Kenia: Auf der Suche nach dem „Ich“

25 Jahre Flüchtlingscamp Dadaab: Warum junge Menschen trotz Essensrationen und anderer Einschränkungen hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Stellen Sie sich vor, Ihr ganzes Leben spielt sich auf 50 km2 ab. Ihre Heimat kennen Sie nur aus dem Internet oder aus Erzählungen von Verwandten. Für eine Generation junger Somalier ist das traurige Realität. Sie sind in Dadaab, dem größten Flüchtlingscamp der Welt im Nordosten Kenias, aufgewachsen. Ihre „Heimat“ Somalia haben sie noch nie mit eigenen Augen gesehen.

 „Meine Heimat ist Dadaab. Ich weiß nicht einmal, wo Somalia liegt und wenn ich Fotos aus Somalia sehe, bin ich froh darüber, Flüchtling zu sein. Die Lebensumstände in Somalia sind einfach unfassbar schwierig“, erklärt die 23-jährige Somalierin Brownkey Abdullahi Abdi. Sie ist in Dadaab geboren und aufgewachsen. Im Camp kümmert sie sich insbesondere um die Probleme somalischer Mädchen und Frauen.

CARE gehört zur Familie

Für das Leben der jungen Flüchtlinge spielt CARE eine bedeutende Rolle. Als eine der ersten Hilfsorganisationen vor Ort unterstützt CARE seit 1991 Flüchtlinge in Dadaab dabei, ihren Alltag zu meistern. CAREs Hilfsangebot reicht von der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und monatlichen Essensrationen bis hin zu schulischer Ausbildung. „Viele Menschen im Camp heißen Abdi Care oder Halima Care, weil sie hier geboren wurden und mit CARE aufgewachsen sind.  Als wir klein waren, erzählte man uns, dass CARE unsere Mutter und UNHCR unser Vater sei, weil sie einfach immer da waren“, berichtet Brownkey.

Mittlerweile gibt es das Flüchtlingscamp schon seit 25 Jahren. Im Camp wächst bereits die dritte Generation von Flüchtlingen auf: die Kinder der Kinder, die im Camp geboren wurden. Für sie ist es völlig normal, dass ihr Essen jeden Monat nach Familiengröße abgewogen wird und dass sie ihre Schule aus einer Reihe von Institutionen auswählen, die von Hilfsorganisationen geleitet werden. Viele der Menschen in Dadaab fragen sich, wie ihr Leben in den nächsten Jahren weitergehen wird.

Diagnose Identitätslosigkeit

Doch nicht nur die Zukunft im Camp ist unsicher, sondern auch die Gegenwart. Weil das Camp immer weniger finanzielle Unterstützung erhält, sind fast alle Angebote von Sparmaßnahmen betroffen. Dazu kommt eine hohe psychische Belastung. „Meine Kinder haben keine Identität. Ihre Geburtsurkunden zeigen, dass sie Somalia nie gesehen haben. Sie sind weder somalisch, noch kenianisch – sie sind einfach verwirrt“, sagt der dreifache Vater Mohamed Abdi Ahmed.

Trotz der zahlreichen Herausforderungen sind Jugendliche in Dadaab voller Hoffnung. Sie sind eine dynamische Generation, mit großen Hoffnungen und Träumen, die sich nicht von ihrem Leben als Flüchtling einschränken lässt. „Ich verdanke CARE so viel – CARE hat uns den Zugang zu Bildung ermöglicht. Ich kann nun auf eigenen Füßen stehen und habe sogar einen eigenen Blog. Darin kritisiere ich geschlechtsspezifische Gewalt und grausame Bräuche wie etwa die Beschneidung“, erzählt Brownkey.

Mehr Informationen zur CARE-Hilfe in Dadaab finden Sie hier