentlichkeit verschwunden. Aber die Menschen in Myanmar kämpfen immer noch darum, ihr Leben und ihren Lebensunterhalt wieder aufzubauen. 

Nun droht auch noch eine neue Gefahr, nicht in Form eines Zyklons, aber mit ähnlich verheerenden Auswirkungen für die Menschen: Die Reisernten waren in diesem Jahr sehr schlecht, und viele Menschen verlieren lebenswichtiges Einkommen und haben selbst nicht mehr genug zu essen. In einem Land, in dem 85 Prozent der gesamten Bevölkerung für ihr Einkommen und ihre Ernährung unmittelbar von der lokalen Ernte abhängig sind, ist das eine schleichende Katastrophe.

„Die Auswirkungen von Zyklon Nargis sind ein Jahr danach immer noch sehr gravierend. Aufgrund des Verlustes von 80 Prozent der Dezemberernte müssen Nahrungsmittel weiter verteilt werden. Die Menschen brauchen große Unterstützung, damit sie ihr Leben wieder aufbauen können. Sie sind weiterhin auf humanitäre Hilfe angewiesen“, erklärt Dr. Julia Newton-Howes. Sie ist Geschäftsführerin von CARE-Büro Australien, das die Nothilfe der CARE-Schwesterorganisationen vor Ort koordiniert hat.

Seit dem Ausbruch von Zyklon Nargis hat CARE dringend benötigte Hilfe für 304.265 Menschen in 195 Dörfern geleistet, aber der Bedarf an humanitärer Unterstützung bleibt groß. Wegen des Ernteverlusts haben viele Menschen keine Ressourcen, um Samen und Treibstoff für die kommende Einpflanzung zu kaufen. Nahrungsmittel werden immer knapper, die Unterernährung nimmt bedrohlich zu. Die ärmsten Menschen im Irrawady-Delta, wo der Zyklon besonders schwer gewütet hat, verkaufen ihre Arbeitskraft an Bauern. Aber wenn nichts angebaut wird, gibt es keine Arbeit und kein Einkommen.

CARE unterstützt die betroffenen Familien mit Saatgut, handbetriebenen Traktoren und Benzin. Doch die globale Finanzkrise schränkt die Mittel und den Handlungsspielraum von Hilfsorganisationen ein, und auch die Gelder für Myanmar, die die Vereinten Nationen nach dem Zyklon gefordert haben, sind knapper ausgefallen als erwartet.

„Die Zerstörung durch Zyklon Nargis liegt schon ein Jahr zurück, aber für die Menschen des Irrawaddy-Delta kehrt immer noch keine Ruhe ein. Sie stehen vor eine neue Notlage, und sie brauchen unsere Unterstützung jetzt mehr als zuvor“, sagt Dr. Newton-Howes.