Kenia: Größere Lebensmittelsicherheit trotz Dürren

Neben Nothilfe unterstützt CARE seit Jahrzehnten Dorfgemeinschaften dabei, sich auf längere Dürrenzeiten vorzubereiten

Kenia, Somalia und Äthiopien sind von einer schweren Dürre und Nahrungsmittelknappheit betroffen. Über 10 Millionen Menschen benötigen deswegen dringend humanitäre Hilfe. CARE verteilt daher Nahrungsmittel und unterstützt die betroffenen Menschen durch den Aufbau sanitärer Anlagen, mit psychologischer Betreuung und Bildungsangeboten.

Ungefähr 2,4 Millionen Menschen sind in Kenia zwischen April und September 2011 von ausbleibendem Regen, Wasserknappheit und ausgetrockneten Böden betroffen. Im Nordosten Kenias hilft CARE seit Jahrzehnten, um vom Wassermangel betroffenen Dörfern zu unterstützen, die häufiger werdenden Dürreperioden besser zu bewältigen.

Lesen Sie hier den Blog von CARE-Mitarbeiterin Alexandra Lopoukhine aus Dadaab!

Im fünfjährigen „Adaption Learning Programme for Africa“ (ALP) arbeitet CARE zusammen mit Dorfgemeinschaften, damit sie sich besser dem Klimawandel anpassen können. Die betroffenen Menschen lernen dabei die wichtigsten Fertigkeiten für eine dauerhafte Lebensmittelsicherheit – trotz der Klimaveränderungen.

Hungrige Kinder, verdurstendes Vieh und neue Erwerbsquellen

Die Frauen in der Gemeinschaft Nanighi im Nordosten Kenias haben viel zum Thema Dürre zu sagen. Häufig werden sie jedoch nicht gehört. Wenn sie unter sich sind, sprechen sie offen: über hungrige Kinder in ihren Dörfern, über Rinder, die verdursten, bevor sie zum Marktplatz kommen und darüber, wie sie ihre Hausgemeinschaft verlassen müssen, um neue Erwerbsquellen zu finden.

CARE hilft den Frauen dabei, dass ihre Stimmen auch gehört werden – nicht nur, weil sie viel wissen über die Auswirkungen des Klimawandels, sondern auch, damit ein größeres Bewusstsein für ihre Belange geschaffen wird. Dafür machen sie zusammen mit Gemeindemitgliedern, CARE-Mitarbeitern und lokalen Journalisten eine Fotogeschichte. Die ist auch Teil eines Beobachtungs- und Bewertungssystems, das vom „Adaptation Learning Programme for Africa“ (ALP) genutzt wird.


Geschichten, Spargruppen und Unternehmertum als Selbsthilfe

Diese Geschichten werden nicht ohne Zusammenhang erzählt. Sie bauen auf breiten Diskussionen mit der Dorfgemeinde und CARE über die stärksten Auswirkungen des Klimawandels auf, die in ihrem Dorf zur Sprache gebracht werden müssen. Neben der Unterstützung durch die lokale Verwaltung und andere Hilfsorganisationen sind diese Geschichten besonders wichtig, um längerfristige Anpassungspläne an den Klimawandel für das Dorf zu entwickeln.

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Insgesamt erzählen drei Gruppen ihre Geschichten: Frauen, ältere und jüngere Männer. Jeder von ihnen ist auf seine Weise von der Dürre betroffen. Die Frauen sind von der Verkleinerung des Viehbestandes und von Krankheiten, die durch die Dürre ausgelöst wurden, besonders betroffen. Sie befürchten, dass sich die Dürre im Nordosten Kenias ausdehnt und verschlimmert. Ihre Geschichten zeigen ebenfalls, wie sie mit den Problemen zu Recht kommen: Sie gründen Spargemeinschaften, so genannte „Karussells“, damit sie sich gegenseitig bei Arbeiten, wie zum Beispiel dem Fertigen von Matten, dem Verkaufen von Tee und dem Betreiben kleiner Verkaufsstände helfen.


„CARE befähigt die Gemeinschaften, sich selbst zu helfen“

Um diese Dorfgeschichten zu entwickeln, wurden die lokalen Journalisten und die Mitarbeiter von CARE darin geschult, wie man diese Geschichten technisch betreut. Die Dorfbewohner arbeiteten mit ihnen in einem zwei Tage dauernden Workshop, um zu entscheiden, welche Lösungsansätze es gibt. Auch für die lokalen Journalisten war das wichtig. Vieles davon wussten sie vorher nicht.

„Ich habe gesehen, dass die Gemeinschaft sich nicht einfach mit den Veränderungen abfindet, sondern versucht, sich anzupassen.„“, sagte Abdisalan Ahmed von Standard Media. „Meine erste Einschätzung war, dass CARE Hilfe während einer humanitären Krise bereitstellt, aber ich habe festgestellt, dass sie auch Gemeinschaften befähigen, sich selbst zu helfen.

Nachdem die Geschichten der Gemeinschaft erzählt waren, gingen die Journalisten und die Mitarbeiter von CARE zum Dorf Nanighi, um die Szenen aus den Geschichten mit den Frauen- und Männergruppen zu fotografieren. Die Frauengruppe sprach mit ihren Nachbarn über das Projekt und entschied, zu dokumentieren, wie schwer es ist unterernährte Kinder und kranke Tiere zu haben. Sie wollten aber auch ihre Geschäftsinitiativen wie den Milchverkauf zeigen, um mehr Unterstützung zu bekommen.

„Frauen sind Teil unserer Gemeinschaft“

Das Video gibt es auch für Laptops und Handys. Zusammen mit den Journalisten zeigten die CARE Mitarbeiter und die Journalisten den Geschichtenerzählern und den Dorfvorstehern die fertigen Filme. „Manche Frauen fühlen sich nicht ganz wohl, weil sie normalerweise bei Dorfversammlungen nicht sprechen.

Deswegen wollten wir die Männer bitten, die Versammlung nach den Videos mit den jüngeren und älteren Männern zu verlassen“, berichtet Tamara Plush vom Klimawandel-Team von CARE. „Aber die älteren Männer waren anderer Meinung. Sie wollten die Frauen anhören, da sie doch Teil der Gemeinschaft seien. Das war ein starkes Zeichen und man konnte den Stolz auf den Gesichtern der Frauen sehen.

Mehr Selbstbewusstein, um ihre Geschichten zu erzählen

Nachdem der Film gezeigt wurde, entschieden die Frauen nicht nur, dass der Film in zukünftigen Versammlungen wieder gezeigt werden kann, sondern auch, dass ihre Geschichte überall erzählt werden darf. Auch in anderen Dörfern, in denen CARE arbeitet, den kenianischen Politikern und der ganzen Welt – damit alle sehen, welche Auswirkungen der Klimawandel auf sie hat.

„Etwas über die Aktivitäten der Frauen zu erfahren, hilft allen anderen und uns sehr“, sagt Asha Klas Abdullahi, 29. „Die Älteren schätzen uns jetzt mehr. Das gibt uns mehr Selbstvertrauen, unsere Geschichten zu erzählen."