Klimaabkommen: Dringend politische Führung gebraucht

Klimaverhandlungen finden diese Woche in Bangkok statt.

Bangkok, 28. September 2009. Während die Hoffnungen für ein weltweites Klimaabkommen austrocknen, ertrinken zur gleichen Zeit Menschen auf den Philippinen in den schlimmsten Fluten, die das Land seit Jahrzehnten erlebt hat. Eine politische Führung wird dringend gebraucht, damit künftige Klimakatastrophen vermieden werden können. In dieser Woche treffen sich Politiker aus 192 Ländern in Bangkok, um Lösungen für  die sich abzeichnende Klimakrise zu finden.

Die Philippinen wurden am Wochenende von einer der schlimmsten Flutkatastrophen, die das Land je erlebt hat, heimgesucht. Bislang sind mehr als 240 Menschen gestorben und 450 000 betroffen. Während der Schock in Manila über diese Flutkatastrophe noch tief sitzt, treffen sich die nationalen Abgeordneten in Bangkok. Dort findet diese Woche eine weitere Verhandlungsrunde statt, bevor im Dezember der Klimagipfel in Kopenhagen beginnt.

Mehr Menschen von Katastrophen betroffen

„Wenn wir verhindern wollen, dass solche Naturkatastrophen zukünftig noch stärker und häufiger über uns hereinbrechen, dann brauchen wir dringend ein ehrgeiziges Klimaabkommen. Doch bis jetzt behindern die USA und die EU diesen Prozess, weil sie sich zu wenig um die politische Führung bemühen“ mahnt Poul Erik Lauridsen, Klima-Koordinator von CARE.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf Menschen und ihre Lebensräume werden immer schwerwiegender, weil Naturkatastrophen immer häufiger auftreten und an Stärke zunehmen. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Weltbank „Hazards of nature, risks to development“, wurden zwischen den Jahren 1984 und 1993 schätzungsweise 1,6 Milliarden Menschen von Naturkatastrophen betroffen. In dem danach folgenden Jahrzehnt ist die Zahl auf  2,6 Milliarden Menschen angestiegen. Dies sind mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung.

„Diese Situation ist besonders schlimm für die Entwicklungsländer. Denn 98 Prozent der weltweiten Opfer, die durch Naturkatastrophen ums Leben kamen, lebten in diesen Ländern“, erklärt Lauridsen. „Deshalb muss das Klimaabkommen eine angemessene Finanzierung beinhalten, die in notwendige Maßnahmen zur Klimaanpassung und Risikoreduzierung investiert.“

Geld – eine heikle Angelegenheit

Es bleiben nur noch 15 Verhandlungstage bis die UNO-Klimaverhandlungen in Kopenhagen beginnen. Es wird damit höchste Zeit für die USA und die EU, Führungsqualifikation zu zeigen. „Japans Ankündigung, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 25 Prozent zu reduzieren, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auch der chinesische Präsident Hu Jintao schürte auf der UNO-Generalversammlung Hoffnung, indem er sich für  erweiterte Emissionsziele aussprach. Aber trotzdem drohen die Klimaverhandlungen aufgrund fehlender Aussagen zu Emissionsreduzierungen und Finanzierung von Klimaanpassungen von USA und EU blockiert zu werden“, erklärt Lauridsen.

Die internationale Gemeinschaft der Nichtregierungsorganisationen schätzt, dass die EU jährlich 35 Milliarden zahlen müsste, um einen gerechten Anteil zur Begleichung der Klimaschutzrechnung zu leisten. Jüngsten Äußerungen in der Publikation „A European blueprint for the Copenhagen deal“ zufolge ist die Europäische Kommission jedoch nur bereit, einen Betrag zwischen zwei und 15 Milliarden Euro pro Jahr zu zahlen.

Fragen ohne Antworten

„Dass die Europäische Kommission endlich gezeigt hat, wie viel Geld sie auf den Tisch legen will, ist ein positives Zeichen. Doch die Zahlen sind nicht ausreichend. Wenn wir aber ernsthaft die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandel für die Menschen in den Entwicklungsländern vermeiden wollen, dann müssen wir schnell mit konkreten Antworten auf die folgenden Schlüsselfragen reagieren: Wer zahlt wann und wie viel für die Anpassung an den Klimawandel? Die Uhr tickt. Je länger wir warten, desto teurer wird es. Den Teilnehmern der Verhandlungen bleiben nur noch 15 Arbeitstage bis Kopenhagen. Ohne politische Führung und stärkere Anstrengungen von der EU werden wir es bis Kopenhagen nicht rechtzeitig schaffen“, betont Lauridsen.