Kenia: Mit Traditionen gegen die Krise

"Dürren haben wir schon oft erlebt. Aber sie werden immer häufiger und schwerer"

Von Adan Wago

Die Gemeinde der Gari ist die größte im Distrikt Mandera, der an Somalia und Äthiopien grenzt. Traditionell verdienen die Menschen hier ihr Einkommen mit der Zucht von Kühen, Kamelen, Schafen oder Ziegen, die liebevoll als „die mit der süßen Milch“ bezeichnet werden.

„Dürren gibt es bei uns schon seit Jahrhunderten. Aber sie sind häufiger geworden in den letzten 30 Jahren. Und schwerer“, sagt Fatuma Issack, Vorsitzende der Tukuma Frauen Gruppe in Burduras, einem kleinen Dorf im Mandera Distrikt.

Früher war das Nomadentum eine Möglichkeit, der Dürre zu entkommen

Traditionell gab es verschiedene Wege, wie die Gemeinde die Dürren überlebten: Sie konservierten Lebensmittel, aßen wilde Früchte und Knollen, schlachteten Tiere oder zogen in einen anderen Teil des Landes.

Traditionelle Bewältigungsstrategien – so fand CARE heraus – werden allerdings kaum mehr angewandt. Das Ziel der Selbstversorgung in Dürrezeiten kann allerdings nur erreicht werden, wenn traditionelles Wissen erweitert und die Fähigkeit, auf plötzliche, immer wiederkehrende Dürren zu reagieren, wieder verbreitet wird.

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 "Nyirinyiri" hält länger

Die Konservierung von Fleisch trägt erheblich zur Ernährungssicherung bei. Doch viele Familien wissen nicht mehr , wie man Fleisch konserviert. Zusammen mit dem Amt für Viehzucht, dem Ministerium für Öffentliche Gesundheit und dem Veterinäramt bildet CARE deshalb Frauengruppen darin aus.

Die Tukuma Frauengruppe eröffnete nach ihrer Ausbildung eine Metzgerei, wo rohes Fleisch und bereits zum Verzehr verarbeitete Produkte, im Volksmund „Nyirinyiri“ angeboten werden.

„Das Fleisch wird in kleine Stücke geschnitten, lange frittiert und dann in Öl gelagert, um die Haltbarkeit zu verlängern. Auf diese Weise kann man das Fleisch für mindestens ein Jahr haltbar machen, je nachdem, welches Öl verwendet wurde“, erklärt Fatuma.

Das Geschäft läuft – auch während der Dürre

Anders als Milch kann man Fleisch das ganze Jahr über verkaufen. Obwohl der Prozess der Konservierung von Fleisch nur eine Stunde dauert, steigert er den Wert von Fleisch bei einem Kilogramm von 240 Kenia Schilling (3 US-Dollar) auf 400 Kenia Schilling (5 US-Dollar).

Habiba Gabow Osman möchte anderen mit ihrer Erfahrung Mut machen: „In der Vergangenheit waren wir während Dürrephasen auf humanitäre Hilfsgüter angewiesen. Die Mengen reichen allerdings selten aus und waren auch nicht sonderlich gut. Trotz Dürre geht es jetzt unseren Kindern gut. Sie können jeden Tag Fleisch aus unserer Produktion essen.

Mit unserem Einkommen können wir Wasser und Futter für ausgewählte Herden kaufen. Ursprünglich komme ich aus einer sehr armen Familie und konnte vorher nicht einmal ausreichend Wasser für mich und meine acht Familienangehörigen beschaffen. Jetzt kann ich es!“ erzählt sie stolz.