Kenia - Rettung für Dorahs Apotheke

Dorah Nyanja hielt in Zeiten der Unruhe und der Gewalt zu ihrer Gemeinde. Doch noch immer herrscht Chaos in Kibera. Die Gegend wird von den Anhängern des Kandidaten der Oppositionspartei beherrscht.

Dorah Nyanja arbeitet als Krankenschwester in Soweto, mitten in Kibera, dem größten Slum Nairobis. In Kibera entzündeten sich die Unruhen nach der Wahl Ende Dezember, Gewalt und Zerstörung halten bis heute an. Dorah besitzt eine kleine Apotheke, in der sie nicht nur Medikamente verkauft, sondern leichte Verletzungen behandelt und Kranke untersucht. Aufgebaut hat sie ihren kleinen Laden mit Hilfe von CARE. In Kibera gibt es so gut wie keine ärztliche Versorgung, nur wenige Krankenhäuser oder Apotheken müssen Tausende von Menschen behandeln.

„Die Situation in Kibera ist chaotisch seit der Wahl”, sagt Dorah. Die Gegend in der sie arbeitet wird von den Anhänger des Kandidaten der Oppositionspartei, Raila Odinga beherrscht. Nur wenige Stunden nachdem sich der bisherige Präsident Mwai Kibaka erneut zum obersten Staatsmann erklärt hatte brannten ganze Straßenzüge. Protestanten und Polizei lieferten sich blutige Straßenkämpfe. Die Kugeln des Kampfes trafen viele unschuldige Passanten, vor allem Frauen und Kinder.

„Ich wurde gebraucht“

Laut der Regierung sind bislang 64 Menschen gestorben. Auch Dorah erlebte die Momente der Krawalle hautnah mit. „Ich schlief vier Nächte hintereinander in meiner Klinik”, sagt sie. „Wenn jemand medizinische Hilfe brauchte hat er mich jemand angerufen und ich habe die Verletzten in meinen Laden gelassen. Die Türen ließen wir geschlossen, denn ich wollte keine Aufmerksamkeit erregen.“ Die Mutter dreier Kinder konnte ihre Gemeinde auch in diesen brutalen Zeiten nicht alleine lassen. „Ich wurde gebraucht. Deswegen blieb ich in Kibera. Ich behandelte die Wunden vieler Leute.”

Ihr Mut und ihr Einsatz wurden belohnt. Als ein wütender Mob ihre Apotheke zerstören wollte, eilten viele Einwohner Sowetos zur Hilfe: „Sie überredeten die Angreifer meine Klinik in Ruhe zu lassen. Sie sagten, sie wären auf meine Hilfe angewiesen und es wäre keinem geholfen, wenn meine Apotheke zerstört würde.“ Dorah erzählt von diesem Schockmoment mit schwacher Stimme. Doch trotz all der Angst, die sie ausstehen musste, lächelt sie gleich darauf. Sie ist froh, dass ihre Arbeit so geschätzt wird.

Weitere Probleme tauchen auf

Nach einem Monat konnte sie ihre Apotheke wieder öffnen. „Die Spannungen in meinem Viertel sind etwas gesunken. Aber nun kommen andere Probleme auf uns zu“, sagt die Krankenschwester. Immer öfter sieht sie Jugendliche, die sich gewalttätiger als zuvor verhalten. Auch fragen sie neue, ungewohnte Fragen. „Welcher ethnischen Gruppe gehören sie an, Doktor“, hört sie von den Kindern. Dorah ist besorgt darüber. Obwohl es schon öfter Spannungen zwischen den Volksstämmen gab, wurden diese ihrer Meinung nach noch nie so offen ausgetragen und ausgesprochen wie jetzt. „Wir brauchen jetzt psycho-soziale Hilfe, um diese Spannungen aufzulösen. Kinder dürfen nicht damit aufwachsen, andere zu diskriminieren oder diskriminiert zu werden.“

Dazu kommt, dass viele Menschen verzweifelt sind, weil sie ihre Geschäfte und damit meist ihr einziges Einkommen verloren haben. „Viele meiner Patienten können mich nicht mehr bezahlen“, sagt Dorah. „Heute Morgen konnte eine Familie mit ihren vier Kindern nicht für ihre Medikamente aufkommen, obwohl sie sehr krank waren. Ihr Gemüseladen wurde vollständig zerstört. Ich gab sie ihnen umsonst. Doch lange kann ich so nicht weiterarbeiten, denn mein Medikamentenlager ist schon fast zu Ende. Und auch ich brauche ein Einkommen, um neue Medikamente zu kaufen und meine Familie zu ernähren.“