Kindertag im Katastrophengebiet

CARE-Mitarbeiter Axel Rottländer besuchte das Kinderfest in Japan, das den Erdbeben- und Tsunamiopfern ein Stück Normalität und Zukunft zurückgibt

Jedes Jahr am 5. Mai findet überall in Japan ein Kinderfest statt, für das öffentliche Plätze mit sogenannten „fliegenden Karpfen“, kleinen Wimpeln, dekoriert werden. Außerdem gibt es traditionelle Reisgerichte und ein Unterhaltungsprogramm für Kinder. Die Japaner wollen einfach ihren Kindern zeigen, dass sie sich freuen, Kinder zu haben. 

Meine CARE-Kollegen haben einen Fahrdienst für die Kinder aus dem Evakuierungszentrum in Yamada organisiert. Viele Familien im Zentrum haben nicht nur ihr Heim, sondern auch alles andere verloren. Überall in den Tsunami-Gebieten stehen massenhaft völlig zerbeulte Autos herum, die von den Wassermassen hunderte Meter fortgespült wurden und jetzt nur noch auf den Schrotthändler warten. Die meisten der betroffenen Familien im Zentrum könnten ohne den Fahrdienst von CARE nicht zum Fest kommen. 

 

Für Familien, die ihre Kinder verloren haben, ist das Kinderfest ein schwerer Tag

Das Fest hat in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung, angesichts dieser Riesenkatastrophe, die die ganze Region schwer getroffen hat. Fast alle Überlebenden haben Familienangehörige, Freunde und Bekannte verloren. Besonders schlimm ist es für die Familien, deren Kinder in den Fluten umgekommen sind. 

Daher herrscht auf dem Fest gleichzeitig eine fröhliche, aber auch verhaltene Stimmung. Viele Familien sind mit ihren Kindern gekommen, die bei der traditionellen Zubereitung von Reis zuschauen können. Auch ein Rikscha-Fahrer ist vor Ort und fährt die Kinder herum. Es gibt unzählige Geschenke für die Kinder, genauso wie Theateraufführung. Ein junger Mann aus der Schweiz, der für eine lokale Nichtregierungsorganisation arbeitet, unterhält die Kinder mit Yo-Yo Kunststücken. Für die Kinder sind es ein paar Stunden, in denen sie das Grauen um sie herum kurz ausblenden können. 

 

Ein Stück Normalität und Zukunft

Das alles findet in unmittelbarer Nähe zu den zerstörten Stadtteilen von Yamada statt - die Katastrophe ist auch jetzt allgegenwärtig. Das Fest ist aber gleichzeitig ein neuer Anfang für die Menschen in Yamada, ein Stück Tradition und Kontinuität, die zwar von dem Tsunami empfindlich gestört, aber nicht zerstört wurden. Das Fest ist ein Stück Normalität und Zukunft für die Menschen in Yamada und überall sonst in den Katastrophengebieten von Japan, wo das Kinderfest gefeiert wird.