Kenia: Das Ende des Hirtenlebens

"Laut einem somalischen Sprichwort stirbt die Herde, wenn das Familienoberhaupt stirbt. Heute sterben die Tiere wegen der Dürre"

von Ahmed Hassan und Emma Bowa

Als im Februar 2011 sein drittes Kind zur Welt kam, musste der 38-jährige Garane Mohamud seine letzte Ziege verkaufen. Nur schmerzlich gab er sein Leben als Hirte – und damit sein Einkommen – auf.

Garane Mohamud wurde in einer somalischen Familie als eines von neun Kindern geboren und verbrachte den Großteil seiner Kindheit und seines Erwachsenenlebens in der Ijara Gemeinde, im Norden Kenias. Er  bewunderte seinen Vater, der eine Herde mit 300 Rinder und 600 Ziegen hatte, die ihnen auch während Trockenzeiten das Überleben sicherte.

„Ich dachte nicht, dass ich jemals ohne eine Herde überleben könnte“

„Mein Vater starb Ende der 1980er Jahre“, sagt Garane. „In Somalia gibt es ein Sprichwort, das besagt, wenn das Familienoberhaupt stirbt, stirbt die Herde mit ihm. In unserem Fall fiel ein Großteil der Tiere der Dürre zum Opfer, während die restlichen Tiere unter den verschiedenen Familienmitgliedern aufgeteilt wurden.

Auf der Suche nach Weideland zog Garane von Dorf zu Dorf. Doch wegen der anhaltenden Dürre fand er nicht genug Futter und die meisten Tiere verhungerten oder verendeten an Krankheiten. „Ich dachte nicht, dass ich jemals ohne eine Herde überleben könnte“, erzählt er.

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Ackerbau, Holzkohle und Bananen haben die Herde ersetzt

Weil er sich keine neuen Ziegen leisten konnte, lebt Garane nun von Ackerbau auf einem Stück Land, das er bebauen darf und als Gegenleistung dafür als Nachtwächter arbeitet. Ansonsten verdient er nur alle sechs Monate umgerechnet 19 US-Dollar mit dem Verkauf von Bananen und 32 US-Dollar pro Monat mit dem Verkauf von Holzkohle, zusammen mit seiner Frau Hamila.

Die Bauern im Norden Kenias sind immer häufiger von immer stärkeren Dürren betroffen. Fruchtbares Land ist rar und das Futter für das Vieh – und damit das Vieh selbst – wird knapp.

Traditionelle Systeme halfen den Armen der Gemeinde

In der Vergangenheit, im traditionellen „irmansi“ System, konnten die Ältesten der Gemeinschaft den Viehbestand eines Gemeinschaftsmitgliedes durch Tiere anderer Gemeinschaftsmitglieder regulieren und bei Bedarf aufstocken.

Doch seit dem Bürgerkrieg in Somalia in den 1990er Jahren benötigen mehr als 70 Prozent der Gemeinschaftsmitglieder Hilfe und das traditionelle System ist überfordert. Dies trifft vor allem auch auf die Flüchtlingsregionen im Norden Kenias zu.

Anpassung als Rezept gegen Hunger

Das „Adaption Learning Programme“ (ALP – Anpassungsprogramm an den Klimawandel) von CARE in Afrika arbeitet verstärkt mit Frauengruppe zusammen, um Frauen als Ernährer der Familie zu unterstützen, da die Männer häufig alleine nicht mehr genug verdienen.

Durch die Stärkung der Gemeinde und ihrer Traditionen vermindert die ALP zum einen die Anfälligkeit der Gemeinschaften für die Folgen des Klimawandels und verbessert zum anderen ihre Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel. Ein weiteres Zeil von CARE ist es, die Frauen – die Säulen der afrikanischen Familie – in ihren Rechten zu stärken und zu fördern.