Kenia: Geld sparen, Leid ersparen

CARE-Spargruppen sichern Einkommen in Zeiten der Dürre

von Andisheh Nouraee

Grace Orwa steht in einem Getreidefeld in der Nähe des Zentrums von Kanyawara, einem kleinen Ort im gebirgigen westlichen Teil Kenias, weniger als eine halbe Autostunde vom Viktoriasee entfernt.

Für einen Besucher sieht Kanyawara so aus, als stünde hier alles in voller Blüte. Ausladende Laubbäume spenden Schatten in einem Dorf mit satten Wiesen. Rundherum üppige Getreide- und Maniokfelder. Aber die Dorfbewohner sagen, dass der Schein trügt. Wegen des fehlenden Regens wächst das Getreide nicht so schnell wie es sollte. In dem Getreidefeld, in dem die Halme kaum bis an ihre Taille reichen, streckt Grace eine Hand aus in die Höhe.

Schlechte Ernten sind eine doppelte Belastung für Familien

„So hoch sollte das Getreide schon sein,“ sagt sie und zeigt mit ihre Hand weit über ihren Kopf. „Aber es hat erst so spät geregnet.“

Das Überleben von bäuerlichen Gemeinden wie Kanyawara ist von den Niederschlägen abhängig. Schlechte Ernten sind eine doppelte Belastung für Familien; das Einkommen sinkt und die Ausgaben steigen, weil die Bauern mehr Lebensmittel auf den benachbarten Märkten kaufen müssen.

Um diese harten Zeiten zu überstehen, verlassen sich die Menschen aus Kanyaware und vielen benachbarten Gemeinden auf Spargruppen, wie sie seit 2008 von CARE ins Leben gerufen wurden. Sie sichern Familien finanziell ab – und damit häufig auch ihr Überleben. 

Durch ihre Spargruppe kann sich Grace die Lebensmittel für ihre Kinder leisten und hat dann immer noch genug, um die Schulgebühren zu bezahlen. Eine ihrer Nachbarinnen, Rujina Orna, nutzt Graces’ Möglichkeit, über die Gruppe an Darlehen zu kommen.. Dadurch kann sie  Getreide und Maniok auf dem nahegelegenen Markt verkaufen Mit dem daraus erzielten Einkommen unterstützt sie sieben Menschen, dazu gehört auch ihr verwaister zehn Jahre alter Enkel.

Spargruppen gehören ihren Mitgliedern

Aber die Trockenheit in Ostafrika betrifft nicht nur die Bauern. Im nahegelegenen Nyamira berichtet die Krankenschwester Veronica Okongo, dass Grundnahrungsmittel wie Getreide und Eier heute etwa 50 Prozent mehr kosten als noch letztes Jahr. Bei vier Schulkindern und einer Tochter, die in Nairobi zur Uni geht,  gibt die Familie viel Geld für Bildung aus. Sie hatte auch schon vorher ein Sparkonto, das sie aber von einer normalen Bank zu einer von CARE gegründeten Gemeindespargruppe verlegte, um mehr Zinsen zu bekommen.

Im Gegensatz zu den Banken gehören die Spar- und Darlehensgruppen den eigenen Mitgliedern. Die Zinsen aus den zurückgezahlten Darlehen werden unter den Mitgliedern aufgeteilt. Je mehr man spart, umso mehr Zinsen erhält man von der Spargruppe. Veronica bekommt genug Zinsen, um die Schulgebühren für ihre jüngste Tochter davon zu bezahlen. Die Lebensmittelpreise haben sich im letzten Jahr so stark erhöht, sagt sie, dass sie ohne die Spargruppen nicht über die Runden kommen würde.

Was es heißt, über die Runden zu kommen

Was bedeutet das „nicht über die Runden kommen“ für Veronika? Es würde bedeuten, dass sie, ihr Mann und ihre Kinder weniger oder schlechtere Nahrung hätten. Es würde bedeuten, dass sie und ihre Familie anstehende Arztbesuche verschieben oder absagen müssten. Es würde bedeuten, dass eins oder mehrere ihrer Kinder nicht weiter zur Schule gehen könnten. All das kann sich Veronika durch die Gruppe „ersparen“.

Helfen Sie CARE im Kampf gegen die Dürre und den Hunger in Ostafrika und spenden Sie hier!